Bäcker

Bei dem Bäckerhandwerk handelt es sich um ein schon sehr altes Handwerk.

 

Da die Strinzer früher ihr Brot gemeinschaftlich im Backhaus backten, finden wir den Beruf des Bäckers in unserem Ort erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

 

Das Handwerk des Bäckers teilte sich früher noch in

  • Zuckerbäcker (Konditor)
  • Pfefferkuchenbäcker (Lebkuchen)
  • Los- oder Weißbäcker (Weizenbrot, Brötchen etc.)
  • Fast- oder Schwarzbäcker (Roggenbrot)

Diese Unterscheidungen wurden als erstes in Preußen 1752 aufgehoben, da sie zu ständigen Reibereien, auch zum Nachteil der Kundschaft führte. Der Bäckerberuf gehörte zu den freien, geschenkten und ungeschlossenen Handwerken. Die Befugnis eines Meisters, zu backen, hieß die (Back-) Gerechtigkeit oder auch die Bank. Bereits im römischen Recht wurden die Bäcker zu eigenen Korporationen vereinigt und im Mittelalter wurde durch Erteilung von Privilegien die Bildung von Bäckerinnungen vorangetrieben. Ihren Rechten entsprachen jedoch bestimmte Pflichten. So sollten die Bäcker durch die Bereitstellung ständig vorhandener Mehlvorräte allgemeinen Notständen vorbeugen helfen.

 

Der Beruf des Bäckers war für die Ernährung der Bevölkerung so wichtig, dass ein Bäcker in der Regel auch nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

So heißt es in der Strinzer Chronik:

23. Februar 1915 - Weitere Musterungen älterer Jahrgänge. Von StM wird alles gezogen nur der Bäcker Hermann Bodenheimer wird seines Berufes wegen freigegeben.

 

Im 2. Weltkrieg ruhte dagegen der Backbetrieb der Bäckerei Bodenheimer.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm die  Bäckerei Bodenheimer den Backbetrieb wieder auf, verbunden mit einem Lebensmittelgeschäft. Der Aufwand, eigenes Brot zu Backen wurde dadurch zu hoch und der Backesbetrieb wurde eingestellt.

 

Die meisten Familien hatten ein sogenanntes Brotbuch, in dem gegen die Lieferung von einem Zentner Korn (Roggen) 32 Brote gutgeschrieben wurden. Bei jeder Abholung verminderte sich der Bestand entsprechen. Eine große Familie lieferte ca. 8 - 10 Zentner Korn. Sie hatte damit genügend Brotgutschrift für das ganze Jahr. Wer mit seiner Brotgutschrift nicht auskam, konnte auch einen Vorschuss erhalten, er hatte damit dann "vorgegessenes Brot".

Elisabeth Bodenheimer in der Strinzer Bäckerei im Jahre 1954

Erhalten gebliebene Backbücher der Beckerei Bodenheimer von 1911 - 1957. Darin wurde z. B. dokumentiert, was gekauft wurde, Kuchenbestellungen zu den Feiertagen, Anschreibungen, oder auch Auftragsarbeiten.

Schließung der Bäckerei im Jahre 1972. Elisabeth Bodenheim schließt zum letzten mal die Bäckerei ab.

Sein Brot konnte man später auch bei der Wehener Walzenmühle und Brotfabrik beziehen, die bei Adolf Seel eine Ausgabestelle in der Kriegs- und Nachkriegszeit unterhielt.

 

In den 50er Jahren wurden die Dörfer mit dem "Brotauto", einem umgebauten LKW, von der Wehener Walzenmühle und Brotfabrik (Herdlingbrot genannt) angefahren, wo man sein Brot erwerben konnte.

 

Nachdem es heute in StM keine Bäckerei mehr gibt, erlebte das "Brotauto" eine Renaissance. Es hält täglich in den Morgenstunden bei der Gastwirtschaft Schneider, neben der Stelle, an der früher das Backhaus stand.

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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