Hirte

Das Hirtenhaus
Das Hirtenhaus

Im Ort gab es eigene Hirten, die sich um die Tiere des Dorfes kümmerten. Schon im Jahre 1499 ist in einem Idsteiner Steuerregister ein Kuhhirte (der Koewehyrt) erwähnt.

 

Den Hirten stand ein eigenes Haus zur Verfügung, das Hirtenhaus, welches in der Scheidertalstraße gegenüber des Hirtenpfades stand. Es ist heute nicht mehr vorhanden, und wurde durch einen Neubau ersetzt.

 

Obiges Bild habe ich aus einer Ortsansicht aus den 30er Jahren herausgeschnitten.

Schäfer Wilhelm Hankammer

Schäfer Hankammer im Jahre 1947
Schäfer Hankammer im Jahre 1947

Wilhelm Ludwig Hankammer war einer der letzten Schäfermeister in Hessen.

 

Er erblickte am 7. Juni 1891 das Licht der Welt. Schon anfangs der 1920er Jahre hat er die Meisterprüfung vor der Landwirtschaftskammer mit Erfolg abgelegt. 

Vom Landesverband der Schafszüchter in Hessen-Nassau wurde er 1950 für 25jährige erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Schafszucht besonders ausgezeichnet.

 

1953 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn nicht nur vorübergehend lähmte, sondern für einige Zeit auch seiner Sprache beraubte. Doch davon erholte sich Hankammer gut, sodass nichts davon zurückgeblieben ist.

 

Noch vor seinem Tot war Hankammer draußen auf dem Feld. Weil er keine Schafe mehr zu hüten hatte, übernahm er es, Straßen und Plätze in der Gemeinde sauber zu halten.

 

Mit seiner treuen Gattin, mit der er im Jahre 1964 goldene Hochzeit feiern konnte, zeugte er drei Töchter, die ihm wiederum elf Enkel und neun Urenkel bescherten.

 

Hankammer verstarb am 26.12.1966 im Alter von 75 Jahren.

 

Quelle: zeitgenössischer Zeitungsausschnitt (Verlag nicht bekannt)

Der Beruf des Schäfers und die Schafhaltung in StM

Die Schafhaltung in den  Zeiten  vor und nach dem 2. Weltkrieg  war sehr angepasst an die Bedürfnisse der Landbevölkerung, zeitweise aber auch an die staatliche Förderung und entsprechende Vorgaben. Aus dem Jahr  1935 sind hierzu  statistische Daten darüber  bekannt,

 

eine allgemeine Statistik, aufgrund von Daten die für die Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe und der Produktion (Reichsnährstand)  im dritten Reich erhoben wurden:

 

Das Dorf hatte  353 Einwohner, davon waren 46 Schüler.

 

                 landwirtschaftliche Betriebe           54

 

                 davon Erbhöfe                                   10

 

                 Viehbestand:

 

                 Pferde                                                  40

 

                 Rinder                                                385

 

                 Schweine                                           469

 

                 Ziegen                                                  52

 

                 Hühner                                           1.529

 

                 Truthühner                                            8

 

                 Bienenstöcke                                      47

 

                 Obstbäume                                    2.000

 

In diesen Erhebungen sind Schafe nicht erwähnt, demnach gab es keine Schafe in Strinz Margarethä.

 

 

Die Anbauflächen in der Gemarkung, ohne Wiesen in Hektar:

 

                 Roggen                                             85  (25,0 %)

 

                 Weizen                                            28   (  8,9%)

 

                 Gerste                                               4   (  2,1%)

 

                 Klee (deutscher  Rotklee)             31  (  9,3%)

 

                 Hafer                                                98  (28,8%)

 

                 Kartoffeln                                        53  (15,5%)

 

                 Futterrüben                                    26  (  7,6%)

 

                 Kohlrüben                                       10  (  2,7%)

 

                 Gemüse                                             2  (  0,7%)

 

 

Erst nach dieser Erhebung wurde  die geregelte Schafzucht eingeführt, mit der Gründung einer „Schafgemeinde“ (Schoofgemoa genannt) und der Anstellung eines Schäfers. Fast alle landwirtschaftlichen Betriebe  haben sich an der Schafhaltung mit der Haltung einer kleinen Anzahl beteiligt, auch wegen der Wolle, die man in der Familie selbst verarbeitet hat.

 

 

Die Aufgabe eines Schäfers bestand nun darin, die Schafe während der Vegetationszeit auf die Weide zu führen und zu betreuen. Dazu mussten sie nach der Stallhaltung im Winter im Dorf gesammelt werden um sie Hinauszuführen in die Gemarkung. Die Schafhalter hatten meist zwischen zwei und sechs Tiere für die man nur die Stalltüre aufmachen musste, wenn der Schäfer durchs Dorf zog, sie haben sich einfach der Herde angeschlossen, ebenso sind sie am Abend, wenn es zurück ging, selbständig wieder in ihren Stall gelaufen. Es kam nur selten vor, dass der Schäfer dabei helfen musste oder ein Schaf sich verirrte. Wo aber sollte der Schäfer die ca. 200 bis 250 Schafe zum Weiden hinführen, eine dafür bestimmte „Weide“ gab es gar nicht und alle Felder in der Gemarkung waren bis auf den letzten Quadratmeter mit Feldfrüchten bestellt, siehe oben. Sogar die mit Gras bewachsenen Feldwege wurden von der Gemeindeverwaltung zur Nutzung durch die Bauern meistbietend  versteigert. Wo nun sollte denn der Schäfer mit  den ihm anbefohlenen Schafen zum „satt fressen“ hin. Das war eben die „Kunst“ des Schäfers, die wenigen nicht genutzten, nicht anderweitig nutzbaren Flächen zu kennen und je nach Bewuchs und Jahreszeit die Herde dort hinzuführen. Das waren größere Ödlandflächen, sogenannte Hutungen, Wüsteneien, die Waldränder und Böschungen an den Feldwegen. Der erste grüne Aufwuchs im Frühjahr war natürlich auf der Sonnenseite der Gemarkung, auf dem  Krummewegerfeld, die Wüsteneien auf dem Altenberg, auf dem Kirchberg, bei Lauferswies, in den Drischern, auf Harebach, auf Brüderstein, am Teufelsberg, in Rembach, auf der Maßholder, Roedersboden, im Kessel, und am Ziegenberg, sowie rund um die Feldgemarkung sämtliche Waldränder.

 

Nur zu bestimmten, eng bemessenen Zeiten, durfte er über die Wiesen ziehen, die vom Eigentümer nicht mit einem Strohwisch gekennzeichnet waren. Einen wahren Überfluss im Futterangebot gab es nach der Getreideernte, hier insbesondere die Rotkleeuntersaat nach dem Abernten des Hafers, immerhin 31 Hektar, nach der obigen Statistik. Bei üppigem Aufwuchs der Rotkleeuntersaat war es erwünscht, sogar nötig, dass sie abgeweidet wurde, um den sogenannten „Schneeschimmelschaden“ zu vermeiden, der unter einer langandauernden Schneedecke, das gab es damals noch, entstehen konnte und den jungen Klee vernichtete. Wer die Beweidung  ablehnte und den starken Aufwuchs selbst verfüttern wollte, musste das mit einem darauf gesteckten Strohwisch kennzeichnen. Auch nach der Grummeternte konnte der Schäfer die nicht gekennzeichneten Wiesen beweiden. Es war eine Herausforderung  den Mangel im Frühjahr und  die Zeiten des Überflusses mit Gespür und Sachverstand  zu verwalten, das machte  einen guten Schäfer aus. Darüber hinaus war er vor Allem für die Gesunderhaltung der Tiere zuständig, d.h. neben einer guten Futterversorgung, die Hufpflege, den Schutz vor Ungeziefer, die Schafschur im Mai

 

mit dem vorausgehenden „Waschen“ im Aubach unterhalb der „Schafbrücke“ an der Kreuzung der

 

Scheidertalstraße  Niederlibbach/Wingsbach, meistens verbunden mit einer Desinfektion zum Schutz

 

vor der Hufkrankheit und vor Ungeziefer. 

 

Nach dem Abernten der Getreidefelder hatte der Schäfer eine weitere Herausforderung zu bestehen, das war die Düngung der Felder durch die Schafherde.

 

Dazu wurde auf dem zu düngenden Feld mit festen Hürden ein etwa quadratischer  Pferch aufgestellt, in den die Herde über Nacht getrieben wurde, für eine gute Düngung reichte eine Nacht.

 

Für die nächste Nacht wurde der Pferch weitergeschlagen, bis das ganze Feld gedüngt war. Diese Dienstleistung war unter den Bauern sehr begehrt, wegen dem guten Dung, aber auch wegen der ersparten  Arbeit, die er mit einer Düngung, etwa mit Stallmist, hätte aufwenden müssen.

 

Wer davon Gebrauch machen wollte, musste bei der „Versteigerung des Schoofparschs“ ein gutes Angebot abgeben, denn nur die Meistbietenden kamen in den Genuss dieser „Dienstleistung“.

 

Für die „Schoofgemoa“, die den Schäfer zu entlohnen hatte, war das eine gute Einnahmequelle.

 

Wer den Pferch ersteigert hatte, der musste für den Transport der Hürden und der Schäferhütte sorgen.  Der Bedarf war in der Regel so groß, dass die Schafe bis zum Ende der Vegetationsperiode

 

draußen  waren. Über den Winter hat jeder seine Schafe wieder zu Hause im Stall versorgt und  bis

 

zum beginnenden Frühling  war damit der Jahreszyklus des Schafe Hütens  abgeschlossen.

 

 

Zu den erweiterten Aufgaben  des Schäfers  gehörte  die Haltung eines guten Schafbocks und  guter

 

Hütehunde. Nur mit zwei guten Hütehunden konnte er die Herde in Schach halten, um zu vermeiden,

 

dass  die mit Feldfrüchten bestellten Äcker abgegrast wurden, was dennoch ab und an vorkam und zu großem Zwist führte. Selbst bei kleinen Schäden kam es mitunter zu „großem Trara“  und der Schäfer brauchte ein „dickes Fell“ um die Beschimpfungen aushalten zu können, er war immer schuld, wenn so etwas mal vorkam, insbesondere dann, wenn der Betroffene selbst keine Schafe hatte. Mit dem Beginn der fünfziger Jahre ging die Schafhaltung rapide zurück  nachdem der Schäfer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf aufgeben musste. Die „Schoofgemoa“ wurde aufgelöst und die Schafhaltung wurde nur noch von wenigen Bauern weitergeführt.

 

Der Schäfer hatte indes in seiner Dienstzeit gute und wertvolle Arbeit geleistet, die nicht ausreichend wertgeschätzt wurde. Gerade in den Jahren des Mangels waren seine Dienste von unschätzbarem Wert, die er durch die Gesunderhaltung der Herde und den Zusammenhalt in der „Schoofgemoa“  erbracht hat. Die Gemeinde Strinz Margarethae hatte einen guten Schäfer!

 

 

In den statistischen Aufzeichnungen ist der Rückgang von 1949 bis 1960 eindrucksvoll dargestellt:

 

Die Anzahl der Schafe betrug 1949     216          1955        9                        

 

                                                     1950     168          1956        9

 

                                                     1951     165          1957      16

 

                                                     1952     107          1958        2

 

                                                     1953      67           1959      34

 

                                                     1954      10           1960      29

 

 

Der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Verfall  der Preise für Wolle und Fleisch

 sowie der hohe Arbeitsaufwand  hat zu dem starken Rückgang der Schafhaltung geführt.

 Sept. 2017, Helmut Hartwig  

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