Der Kartoffeldämpfer

Wozu brauchte man einen Kartoffeldämpfer, der pro Stunde 18 Zentner Kartoffeln gar kocht?

 

Der Strinzer Kartoffeldämpfer im Hessenpark (Schwarzer)
Der Strinzer Kartoffeldämpfer im Hessenpark (Schwarzer)

Mit der landwirtschaftlich/technischen Aufrüstung der Dörfer und der Förderung durch den Staat, kam Ende 1939 der Kartoffeldämpfer - zum Preis von 2449,20 RM - auch nach Strinz-Margarethä.

In der damals praktizierten Dreifelderwirtschaft spielte der Kartoffelanbau eine sehr

große Rolle. Der Wechsel in der Fruchtfolge war entscheidend für eine gesunde Struktur der Ackerkrume, so dass mit dem betriebseigenen Naturdünger, Stallmist und Jauche, gute Erträge zu erzielen waren. Nur in geringem Umfang wurden die damals sehr teuren Kunstdünger eingesetzt. Durch die Dreifelderwirtschaft war die Gemarkung dreigeteilt, in den Teil, der mit Wintergetreide bestellt war, das waren Roggen und Weizen und etwas Gerste. Der andere Teil war mit Sommergetreide bestellt, das waren Hafer, Gerste und etwas Sommerweizen. Der dritte Teil war das sogenannte „Brachfeld“, mit dem Anbau von Futterrüben, Klee und Kleegrasgemenge überwiegend zur Verwendung als Viehfutter und Kartoffeln für die Schweinemast, zum Verkauf als Speisekartoffeln, sogenannte Einkellerungskartoffeln (Wintervorrat), aber auch für den Eigenbedarf und etwas Gemüse.

Mit dem Anbau von Kartoffeln wurden zu der Zeit die doppelten Mengen an Nährstoffen pro Hektar erzielt als mit Getreide, jedoch mit einem entscheidenden Nachteil, denn die Kartoffel musste frostsicher gelagert werden. Das war in der Regel der Keller unter der Wohnstube des Bauernhauses.

Die Menge die man lagern konnte war daher sehr begrenzt. Was nicht direkt nach der Ernte als Speisekartoffeln, z.B. an Kunden in Wiesbaden verkauft werden konnte, diente dem Eigenbedarf der Familie und als Futter in der Schweinemast.

 

Hier kommt der Kartoffeldämfper ins Spiel, mit dem die Kartoffeln in großen Mengen gar gekocht werden konnten. Sie wurden dann in ein Silo eingestampft und luftdicht verschlossen. Mit der natürlich einsetzenden Milchsäuregärung waren sie zum Verfüttern über lange Zeit haltbar. Das tägliche Kochen zum Verfüttern, das sehr arbeits- und energieintensiv war, konnte entfallen.

Der Kartoffelanbau wurde dadurch stark ausgeweitet und so wurden bei guten Erträgen in der

Strinzer Gemarkung, schätzungsweise, bis zu 10.000 Zentner geerntet. Die sichere Lagerung musste vor Beginn der Frostperiode erfolgen und so ging die Dämpfkolonne von Anfang November bis Mitte Dezember von Hof zu Hof. Es wurde oft von morgens 7.00 Uhr bis Mitternacht gedämpft, 18 Zentner pro Stunde, bis zu 250 Zentner am Tag.

 

Nachdem es für den Strinzer Kartoffeldämpfer keine Verwendung mehr gab, wurde dieser in der Nachkriegszeit an das Freilichtmuseum Hessenpark gespendet. Dort ist dieser eingemottet und wir ab und zu der Öffentlichkeit vorgeführt.

So geschehen am 18.08.2013, wo das obige Bild gemacht wurde.

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

Nachfolgend noch zwei Bilder aus der original Betriebsanleitung, die Zubehörgeräte zur Kartoffelwäsche zeigen.

Bild 1: Trommelwäsche aus Streckmetall mit Vorreinigungstrommel

Bild 2: Quirlwäsche mit seitlichem Schlammabsatzraum

Kartoffeldämpfen im Jahre 1965 (Im Hintergrund das alte Spritzenhaus)
Kartoffeldämpfen im Jahre 1965 (Im Hintergrund das alte Spritzenhaus)

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Die Strinzer Fahne
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