Die Zeugwäsche

Landmann an der Zeugwäsche
Landmann an der Zeugwäsche

Bis Mitte der  60ziger Jahre waren die landwirtschaftlichen Betriebe in Strinz Margarethä kleinbäuerlich strukturiert, die durchschnittliche Größe dürfte etwa bei 7 ha gelegen haben.

 

Die Ackerflächen wurden bis dahin noch nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft bestellt,  die auch eine entsprechende Viehhaltung zum Ziel hatte. Ein Drittel der Gemarkung diente dem Anbau von Hackfrüchten und Klee (Deutschen Rotklee) in erster Linie als Futtergrundlage für die Rindviehhaltung. Als Winterfutter waren die Futterrüben (Dickwurz), auch Runkelrüben genannt, neben dem Heuvorrat die Grundlage für die Winterfütterung  in der  Milchviehhaltung.

Auf leichten Böden, die für Dickwurz nicht geeignet waren wurden Erdkohlraben angebaut. Bei einer durchschnittlichen Anbaufläche von ½ bis ¾  Hektar (2 bis 3 Morgen) konnte man mit einem  Ernteertrag von 600 bis 900 ztr. rechnen, die man in der Rübenmiete (Dickwurzkaut) für den Winter frostsicher einschlug und nach Bedarf zur Fütterung heimholte.  Die Dickwurz und auch besonders die Kohlraben waren im Wurzelbereich  erheblich mit dem Ackerboden behaftet und voller Dreck, den man nach damaligem Verständnis, den Tieren als Futter keineswegs zumuten konnte, also mussten  sie geputzt oder gewaschen werden.  Die rationellere Methode war natürlich das Waschen und dazu brauchte man viel Wasser und ein großes Becken. Das war die Zeugwäschanlage die unterhalb der Pfalzstraßenbrücke im Aubach angelegt war.

 

Zeichnung von Helmut Hartwig
Zeichnung von Helmut Hartwig
Landmann wäscht Dickwurz in der Zeugwäsche
Landmann wäscht Dickwurz in der Zeugwäsche

Sie bestand aus zwei parallel verlaufenden  Betonhalbrohrschalen  mit einem Durchmesser von rd. 1 Meter und einer Länge von rd. 10 Meter, in der Mitte durch eine ca. 70 cm breite Betonmole  getrennt, sodass man zwei Staubecken hatte, die man  von jeder Seite benutzen konnte. So war es möglich, dass zwei Bauern gleichzeitig ihre Dickwurz waschen konnten. Wenn der Bach genügend Wasser führte konnte man sogar jedes Staubecken noch einmal in der Mitte, durch das Einstellen der Horde trennen, um vier Partien gleichzeitig zu waschen, was in Stoßzeiten auch nötig war. Zum Waschen wurde je eine Wagenladung (Kastenwagen) in das aufgestaute Wasser geworfen, mit einem Karst (Korscht), der einen extra langen Stiel hatte, gestumpt  und  die so gesäuberten Dickwurz mit der Gabel wieder heraus gefischt. Die Dickwurzfutterrationen wurden  jeden Tag frisch auf der Rübenmühle (Dickworzmill) kleingeschnitzelt  mit Spreu (Gesitt) gemischt, hergestellt. 

Diese arbeitsintensiven Methoden waren nicht länger aufrecht zu erhalten und so hat man dem Vieh ungewaschene und ungeschnitzelte Rüben in den Futtertrog geworfen, die die Tiere auch so gefressen haben. Ob sich das auf die Milchleistung ausgewirkt hat wurde nicht weiter betrachtet, denn mit dem größer werden der Betriebe und anderen Fütterungs- und Anbaumethoden wurde das „Saftfutter“ Dickwurz weitgehend verdrängt durch Mais- und Grassilage.

 

Von der Zeugwäsche ist heute nichts mehr zu sehen. Sie wurde im Jahre 1988 im Rahmen der Kanalerneuerung in der Pfalzstraße rückgebaut.


Ein Beitrag von Helmut Hartwig

 

Ein kleines Pferdegespann fährt an der Zeugwäsche vorbei.
Ein kleines Pferdegespann fährt an der Zeugwäsche vorbei.
Gut zu sehen. die Zeugwäsche vor dem Karussel
Gut zu sehen. die Zeugwäsche vor dem Karussel

Über die Suchfunktion können Sie direkt nach Jahreszahlen oder Ereignissen suchen.

Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

StM in Google-Map