Chronik von 1825 - 1849

1825

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Johann Gottfried Georg

Ereignisse

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Johannes Enders / Lehrer: Johann Gottfried Georg

  • In StM erkranken 16 Bürger an Typhus, 4 Bürger sterben.
    (Medicinische Jahrbücher für das Herzogthum Nassau / 1854)
  • Der Gasthof "Zum goldenen Löwen" wird eröffnet.
    (Strinzer Chronik)
  • Beitritt zum Spritzenverein Strinz-Trinitatis. Dieser Gemeinschaft gehören noch Niederlibbach, Oberlibbach und Hambach an.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)

Aus der Kirchenchronik

Heftige Kälte im Februar; sonst gelinde. Anhaltende Trockniß im Sommer. Frühe und knappe Erndte. Seit dieser Zeit sank der Fruchtpreiß nicht wieder auf den tiefen Stand von 1823/1824. Abgang des Decans Gruth als Decan und Pfarrer nach Liederbach. Die Decanatsverwaltung erhielt der bisherige Schulinspector, Pfarrer Schneider zu Bleidenstadt. Nervenfieber, das im Herbst hier grassierte. Mein Lager vom 19. Nov. Bis 5. Dezember, in Folge der Ansteckung. Meine erste Predigt nach der Genesung am 1. Weihnachtsfeiertage.

1826

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn  / Lehrer: Johann Gottfried Georg

Ereignisse

  • Pfarrer Schmidtborn verfasst eine geschichtliche Erörterung der Frage: "zu welchen Hoffungen berechtigt das Streben der deutsch-protestanischen Kirche unserer Tage, sich apostolisch neu zu gestalten und was muss zur Beförderung des beabsichtigten Zweckes von unserer Seite geschehen?"
    (Neues Journal für Prediger, Band 69, Seite 91 / 1826)

Aus der Kirchenchronik

Strenger Winter nach Neujahr. Später Frühling; auf Pfingsten d. 14. u.15. May noch kein Graswuchs; Ausgrabung des Brunnens im Pfarrhaus, nachdem der Brunnen im Hof (an der Mauer unweit des Kellereingangs) durch Zufluß der Mistjauche seit mehreren Jahren unbrauchbar geworden war. Heißer Sommer. Starker Gewitterregen Sonntags d. 9. July, wodurch das Brachfeld (Niederfeld) theilweise Noth litt. Kirchenvisitation (öffentlich) d. 16. July. Predigerconferenz im hiesigen Pfarrhaus d. 13.November.

1827

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Johann Gottfried Georg

Ereignisse

  • Für einen Brand vom 13. auf den 14. Juli muss die Brand Assekuranz 519 Gulden bezahlen.
    (Verordungsblatt des Herzogthum Nassau / 1827)
  • Im Jahr 1827 stiftet Mathias Trapp, Sergant im 1. Infanterieregiment der Herzoglich Nassauer Armee , mehrere Soldaten - darunter auch der Strinzer Georg Adam Enders -  zum Mord an dem 18 Jahre alten Kadetten  (Offizieranwärter) Adolph Vigelius an.


 Siehe auch unter Weilburger Kadettenmord
 

 

Aus der Kirchenchronik

Später Eintritt des Winters mit heftiger Kälte und vielem Schnee d.15. Januar; Dauer bis 28. Februar. Heißer Sommer, mittlere Erndte.

1828

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Johann Gottfried Georg

Ereignisse

Aus der Kirchenchronik

Meistens kühle und unfreundliche Witterung. Mittlerer Ertrag der Erndte. Die Saison in den Bädern. Sonst nichts Neues.

1829

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Johann Gottfried Georg

Ereignisse

Aus der Kirchenchronik

Kalte und feuchte Witterung. Besonders anhaltender Regen im September. Beschwerlichkeit der Erndte. Die Verordnung, daß die Pfarrer Schule halten sollen. Vorher schon Bestimmungen wegen der Katechismuslehren, durch welche zwar der precäre Zustand vermittels positiver Zwangsverfügung beseitigt, jedoch die Pflichtigkeit vom 25. Lebensjahr auf das 18. resp. 16. Jahr herabgesetzt ward. Die Verordnung, daß die bespannten Pfarrer beim Bau der Kirche u. Pfarrwohnung mit ihrer Fuhre frohnen sollen.

1830

Schultheiß: Johann Emrich Enders /Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Johann Gottfried Georg; Friederich Jakob Friederich

Ereignisse

  • Neuer Schullehrer wird Friederich Jakob Friederich.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 112)

Aus der Kirchenchronik

Harter Winter. Anhaltende Kälte u. tiefer Schnee während 12 Wochen. Thauwetter ab 9. Februar. Gedächtnispredigt auf die Übergabe der Augsburg. Confession Sonntags d. 27. Juni. Sonstige Merkwürdigkeit dieses Jahres. Wendepunct, den dasselbe im allgemeinen bildet. Lebhafter Verkehr bei erhöhtem Werthe der materiellen Producte. Freiere Bewegung der Geister. Der neue Schullehrer Fr. Ju. Friedrich.

1831

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn /  Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Bekannte Namensform

Strinz Margaretha

Karte von 1831
Karte von 1831

Ereignisse

  • Der 1927 ins Diezer Zuchhaus inhaftierte Strinzer Bürger der gemeinschaftlich mit Bürgern aus Ketternschwalbach und Hennethal einen Cadetten ermordet haben soll, sitzt noch immer ohne Prozess in demselben.
    (Sitzungs-Protocolle der Landständischen Deputierten-Versammlung / Seite 174 / 28.03.1831)
    Siehe auch unter Unschuldig im Zuchthaus?
      
  • Abriß der alten Kirche die bei einem Unwetter so stark beschädigt (Kirchendach) wurde, dass sie nicht mehr zu reparieren war.
    (Strinzer Chronik)
    Siehe auch unter: Kirchenneubau

 

Aus der Kirchenchronik

Beginn des neuen Kirchenbaues. Provisorische Verlegung des Begräbnisplatzes auf den Schulgarten. Feierliche Legung des Grundsteines zur neuen Kirche am 31. October. Nach dem Abgang des bisherigen Decanatsverwalters Schneider von Bleidenstadt nach Igstadt erhielt die Decanatsverwaltung Albrecht Erlenmayer, Pfarrer zu Wehen (geb. d. 12. Feb. 1794 zu Herborn). Ziemlich ergiebiges Jahr, nachdem die Brodfrucht vor der Erndte rar gewesen war.

1832

Schultheiß: Johann Emrich Enders / Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Ereignisse

  • Die Gemeinde ist im Besitz von 128 Kühen und 60 Mutterschafen. Da der vorhandene Ochse und der vorhanden Widder, die auf dem Ochsengut/Pfaffengut gehalten werden zur Deckung des Mutterviehs nicht mehr ausreicht, verlangt die Gemeinde vom Pächter des Ochsengutes/Pfaffenguts die Anschaffung eines weiteren Ochsen und Widders auf dessen Kosten. Da im Pachtvertag des Ochsengutes/Pfaffengutes aber von nur einem Ochsen und einem Widder der zu halten ist, die Rede ist, verweigert Herr Enders die Anschaffung. Daraufhin kommt es zu einem Prozeß vor dem Herzoglich Nassauischen Amt, der sich ganze 12 Jahre hinzieht.
    Siehe auch unter: Prozeß um das Ochsengut
  • Anlage eines neuen Totenhofes auf dem Acker des Herren Schutlheiß Enders zwischen Strinz und der Zinkenmühle (Ochsengut/Pfaffenhof) unter dem Hennethaler Weg. Absteckung von 60 Ruthen.
    Siehe auch unter: Prozeß um das Ochsengut
    (Schulchronik)
  • Als Mitglieder der Amtsarmencommision werden u.a. Pfarrer Schmidtborn und Schultheiß Enders (Cassirer) aufgeführt.
    (Staats- und Adressbuch des Herzothums Nassau /1832/33 / Seite112)
  • Als für StM zuständiger Oberförster wird ein Wilhelm Ludwig Haas genannt.
    (Staats- und Adressbuch des Herzothums Nassau /1832/33 / Seite136)
  • Pfarrer Schmidtborn stellt einen Antrag auf Erbauung eines neuen Stalles. Die zuständigen Gremien lehnen ab und empfehlen dem Pfarrer später, die Ländereien zu verpachten. 13 Jahre später wird der Bau endlich genehmigt und errichtet.
    (Kirchenchronik)

Aus der Kirchenchronik

Mein erster Antrag auf Erbauung neuer Stallung an der Stelle der alten abgängigen Rindvieh- und Schafställe auf dem hiesigen Pfarrhof. Die Versagung desselben von Seiten der L.Regierung u. des Decanats. Vergeblicher Versuch einer fiskalischen Verpachtung des Pfarrguts am 9.April. Meine Flucht nach Idstein. Ich behaupte den Status quo. Anstände während des Kirchenbaues. Regelmäßige Witterung. Ziemlich ergiebige Erndte; viel Klee seit 1830.

1833

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Johannes Enders; Martin Rücker; Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Ereignisse

  • Verlegung des neuen Totenhofes neben diesen und zwar nach dem Ort zu, da das Ochsengut/Pfaffengut auf dem der neue Totenhof angelegt wurde, wegen der Verpflichtung zur Haltung des Faselviehts, nicht bebaut werden durfte (siehe auch 1832). Es waren schon 12 Leute dahin beerdigt worden die umgebettet wurden. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidtborn, lehnte es ab, den neuen Totenhof einzuweihen.
    Siehe auch unter: Kirchenneubau
  • Anschaffung einer neuen Feuerleiter für 13 Gulden 4 Kreuzer.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Nach dem Tod von Schultheiß Johannes wird der Schuhmachermeister Martin Rücker, der im Haus 56 wohnt, neuer Schutheiß und zugleich Schulvorsteher von StM.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 122)
  • Schultheiß Martin Rücker tritt noch im selben Jahr seines Amtseintrittes wieder ab, neuer Schultheiß wird sein Bruder Friedrich Rücker. Auch er ist zeitgleich der Schulvorsteher.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 122)

Aus der Kirchenchronik

Ungewöhnliche Witterung: rauh und kalt bis zu den ersten Tagen des May, darauf plötzliche und anhaltende Wärme und volle Vegetation, so daß der gewöhnliche Übergang der Frühlingszeit ausfiel. Große Hitze und Dürre während des Sommers u. bis ins Spätjahr. Commission wegen Anlage des neuen Kirchhofs (Begräbnisplatzes); mein vergeblicher Protest gegen den Platz wegen der Entfernung von der Kirche. Widerspenstigkeit des Schullehrers Friedrich und Weigerung desselben bei den Leichen zu singen. Meine Collision mit den Behörden wegen dieses Falles. Geringer Ertrag an Sommerfrucht, besonders aber an Futtergewächsen, das Charakteristische der heißen und trockenen Sommer von jetzt an bis Ende der 1830er Jahre.

Ungefähre Lage des Ochsengutes/Pfaffengutes
Ungefähre Lage des Ochsengutes/Pfaffengutes

1834

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 79 Familien / 351 Einwohner

Ereignisse

  • Einfriedung des neuen Totenhofes mit einer Mauer und einem Tor.
  • Einweihung der neuen evangelischen Kirche als klassizistischer Saalbau durch Pfarrer Schmidtborn am 02. November.
    (Kirchenchronik / Schulchronik)

Siehe auch unter Kirchenneubau

  • In der Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung erscheint eine Suchanzeige nach dem Sohn des ehemaligen Strinzer Pfarrers Freyberger, bezüglich des Erbvermögens.

Siehe auch unter Pfarrerssohn verschwindet spurlos

 

Aus der Kirchenchronik

Fortsetzung des Kirchenbaues, der langsam voranschritt. Meine neuen Vorbereitungen zur Erbauung eines neuen Viehstalles für die Pfarrei. Einweihung der neuen Kirche am 23. Sonntage nach Trinit., d. 2. November, bei welcher die benachbarten Pfarrer, Bleicherbach von Strinz Trinitatis, Ilgen von Panrod, u. Reiz von Oberauroff, fungierten. Meine Festpredigt über Jerem. 31, 23, 24, 25.

1835

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 76 Familien / 321 Einwohner

Ereignisse

Strohener Feuereimer
Strohener Feuereimer

Anschaffung eines strohenen Feuereimers für 1 Gulden 40 Kreuzer.
(Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)

Aus der Kirchenchronik

Aussetzung des Stallbaues, der in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollte, wegen der Schwierigkeiten die Mittel auf dem Wege der Steuererhebung zu beschaffen, auf welche die Kosten gewiesen worden waren. Heftige Opposition, die sich unter der Hand gegen das Unternehmen bildet. Zusammentritt sämmtlicher Orts- und Kirchenvorsteher am 26. October; um den Neubau und die Kosten für die Ökonomiegebäude der Pfarrei zu ersparen bringen sie unter Vermittlung der Amtsstelle der Vorschlag an die L.Regierung, die Ländereien der Pfarrei zu verpachten. Ich nehme wenig Notiz von der Sache. Heftige Kälte und Schnee in der ersten Hälfte des Nov., ebenso um Neujahr; später im allgemeinen gelinde Witterung.

1836

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 75 Familien / 322 Einwohner

Ereignisse

  • Anschaffung einer neuen Feuerleiter.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • In einem Wahlverzeichenis der Wahlcandidaten aus den bürgerlichen Landeigenthümern wird ein Johann Philipp Ott aus StM aufgeführt.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau / Nr. 3 / 7. März 1936)

Aus der Kirchenchronik

Beginn des Jahres unter gespannten Verhältnissen. Meine Stellung den Behörden und den Gemeinden gegenüber. Meine durchaus objektive Haltung und Predigtweise . Nothwendigkeit u. Vortheil einer solchen für den Pfarrer. Meine Berechtigung als Inhaber der Pfarrei auf welche ich mich basire. Die fiskalische Ansicht derselben. Mein Rapport mit Herrn Bischof Müller. Sophistische Unterscheidung zwischen innerer und äusserer Kirchenverwaltung. Subhastation und Verpachtung des ganzen Pfarrguts am 08. April. Mein Aufenthalt in Idstein in diesen Tagen. Später wird den Pächtern auch meine Wintererndte überwiesen. Dadurch beträchtliche Mehrung meines Verlustes. Meine Reclamation beim Staatsministerium. Verweisung auf das Edict v. 8. April 1818. Meine Maßnahmungen, mich im Angesichte der Welt zu behaupten. Beibehaltung meiner Ökonomie (mit einiger Reduction), anfangs bei ungefähr 12 Morgen Land, die ich durch Pachtung und Ankauf acquirirte. Künstliche Basis dieses Betriebs. Die Vermittelungen der Vorsehung. Schwierigkeit der Existenz eines Pfarrers auf der hiesigen Stelle bei jeder Einrichtung, die er etwa treffen mag. Meine Indifferenz bei allen Vorgängen. Meine sonstigen Erlebnisse und Beziehungen. Meine Spezialität.

“Soleanu i miei pensien Soaremente Di lon obietto ragionar insieme”

Begräbniß des Bischofs Müller (geboren zu Löhnberg im July 1766, achtungswert durch Wohlwollen, geistlichen Tact und edlen Charakter) zu Wiesbaden d. 12. Dec., bei welchem ich von den hiesigen Diöcesen allein gegenwärtig war.

1837

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 76 Familien / 329 Einwohner

Ereignisse

  • Die Witib (Wittwe) des 1833 verstorbenen Schultheiß Johann Adam Enders, die mittlerweile den Bauern Conradi geheiratet hat, wird im Prozeß um das Ochsengut/Pfaffengut verurteilt, "alles Faselvieh, wie Faselochsen, Eber und Widder zu stellen und zu unterhalten und der klagenden Gemeinde alle verursachten Prozeßkosten zu ersetzen. Gegen dieses Urteil erhebt sie Appelation und erzielt einen Teilerfolg: sie braucht den Widder nicht zu stellen, und die Prozeßkosten werden geteilt.
    (Strinzer Chronik)
    Siehe auch unter: Prozeß um das Ochsengut

Aus der Kirchenchronik

Die baufällige Stallung der Pfarrei suche ich für die nächste Zeit durch Reparaturen (auf Kosten der Kirchencasse) zu erhalten. Später Frühling: ab 11.März noch kahler Wald. Der neue Landesbischof : Aug. Ludv. Christ. Heydrich (geb. 1773 zu Wiesb., bisher Professor am theolog. Seminar zu Herborn; vorhin Pfarrer zu Usingen u. Dotzheim) Verlauf des Jahres ohne besonders merkwürdige Ereignisse.

 

1838

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 73 Familien / 325 Einwohner

Ereignisse

  • Pfarrer Ludwig Schmidtborn soll nach Rod an der Weil abgeordnet werden. Neuer Pfarrer soll Pfarrer Victor von Dickschied werden.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau / Nr. 10 / 1838)
  • Zur Bestreitung gemeinheitlicher Ausgaben für das Jahr 1938 muss StM eine Communalsteuer von ein und ein halbes Simpel zahlen.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau / Nr. 8 / 1838)
  • Seine Durchlaucht der Herzog haben, den für die Pfarrei Rod bestimmt gewesenen Pfarrer Schmidtborn zu StM an seiner Stelle zu belassen und den nach StM designierten Pfarrer Victor von Dickschied nach Rod an der Weil zu versetzen geruht.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau / Nr. 8 / 1838)

Aus der Kirchenchronik

Große Kälte vom 8. Januar bis 19. Februar; der härteste Winter seit 1830. Versetzung des bisherigen Decanatsverwalters Erlenmayer als Decan nach Langenschwalbach. Der neue Ephorus: Keller, bisher zweiter Pfarrer zu Diez, gebürtig zu Dillenburg. Einführung der neuen Amtskleidung = Chorrock u. Barret anstatt des bisherigen Mantels mit Hut. Zweckmäßigkeit dieser Änderung.

1839

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 74 Familien / 326 Einwohner

Ereignisse

Aus der Kirchenchronik

Öffentliche Kirchenvisitation am 12.Sonntag n. Trinit., d. 18. May. Die erste wieder seit dem 16.July 1826.

1840

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 73 Familien / 317 Einwohner

Ereignisse

  • Es existiert eine gemeinsame Feuerspritze mit Adolfseck, Breithardt und Steckenroth.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)

Aus der Kirchenchronik

Versammlung der Diöcesane im hiesigen Pfarrhaus d. 8. März wegen Angelegenheit des Lesecircels. Unterscheidung des Jahres von den vorhergehenden seit 1830 durch eine kühlere und feuchtere Sommerwitterung. Zum ersten mal wieder einigen Kleegewinn seit 1832. Neuer Wechsel im Ephorat: an die Stelle H. Kellers (der als Decan nach Idstein abgeht) kommt W. Ebertz (geb. d. 7. May zu Herborn bisher zweiter Pfarrer zu Idstein). Kirchenvisitation Montags d. 7. Dez., veranlaßt durch Insinuationen des Schullehrers Friedrich, welcher glaubt, ich intrudire seine Pensionirung. Querköpfigkeit dieses Mannes ohne bösartig zu sein. Heftige Kälte (ohne Schneelage) vom 23. Nov. bis 28.Dec., wodurch die Weizenerndte im nächsten Jahr mißräth.

1841

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 74 Familien / 320 Einwohner

Ereignisse

  • Anschaffung von 5 Stück Feuereimern für 5 Gulden.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Versteigerung einer Feuerleiter am 29. April für 3 Gulden 36 Kreuzer.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Bau einer Brücke über den Aubach zur Pfalz. Zuvor musste der Bach über eine Furt überquert werden.
    (Strinzer Chronik)

Aus der Kirchenchronik

Kälte und tiefer Schnee mit dem Anfange des Jahres. Thauwetter d. 16. Januar, Wasserfluth Sonntags d. 17. Januar. Darauf vom 19. Jan. bis 9. Februar große Kälte und tiefer Schnee. Wiederaufnahme der Angelegenheit des Stallbaues. Mein Antrag auf die solirte Erbauung eines neuen Schweinestalles.

1842

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 70 Familien / 313 Einwohner

(Landesgeschichtliches Infosystem Hessen / 2011)

Ereignisse

  • 55 Bürger erkranken im Medicinalbezirk Wehen an Thypus, 9 sterben, insbesondere in Strinz und Panrod.
    (Medicinische Jahrbücher für das Herzogthum Nassau / 1854)
  • Seit dem Tod des Schultheißen Enders erhebt die Herzogliche Generaldomänendirektion von dem Ochsengut/Pfaffengut den Zehnten gegen Willen der Besitzerin Frau Conradi, bis diese 1842 die Zahlung des Zehnten "förmlich verweigert". Frau Conradi verlangt durch Prozeß vor dem Hof- und Appellationsgericht in Usingen namens ihrer zwei minderjährigen Kinder erstens Entschädigung dafür, dass das Gut stärker belastet war, als beim Kauf festgesetzt wurde, zweitens wegen des wiederrechtlich erhobenen Zehnten.
    (Strinzer Chronik)
    Siehe auch unter: Prozeß um das Ochsengut

Aus der Kirchenchronik

Außerordentliche Hitze während des Frühlings und Sommers. Wassermangel an verschiedenen Orten. Spärliche Erndte, die Körner jedoch von seltener Güte. Fallen lassen des Plans wegen Bau eines neuen Schweinestalles, der bereits mit dem Fundament (auf der Westseite des Hofes, an der Mauer) begonnen hatte, d. 9. Aug.. Neuer Bauplan. 

1843

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Anzahl Häuser: 55

Anzahl Familien: 72

ev. Einwohner: 315

kath. Einwohner: 3

Einwohner Zinkenmühle 10

(Lexicon der sämtlichen Ortschaften der deutschen Staaten, 1843 / Beschreibung des Herzogthums Nassau, 1843)

Aus der Kirchenchronik

Gestiegene Naturalpreiße im Frühling. Ergiebige Erndte, jedoch mehr im Stroh. Wendepunct in der Praxis der Wildschadenvergütung. Einige Minderung des Wildstandes. Mißbräuche bei der Schadenabschätzung. Bisheriger großer Kostenaufwand der Domäne. Vortheil der Inspectoren und Nachtheil der meisten Gutsbesitzer. Locale Hemmniß eines erfolgreichen ökonomischen Betriebs: Die Wildbahn; schlechtes Faselvieh; bezüglich auch des Edict. d. 1818 u. seiner bisherigen Wirkung. Ablösung des bisherigen Zehntens im December.

1844

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich

Statistik

Einwohner: 74 Familien / 323 Einwohner

Ereignisse

  • Vor dem Herzoglich Nassauischen Amt in Wehen unterzeichnen zwei Usinger Anwälte ("Hof- und Appellationsgerichtsprokuratoren") namens Cramer und Wilhelmy ein Striftstück, dass unter den jahrelangen Rechtsstreit um das Strinzer Ochsengut/Pfaffengut, einen Schlußstrich zieht. Es kommt zu folgendem Vergleich: Die Klägerin Frau Conradi verzichtet auf Ersatzansprüche und die Rückzahlung des geleisteten Zehnten; die Generaldomänendirektion verzichtet auf die Zehntberechtigung und zahlt an die Erben 3000 Gulden.
    Siehe auch unter: Prozeß um das Ochsengut

Aus der Kirchenchronik

Verlauf des Jahres ohne besondere Ereignisse.

1845

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: Friederich Jakob Friederich; J. A. Stoll

Statistik

Einwohner: 74 Familien / 326 Einwohner

(Hessisches Jahrbuch der Landesgeschichte / Band 4 / 1990)

Ereignisse

  • Der Strinzer Bürger Philipp Emmerich Kilb erfährt einen zweifelhaften Ruhm, indem er im Allgemeinen Polizeianzeiger als "Gemeinschädlicher Umtreiber" aufgeführt und beschrieben wird.
    (Allgemeiner Polizeianzeiger, 1845)
    Siehe auch unter: Gemeinschädliche Umtreiber
  • Durch sein vorgerücktes Alter und der damit vereinigten Schwächen des Körpers für den so wichtigen Lehrerberuf untauglich geworden, wird der Lehrer Friederich mit 100 Gulden Pension in den Ruhestand versetzt. Er stirbt am 2. August, nachdem er ein halbes Jahr an der Wassersucht gelitten hat.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 112/113)
  • Neuer Schullehrer wird J. A. Stoll, der 1816 in Sechshelden bei Dillenburg geboren wurde. Das Schulgut bekommt er nicht mehr frei zur Verfügung gestellt, sondern muss dafür 15 Gulden zahlen.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 113 und 119)

Aus der Kirchenchronik

Harter Winter. Andauernd strenge Kälte vom 28. Januar bis zum 2. Ostertag, d. 24. März, an welchem der Schnee zu schmelzen begann. Heimfall des verpachteten Pfarrguts. Meine Reclamation gegen die Pächter wegen unterlassener Düngung des Saatfeldes. Großer Gerichtstermin d. 28. März nachmittags. Dauer der prozess. Verhandlungen über ein Jahr lang. Verschiedene Resultate; Ich empfange einigen Ersatz. Pensionirung des Schullehrers Friedrich mit 100 Gulden nach drei u. vierzigjähriger Dienstzeit. Harte Behandlung desselben. Seine Gegner in der Gemeinde, das demokratische Element in Kirchen- und Schulvorstand. Debatte wegen des neuen Stallbaues auf der Kirchenvisitation im July; Vorlegen des Baurisses. Der Bau wird von der Mehrzahl des Kirchenvorstandes gebilligt. Fortwährende Opposition von Seiten einiger Mitglieder (Misere u. Grund). Protocoll derselben am 17. Septemb. vor dem Decanat. Der Bau wird von der L.Regierung endlich genehmigt. Fäulniß der Kartoffeln im Feld und in den Kellern. Krankhafte Erscheinungen an dieser Frucht seit mehr als 10 Jahren.

1846

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: J. A. Stoll; Johann Adam Schmidt

Statistik

Einwohner: 76 Familien / 327 Einwohner

Ereignisse

  • Pfarrer Schmidtborn kann 13 Jahre nach der Beantragung endlich seinen Stall bauen.
    (Kirchenchronik)
  • Der Schullehrer J. A. Stoll wird nach Hausen/Aar versetzt.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 113)
  • Neuer Lehrer in StM wird Johann Adam Schmidt, geb. 1811 zu Bechtheim. Seine Besoldung beträgt 275 Gulden jährlich.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 113)
  • Am 29. Juli des Abends um 09:30 Uhr wird eine Erderschütterung gespürt, und zwar so, dass die Häuser wankten, Leute aus den Betten sprangen und eine Donner ähnliches Getöse gehört wurde.
    (Beiträge zur Geschichte Hohenstein-Bretihardt, -Steckenroth und -Burg-Hohenstein / Pfarrer Weinberger / 1992)
  • Es grassiert erstmalig die Kartoffelfäule, die die Ernte dezimiert.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)

Aus der Kirchenchronik
Gelinder Winter. Ablegung des alten Rindviehstalles u. dessen Wegführung (nach Breihardt) d. 19. März. Bau des neuen Stalles. Heißer und trockner Sommer; ausser einigen Staubregen um Johanni während 5 Monate keine Nässe; ebenso abnorm wie der Winter des vorigen Jahres. Einfluß der Witterungsvorfällnisse auf die Production u. dadurch auf den sozialen Zustand. Karge Erndte. Oeffentliche Kirchenvisitation am 15 Sonnt. Nach Trinit., d. 20. Sept. (Text der Predigt: ?ct. 16, 35). Steigen der Fruchtpreiße und trübe Aussichten für die ärmere Classe. 

1847

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker / Lehrer: J. A. Stoll; Johann Adam Schmidt

Statistik

Einwohner: 78 Familien / 327 Einwohner

Ereignisse

  • Die Gemeinde StM verkauft 2 Klafter Schulholz an die Gemeinde Niederlibbach und erhält dafür 7 Thaler und 40 Kreuzer.
  • Beginn der Kirchen- Pfarrchronik durch Pfarrer Schmidtborn
    (Strinzer Chronik)
  • Es grassiert die Kartoffelfäule, die die Ernte dezimiert.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)

Aus der Kirchenchronik

Spannung in den Erwerbsverhälnissen. Seit Ende des vorigen und Anfang dieses Jahres zeigt sich bei einigen Ortsvorstehern eine sehr feindliche Gesinnung gegen meine Person. Fortwährende Opposition der Schultheiße. Hauptursache dieser Erscheinung: der büreaukratische Druck, dessen äusserste Spitze in der Gewalt der Schultheißen ausläuft, und vielfach zur Mißstimmung aufreizt. Diese Mißstimmung und Gehässigkeit aber kehrt sich zunächst gegen den Pfarrer, dessen Stellung nicht büreaukratisch gewaffnet u. gesichert ist, dennoch aber durch ihre eigenthümliche Selbstständigkeit u. Freiheit Neid und Eifersucht erregt. Machinationen des hier domiciliirten Oberförsters, der zwar durch seine Uebergriffe die öffentliche Meinung offendirt, jedoch mir gegenüber den Demagogen spielt. Man verweigert mir die Auslieferung der Besoltungsfrucht im Libbacher Grund, die dießmal von bedeutendem Werth ist. Ich bewirke im Verlauf des Jan. und Febr. die Lieferung durch Zwangsmaßregeln. In dieser Zeit ließ ich den während der Pachtzeit arg mit Holz überwachsenen Rain am Mühlacker rasieren. Der Oberförster erhebt darüber einen ungeheuren Lärm und läßt einen Waldfrevel über 100 Gulden aufrechnen. Ich gewann diesen Prozeß durch Niederschlagung der Sache bei der L.Regierung. Am 8. April, wo ich bei einer öffentlichen Vergantung ein Grundstück für die Pfarrei durch Verwendung von Reluitionscapital ersteigern lassen wollte, brachten es die Ortsvorsteher auf eine tumulturische Weise dahin, daß die Pfarrei von der Converenz ausgeschlossen ward. Dieselben gingen darauf d. 12. Apr. nach Wiesbaden um eine förmliche Anklage zu machen, u. gaben beim bischöfl. H. Commissaeirs zu Protocoll, ich sey fein(d)selig gegen die Gemeindeglieder gesinnt u. keineswegs ein Pfarrer sondern ein Bauer. Ungeheurer Schneefall am Sonnt. Miserc. den 18.April. Ich versank mit dem Pferd vor Steckenroth und ich vicarirte für den erkrankten Pf. (Confr. Fenrich) u. gelangte endlich unter großer Anstrengung in den Ort. Nachher schöpfte man mir Bahn, um nach Hause zu kommen. Am 19. April machten in tiefem Schnee die Kirchenvorstände nebst den hiesigen Ortsvorstehern = 11 Mann nach Wehen, um vor d. Decanat Erklärung auf das Klagprotocoll v. d.12. April zu geben. Mit Ausnahme des einzigen Kirchenvorstehers Kimpel v. N.Libbach stimmen sie diesem Protocoll im allgemeinen bei u. begehren „zur Hebung des Christenthums im hies. Kirchspiel“ meine Versetzung auf eine andere und „bessere“ Stelle. Meine Erklärung auf diese Protokolle, in welcher ich meine Umgebung charakterisir u. die ganze Perozedur als eine Eulenspiegelei und Mystification nachweise. Indifferenz der Kirchspielseinwohner bei diesen Vorgängen; sie betrachten die Prozedur instinktartig als den Kampf einer erbitterten Partei u. Dorfaristokraten gegen den bewährten u. überlegenen Pfarrer. Gleichwohl keine reelle Popularität u. Anhänglichkeit an die Person des Pfarrers. Meine rein objektive Haltung. Kein bezüglicher Rapport mit dem Kirchenvorstand, keine Discussion und Erklärung zwischen mir und einem Individuum, wie immer, so auch dießmal. Die Folge war, daß die Gegner nicht wagten, auf ihre Klage eine Resolution zu fordern, die sie auch nie empfingen. Große Theuerung im Frühling und Sommer. So wurde Brod zu ermässigten Preißen auf Staatskosten in den Gemeinden abgegeben. Beim vorherrschen der materiellen Interessen dennoch steigende Unzufriedenheit und Verarmung. In dem hiesigen Kirchspiel jedoch, daß sich auf dem Ackerbau basirt u. räumige Gemarkungen hat, findet bislang keine Uebervölkerung und darum auch keine Auswanderung statt, und es läßt sich nachweisen, daß zerrüttete Vermögensverhälnisse und Notstand, wo sie hierorts sich vorfinden, meistens selbst verschuldet sind. Große Aufregung im hiesigen Ort gegen Ende des Jahres wegen der Übergriffe des Oberförsters Halbey, der die Gemeinde in der ungünstigsten Jahreszeit zum Angriff eines beschwerlichen Wegbaues (in dem Bleidenstadter weg = hohl) vermittelst des Amtes nöthigt, u. sich dadurch beim Bauern verhaßt macht. In diesem Jahr ein enormer Obstertrag (mit einigen Ausnahmen der Zwetschgen) in Folge mehrjährigen Ausruhens der Obstbäume u. dann der etwas spät eingetretenen, darauf aber sehr günstigen Frühlingswitterung.

Taunusbauern 1847 in traditioneller Kleidung
Taunusbauern 1847 in traditioneller Kleidung

1848

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Friedrich Rücker; Bürgermeister Peter Weber / Lehrer: Johann Adam Schmidt

Ereignisse

  • Infolge der Volkskundgebung vor dem Schloß des Herzog Adolf in Wiesbaden, am 4.März, an der nachweißlich auch ein Strinzer Bürger teilnimmt, wird es den Gemeindemitgliedern gestattet, sich durch Stimmenmehrheit einen Schultheißen (Bürgermeister) zu wählen.
  • Infolge dessen wird der bisherige Schultheiß Rücker auf seinen Wunsch entlassen und Peter Weber durch freie Wahl der hiesigen Bürger zum Schultheiß bestimmt und durch den Feldgerichtsschöffen ernannt. Mit Peter Weber wird erstmalig ein Bürgermeister (statt Schultheiß) frei gewählt.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 122)
  • Abschaffung der Industrieschule
    (Strinzer Chronik)

Aus der Kirchenchronik

Meine Predigt am Neujahrstage mit Zugrundelegung des Erstev. (Luc 2, 21) über die Frage: Was hat das vergangene Jahr vorbereitet? Meine Ahnungen in Betreff einer Aenderung des bisherigen Weltzustandes. Jedoch vermuthete ich keineswegs, daß eine Katastrophe so nahe sey. In diesem Winter fanden noch zwei Feudaljagden in hiesiger Gemarkung statt. Die herz. Equipagen waren während der Jagd im hiesigen Ort aufgestellt. Den 26. Januar Zusammenkunft der sämmtlichen Orts- und Kirchenvorsteher unter Vorsitz des Amtmannes Schrak (in hies. Pfarrhaus), um mit mir ein Übereinkommen wegen Verwandlung der Pfarrkompetenzfrucht in eine finanz. Geldrente zu treffen. Die Verhandlung hatte kein Resultat, weil ich mich nicht beiließ. Ob dieß vortheilhaft war oder nicht (da der Maßstab der momentanen und letzten Preiße nicht ungünstig war), wird die Zeit lehren. Jedenfalls ist die Erhebung der Besoltungsfrucht in Natur unter den veränderten Verhältnissen (Anwuchs des Proletariats) sehr schwierig. (Noch habe ich (July a c.) aus den verwichenen Jahren an 60 Gulden Geldbeträge wegen nicht gelieferter Competenzfrucht an Parochianen zu fordern). Die Vorgänge am 4. März in Wiesbaden eine wahre Insurrection gegen das monarchische Prinzip und das bisherige büreaukratische System. Von Niederlibbach waren mehrere dabei gegenwärtig. Der schwer gefühlte Druck ging zunächst von der Gewaltsamkeit des Forstwesens und von dem Verhältniß der Domäne aus, deren reicher Ertrag in die landesherrliche Casse floß; sodann von dem Schultheißenamt, dessen Gewalt häufig mißbraucht ward. Große Aufregung in den Gemeinden, die sich selbst zu verwalten beginnen; manche Entset-zungen des Gemeindedienstpersonals, namentlich der Ortsschultheißen. Frei-es Jagen in den Waldungen. Die meisten Schuldner zahlen nicht. Hier und in der Umgegend fallen jedoch keine neuen Haftexcesse vor. Am Sonntag d. 5. März, Abends 10 Uhr, schoß der hiesige Oberförster aus seiner Wohnung über die Straße und suchte darauf unter dem Vorgeben, er sey angegriffen worden, Jemanden, den er erschossen haben wollte. Das eigenthliche Motiv dieser That ist noch unbekannt. Wahrscheinlich war derselbe in Folge der plötzlich eingetretenen Veränderung durch Furcht in einen panischen Zustand versetzt. Auf seine Veranlassung erschienen am 9. März zwei Deputierte vom Sicherheitscomittè in Wiesbaden, welche die Gemeinde in der Kirche heranguirten, um sie zu beschwichtigen. Ich lag während dieses Auftritts gerade zu Bett in Folge eines Sturzes vom Pferd. Später Suspension des Oberförsters u. seine Entfernung aus dem Ort. Hier u. da Besoldungs-angriffe und Petitionen gegen die Pfarrer. Ich bin bis jetzt unberührt geblieben; noch ist (d. 8. July a. c.) eine factische Veränderung in dem kirchlichen Zustande nicht eingetreten. D. 29. März Conferenz in dem hiesigen Pfarrhaus, auf welcher sich die Diöcesanen über die neuen Ereig-nisse bezüglich aussprachen und beratheten. Urwahlen am 18. April, in der Kirche Gottesdienst und Fürbitte wegen des Nationalparlaments in Frankfurt a.M. am Sonnt., Rogate, d. 28. May. Meine bezügliche Predigt auf Grund des Sonntagsevangeliums. Predigerconferenz im hiesigen Pfarrhaus d. 30.Juni, um wegen der etwaigen Propositionen auf der bevorstehenden Spezialsynode zu berathen. Diese Synode ward d. 18. September in Wehen gehalten. Sie bestand aus den Geistlichen des Decanats und aus den Deputirten für jede Kirchengemeinde. Die meisten Laien bestanden darauf, daß ihr Stand auf der Synode der Geistlichkeit gegenüber doppelt vertreten ward. Gegen Ende des Jahres wurde auf dem Filial, besonders auf Betrieb des Schultheißendienstes enthobenen J. Ph. Grund zu N. Libb. eine heftige mit vielen Unterschriften versehene Schmähschrift gegen den Schullehrer Staadt daselbst aufgesetzt und eingegeben. Zugleich wurde eine Schmähschrift gegen mich verfaßt, die hierorts spärlicher u. meistens von Restanten der Pfarrcompetenz und vorigen Pfarrgutspächtern unterzeichnet ward. Beide Schriften beabsichtigten die Versetzung des Pfarrers und Schullehrers von welcher die Petitionäre sich eine eigenthümliche Satisfaction (nach Vorgängen an anderen Orten) und einen größeren Spielraum für ihre Leidenschaften versprachen. Dieselben gingen mir von der Behörde zur Erklärung zu, in welcher ich sie gebührend abfertigte. Unter den aufgelösten Verhältnissen kam auch eine große Corruption zum Vorschein; im Übrigen ist die Moralität des großen Haufens zu keiner Zeit hoch anzuschlagen.

1849

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Peter Weber / Lehrer: Johann Adam Schmidt

Ab jetzt:

- Verwaltungsbezirk Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Verwaltungsbezirk VI -

(Landesgeschichtliches Infosystem Hessen / 2011)

Ereignisse

  • Als Ergebnis der Revolution besitzt jeder Bürgersohn der Gemeinde das Bürgerrecht; er muss aber eine Eintrittsgebühr dafür bezahlen. Sie beträgt 10 Gulden. Für einen Inländer, der nicht aus der Gemeinde statt, beträgt das Eintrittsgeld höchstens 60 Gulden, für einen Ausländer (Nicht-Nassauer) höchsten 120 Gulden.
  • Wiedereinstellung des Oberförsters, der im Jahr zuvor seines Dienstes enthoben und aus dem Ort verwiesen wurde.
  • Aus diesem Jahr ist ein Geometer Heinzemann bekannt.
    (Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde / Band 4 / Seite 283)
  • Am 23.07.1849 wandert der Strinzer Bürger Johann Jacob Rücker nach Amerika aus. Ziel ist New York City. Er hat fünf Kinder, der Name der Ehepartnerin ist unbekannt. Eingeschifft wird die Familie in Antwerpen.
    (Die Auswanderung aus dem Herzogtum Nassau 1806 - 1866)

 

Deutsche Auswanderer "schiffen ein" (Wikipedia)
Deutsche Auswanderer "schiffen ein" (Wikipedia)

Aus der Kirchenchronik

Mit dem Beginn dieses Jahres greifen neue Einrichtungen Platz, als Folge der Umwälzung von 1848. Die neue Existenz des Pfarrers als Gemeindebürger - eine Consequänz der Tilgung persönlicher Berechtigung u. alles Sonderlebens, um die absolute Staatskirche durchzuführen. Vortheile und Nachtheile dieses veränderten Verhältnisses. Die Exemtion des Pfarrers vom Gemeindeverband. Dessen Lasten waren dem Stande zuträglich und angemessen, solange die unbefangenen Naturverhältnisse (frei Wasser und Weide) und die Immunitäten u. die Gerechtsamen bestanden, welche dem Pfarrer an sich schon die Vortheile des Ortsbürgerthums (und in manchen Stücken mehr noch) gewährte. Die Immunitäten der Steuerfreiheit, Befreiung von Einquartierung u. Kriegsfrohnden waren vorher schon hingefallen. Die auszeichnenden Gerechtsame (Freiheit vom Hirtenlohn p.p.) fielen seit dem Jahre 1818 mit der neuen Besetzung der Stellen weg. Darum muß das Ortsbürgerrecht nunmehr dasjenige ersetzen, was der Pfarrer bei den veränderten Zuständen außerdem ganz entbehren würde. Die Opposition welche sich vorher schon gegen die Exemtion und Unabhängigkeit des Pfarrers kund gab. Eifersucht und theilweise Auflehnung der Bauernschaft gegen meine Privatbegüterung. Eigenthümlicher Dünkel des Bauern als Urproducent. Die neue Verfassung erscheint darum als Ausgleichung auseinandergegangener und uneben gewordener Verhältnisse. Sinken der Autorität u. des Ansehens, die sich bisher an Amt u. Person knüpften - eine Folge der Unwirksamkeit der religiösen Motive u. des bürokratischen Unfugs. Auch die Achtung vor der dedicirten Gewalt ist in Verlust gerathen. Gleichwohl werden für die Mehrzahl die neugewährten politischen und bürgerlichen Rechte (active u. passive Wahl p.p.) mehr oder minder eine Täuschung bleiben. Fortan wird das Kapital herrschen u. allein die Verhältnisse zu bewältigen im Stande seyn. Daher neben aller politischen Gleichheit u. Berechtigung doch wieder vielfältig eine tiefe Verachtung des Individuums. Daraus ergibt sich zumal für den Geistlichen und Literaten die Nothwendigkeit, seine Spezialität – das Eigenthümliche und Auszeichnende des Berufes und der Persönlichkeit – vorzüglich auszubilden und gelten zu machen.

Wahl für die neuen Gemeindestellen = Bürgermeister, Gemeinderäthe u. s. w. . Theilweise Wahl des Gemeinderathes aus der Hefe des Proletariats, hauptsächlich motivirt durch die Opposition gegen den Pfarrer. Ich betheilige mich an keiner Wahl. Auf dem Filial behauptet sich die schlechte Bauernaristokratie der alten Schultheißenfamilien. Sehr gelinder Winter.

Große politische Aufregung im Frühling. Volksversammlung in der Nähe des hiesigen Orts (über der Schafbrücke am Saum des Waldes) am Himmelfahrtstage d. 17. May. Als Redner treten auf die Landesdeputirten Lang von L.Schwal-bach u. Snell, Pfarrer v. Langenbach; sodann H. v. Eck v. Bleidenstadt u. Schullehrer Walterd, v. Idstein. Herr Pfarrer Deißmann v. Panrod hatte sich unterandern als Zuhörer eingefunden (bewaffnet mit einem Knicker, den er in Rockbrusttasche trug); ich blieb zu Hause. Die Reden waren ein Aufruf zum bewaffneten Aufstand unter dem Vorwand der Durchführung der vom Reichsparlament beschlossenen Reichsverfassung. Eine weitere Folge – der Landescongreß zu Idstein am 10. Juni, wo dieselbe Intention ganz offen und entschieden hervortrat. Wendung der Dinge nach der Mitte des Juni; Dämpfung des pfälzischen und baden’schen Aufstandes. Meine Ahnung, daß nun die Agitation vom politischen Gebiet auf das kirchliche übergehen, insbesondere daß auch hierorts die verhaltene Wuth gegen den Pfarrer sich kehren werde. Die dolose u. feindselige Haltung des Bürgermeisters u. Gemeinderaths von ihrer Bestellung an gegen meine Person. Verübte Ungebühr an meinem Besoldungssatz. Man macht mir das der Pfarrei zustehende freie Backlos streitig. Mein lavieren in dieser Sache. Meine redliche Klage am Justitzamt d. 23. Nov.. Abhaltung der Gerichtstermine mit Bürgermeister u. Gemeinderath am 7. u. 21. Dec. Nachmittags. Das Urtheil soll d. 15 Jan. 1850 publicirt werden.

Tiefer Stand der Fruchtpreiße, jedoch nicht so tief wie in 1824 f. Die Geldnoth. Schlechter Kirchengang; die Trauerstühle sind bisweilen leer. Die Kirche erhält sich nur noch als äussere Institution, ohne Erfülltsein durch den heiligen Geist. Aussichten auf die verheissene neue Kirchenverfassung, welche Einige (die Radikalen) mit Ungestüm fordern, andere, wohl nicht mit Unrecht, vor der Hand ablehnen möchten. Gegen Ende des Jahres ward der hier domiciliirte und im Jahre 1848 verjagte Oberförster Halbey in seine hiesige Stelle restituirt.

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Die Strinzer Fahne
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