Chronik von 1850 - 1874

1850

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Bürgermeister Weber / Lehrer: Johann Adam Schmidt

Ereignisse

  • Harter und kalter Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Nasser und kalter Sommer.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Die Ortsvorstände beginnen einen Prozeß gegen Pfarrer Schmidtborn um das Pfarrbesoldungsholz.
  • Erste Reichstagswahl in unserer Gegend
    (Strinzer Chronik)

Aus der Kirchenchronik

Die Stimmung des Gemeinderaths bez. der Gemeinde ist durch heftige Opposition u. prozeßsüchtiges Vorgehen gegen die Pfarrei resp. gegen meine Person bezeichnet. Die zurückgewiesene u. gedemüthigte Demokratie will sich durch die Bewältigung des Pfarrers Genugthuung verschaffen. Meine Maßregeln – Ich entschließe mich jeden Prozeß aufzunehmen, zumal sich seit der Trennung der Verwaltung von der Justitz keine Regierung mehr durch fiskalische Verfügungen dazwischen legen kann. Der vom Gemeinderath durch alle Instanzen hindurch getriebene Prozeß um das freie Backlos wird für die Pfarrei gewonnen Strittung während des ganzen Jahres um das Streulaub. Man verweigert das Loos für die Pfarrei, weil ich als Gemeindeglied ein Loos beziehe. Der Gemeinderath läßt jedoch den Prozeß deshalb schon bei der ersten Instanz fallen. Ich hatte indessen namhafte Küster, da meinem Gesinde angebliche Frevel beim Laubholen zur Last gelegt wurden, wobei das Forst- u. Amtspersonal den Uebelgesinnten Vorschub leistete.

Der endliche Beginn des schweren Prozesses wegen des hiesigen Pfarrbesol-dungssatzes. Die ursprüngliche Rechtsausübung u. hergebrachte Observanz: Der Pfarrer läßt das von der Forstbehörde auf dem Stamm angewiesene Besoldungsholz (welches auf dem hiesigen Gemeindewald radicirt ist) auf seine Kosten d.h. durch die von ihm angestellten und bezahlt werdenden Leute hauen, u. bezieht dieses ihm nun zuständige Competenzholz in seiner Identität. Belang dieses Verhältnisses für die Sicherheit u. das Interesse der Pfarrei. Die theilweise Ungewißheit, welche durch die fiskalischen Bestimmungen des Forstedicts v. 1806 in dieses Verhältniß gebracht wurde: „ein bestellter Holzhackermeister soll die ganze Holzfällung im Accord übernehmen, und das Amt soll das gefällte Holz verwanden.“ Zunächst machte diese Bestimmung hier (u. auch auf anderen Pfarreien) keine Aenderung. Ich ließ mein Holz nach wie vor durch meine Leute hauen, u. in der amtlichen Verwandung (eine dem Centralisationssystem eigene Einrichtung) blieb mir dasselbe jedesmal zuständlich. Es geschah unterdessen eine Wirkung des fiskalischen Geistes – daß die Oberförster die spezielle Anweisung für die Pfarrei auf dem Stamm verweigerten; zuletzt unterblieb dieselbe. Dessen ungeachtet ging die Fällung durch meine Leute von statten; die Förster supplirten mitunter die Anweisung. Zu Anfang der 1830siger Jahre erhoben sich in der Mitte des Ortsvorstandes u. der Gemeinde Stimmen, welche verlangten, der Pfarrer solle aus dem gemeinheitlich gefertigten Holzschlag sein Besoldungsholz ---------, dergestalt, daß er sein Deputat von der ersten oder letzten Nummern der Reihenfolge empfange. (Ich ließ nämlich mein Competenzholz immer gut machen und setzen, was den Neid u. das Mißtrauen erregte.) Ein Oberförster machte mir unter Versicherung reeller Bedingung den Antrag, ihm die Auswahl u. Ueberweisung des Besoldungsholzes zu überlassen. Diese verschiedenen Begehrnisse u. Ansinnen hatten keine Folgen; ich begriff jedoch ihre letzten Consequenzen. Da die spezielle Anweisung – auf dem Stamm – unterlassen wurde, was endlich zu Collisionen führen mußte, und die tauglichen Leute, die ich über der Holzarbeit selbst beköstigte, mit der Zeit abgegangen waren, so geschah es seit Ende der 1830siger Jahre, daß ich im Gemeindeaccord mein Besoldungsholz fällen ließ und dasselbe aus der fertigen Fällung nach der besseren Qualität auszog. Es geschah dies gleichsam vertragsweise u. war ein tolerirter Zustand, unter Vorbehalt der Pfarrcompetenz. Ich lavirte. Ich sah ein, daß wenn der Bezug des Besoldungsholzes einmal von seiner positiven und natürlichen Basis losgerissen ward (da es nun einmal keine freie Lieferung ist, wie auf dem Filial, wo die Abgabe unbefangen u. eingewohnt u. das Quantum ohnehin gering ist) der Pfarrer aller möglichen Betrügereien u. Verkürzungen ausgesetzt sey. Einen Bruch aber suchte ich zu vermeiden, weil ich fürchtete, die fiskalischen Bestimmungen v. 1806 möchten im Fall eines Entscheids gegen die Pfarrei gekehrt u. angewendet werden, oder die büreaukratische Verwaltung möchte rücksichtslos verfügen, u. etwa dem Ortsvorstand oder dem Forstpersonal die Auswahl u. Ueberweisung des Pfarrbesoldungsholzes heimgeben. Für einen solchen Fall war ich entschlossen, auf die Pfarrcompetenz und bestandene Observanz zurückzugehen und dieselbe um jeden Preiß zu vertheidigen.

Im Jahre 1848 bezog ich das Holz nach dem bezeichneten Modus, der bisher beibehalten war; ich merkte aber in der aufgeregten Zeit, daß dieses Verhältniß von keiner weiteren Dauer sey. Dennoch ließ ich auch für 1849 das Holz wie bisher machen. Nachdem dieses Holz im December 1848 fertig geworden war, trat die neu errichtete Gemeinde auf, u. vertauscht einige Klafter von dem für die Pfarrei von mir designirten Holz. Ich rügte dieß, that jedoch keinen Schritt, weil an sich das Holz für Rechnung (im Accord) der Gemeinde gefällt war; ich beschloß aber, mich künftig genau an die Pfarrcompetenz zu halten und zweifelte kaum mehr an dem Erfolg, da die bisherige Landesregierung aufgelöst und die Justitz von der Verwaltung getrennt worden war. Ich ging also schon im Sommer 1849 das herz. Kirnisamt an, welches das Forstamt veranlaßte, das Pfarrbesoldungsholz für das Jahr 1850 auf dem Stamm anzuweisen. (Dasselbe war auch für die Pfarrei Strinz – Trinitatis geschehen; auf den anderen Pfarreien kam meines Wissens keine Strittung vor.) Das zugewiesene Holz ließ ich im December 1849 durch meine Leute fällen.

Kaum hatte das Holz im Januar 1850 die forstamtliche Controlle passirt, so bemächtigte sich der Gemeinderath desselben u. verwandete es zu Gemeindeloosholz; der Pfarrei überwies er anderes Holz aus der Fällung. (Angeblich wurde bei der Gemeinde darüber gelooßt und zum Schein der Unparteilichkeit ein Kirchenvorsteher gebraucht um im Namen der Pfarrei das Loos zu ziehen.)Ich nahm keine Notiz von dem überwiesenen Holz, sondern erhob sofort Klage auf Ersatz des entwendeten Holzes und auf völlige Schadloshaltung.

Der erste Gerichtstermin im Justitzamt zu Wehen, d. 5. März 1850. Der Ge-meinderath, an der Spitze der Bürgermeister (selbst Mitglied des Kirchenvor-standes!) erklären, daß sie die Sache an einen Advocaten übertragen wollen. Das Amtspersonal räth mir deshalb, auch meinerseits eine solchen anzunehmen. Damit begann der Prozeß. Charakteristische Aeusserungen bei dieser Gelegenheit von Seiten des (nimis plumbei) Bürgermeisters: ich habe ja keine Axt mehr in den Wald tragen dürfen; es sey so ein Ding sich das Brod in die Hand zu schneiden (das Pfarrbesoldungsholz durch einen Dritten überweisen) zu lassen. Da ich nach Gestalt der Sache u. von vorne herein für meine Person (wegen Entwendung eines mir zuständlichen Objektes) die Klage anstellte, u. auch keine Anstalt traf, daß der Prozeß auf Kosten des Kirchenfonds geführt werde, so kam es, daß ich denselben auf meine Kosten betrieb. Daß der Kirchenvorstand die Pfarrei vertrete oder eine darauf bezügliche Pflicht habe, davon keine Rede. Schon vorhin hatte das Staatsministerium in eigener Weise auf den Rechtsweg verwiesen.

In meinem Verhältnis zum Kirchspiel u. zu den einzelnen Gemeindegliedern änderte der Prozeß nichts. Ich machte kein Aufheben von der Sache und ver-mied, wie ich auch in anderen Fällen u. Beziehungen gewohnt bin, jede Diskussion. Bei der Instruction des Prozesses stellte ich sogleich die Sache auf die Spitze u. bezeichnete als die gründliche Meinung u. Endabsicht des Gemeinderathes (woran nicht zu zweifeln), das Pfarrbesoldungsholz in seine Hand zu nehmen u. nach seiner Auswahl u. Bestimmung an den Pfarrer gegen Entrichtung des Hauerlohns zu überweisen, und zwar eventuell Holz von solcher Qualität, dessen Werth etwa die Kosten des Hauer- und Fuhrlohnes compensire. Hiernach ließ sich das Risiko der Pfarrei bemessen. Langsamer Gang des Prozesses. Im November war der Gemeinderath genöthigt, daß mir überwiesene u. während des Jahres im Wald sitzen gebliebene Holz für Rechnung der Gemeinde zu verkaufen. Am 28. Dec. war die erste Zeugenabhör: der Gemeinderath ließ die von ihm aufgerufenen Zeugen zum ewigen Gedächtnis vernehmen. Ich selbst hielt den Termin für meinen Sachwalter (Dr. Großmann in Wiesbaden) ab.

Während des Jahres wurden mehrere Predigerconferenzen im hiesigen Pfarrhaus abgehalten. Der Verlauf in Witterung u. Erträgnisse = ein gewöhnliches.

1851

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Schultheiß: Bürgermeister Weber / Lehrer: Johann Adam Schmidt; Johann Friedrich Demmer

Statistik

Schülerzahl: 53

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Einwohner: 321

Familien: 79

(Beiträge zur Statistik des Herzogthums Nassau / 1863 / Seite 167)

Ereignisse

  • Nasser und kalter Sommer
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Lehrer Schmitdt soll nach Steckenroth versetzt werden, was aber wieder aufgehoben wird.
    (Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau, Band 43, Seite 101)
  • Lehrer Schmidt wird nach Lohrheim versetzt.
    (Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau, Band 43, Seite 158)
  • Neuer Lehrer wird Johann Friedrich Demmer, geb. 1811 zu Philippstein. Der "Herzoglich Nassauische Staatsminister des Kreisamtes Langenschwalbach ernennt ihn zum Lehrer und gleichzeitig zum Organisten, Küster und Glöckner der ev. Kirche. Schulinspektor Heinzemann führt ihn in sein Amt ein.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)
  • In StM werden die Schmetterlingsarten Daplidice und Bellidice nachgewiesen.
    (Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde: Bände 7-8 - Seite 111, 1851)

Aus der Kirchenchronik
Sehr gelinder Winter. Aussergewöhnlicher Strohgewinn vom Wintergetreide; mitunter weniger Körner. Der Prozeß wegen des Pfarrbesoldungsholzes schwebt noch in der ersten Instanz (Justitzamt zu Wehen). Termin am 30. July: Abhör der von mir aufgerufenen Zeugen. An diesem Tage bezahlte ich 22 Gulden Zeugengebühr. Angriffe und Collision wegen meiner Tauben, deren Einsperrung Gemeinderath und Feldgericht verlangen, wodurch mir in Folge Anbringens namhafte Kosten entstehen. Es ist dieß offenbar eine Bestätigung der Feindseligkeit und Rache, da sich ohnehin Niemand um die Tauben des Pfarrers (ausser denen keine hier gehalten werden) bekümmerten; auch mag es manchen scheinen, das Halten eines Fluges Tauben auf dem Pfarrhaus sey eine aristokratische Auszeichnung. Mein Versuch im August, den Kirchenvorstand auf dem Filial zu vermögen die Prozeßkosten p.p. auf die Kirchencasse zu übernehmen, scheiterte an der Opposition der Bürgermeister von Oberlibbach und Niederlibbach. Sie erklärten ganz unverhohlen, wer den Prozeß angefangen habe, möge ihn auch ausführen. Auch die hiesigen Kirchenvorsteher hielten zu den Gegnern resp. zur Gemeinde, so daß einmal von einem Zusammentritt derselben die Rede war, um die Erklärung abzugeben, daß man von Seite des Kirchenvorstandes bez. der Kirchengemeinde in die Forderung des Gemeinderathes willige. Dieß würde jedoch in keinem Fall gelungen seyn. Meine literarischen Beschäftigungen und sonstigen Beziehungen, welche die Unbilden meiner Umgebung mich wenig anfechten ließen. Wenig Obst in diesem Jahr und Mißrathen der Kartoffeln durch die noch immer (seit 1830) anhaltende Krankheit der Trockenfäule. 

1852

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Peter Weber / Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Der Flächengehalt des Forstes Breithardt, zudem auch der Forst von StM gehört beträgt 13,813 Morgen, 80 Ruthen.

(Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau, Band 44, 1852)

Ereignisse

  • Der Winter ist sehr schneereich, obwohl es nicht sehr kalt ist.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Ein Hitzejahr
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Pfarrer Schmidtborn gewinnt den Prozeß um das Pfarrbesoldungsholz nach 3 Instanzen (1. Instanz: Justizamt Wehen / 2. Instanz: Herzogliches Hofgericht / 3. Instanz: Oberappelationsgericht.
  • Einführung der allgemeinen Stallfütterung (statt Weidegang).
  • Erstmals wird für das Leiterhaus eine Brandsteuer erhoben. Sie beträgt 1 Gulden 10 Kreuzer und wird bis 1883 erhoben.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)

Aus der Kirchenchronik

Zu Anfang dieses Jahres ergriff den vereinten Orts- u. Kirchenvorstand eine dämonische Gewalt, die ihn zu einem kühnen Versuch trieb meine Entfernung zu bewirken. Der Holzprozeß war in erster Instanz für die Pfarrei gewonnen u. schwebte jetzt infolge der Appelation des Gemeinderathes an S. Hofgerichte. Im Aeusseren zeigte sich durchaus keine Animosität gegen meine Person; das Verhalten der Individuen blieb normal; im Allgemeinen verhielten sich die Gemeindeglieder in Bezug auf den Prozeß indifferent, nur die Chargirten (Gemeinderath u.s.w.) waren befangen u. gespannt u. glaubten agitiren zu müssen. Die äussere Veranlassung ihrer neuen Aufregung u. Vorschreitung war ohne Zweifel folgende: die Aufstellung der Listen behufs der Lieferung der Pfarrcompetenzfrucht u. dem Aussetz der einzelnen Beiträge hatte ich von jeher den Schultheißen überlassen. Auf Betrieb des Gemeinderathes, der in der irrigen Meinung stand, die Sache gehöre zu seinem Ressort hatte der nunmehrige in die Liste für die Lieferung der Besoldungsfrucht v. 1849, welche im Januar 1850 stattfand, meinen Namen eingetragen. Vergebens suchte ich den Leuten begreiflich zu machen, daß der Bezug des Gemeindenutzens keinen Zusammenhang mit der Verbindlichkeit des Beitrags zur Pfarrcompetenz habe; daß ich durch den Eintritt in den Verband der Civilgemeinde nicht aufgehört habe Pfarrer zu sein; und daß eine persönliche Abgabe an die eigene Person ein Unsinn sey. Den Ausfall an der Frucht trieb ich ohne Rücksicht bei. Sie wagten keinen weiteren Versuch mich zu einer Lieferung beizuziehen, urgirten es aber fortwährend u. auch jetßt als eine Forderung der Gleichheit, daß ich beitrage. Meiner Aufmerksamkeit war es entgangen, daß der Schullehrer Schmidt (im August 1851 nach Lorheim übergegangen) zu den Lieferungen der Pfarrbesoldungsfrucht v. 1849 u. 50 war beigezogen worden. Als nun der Name des neuen Schullehrers in der Liste für die Lieferung v. 1851, welche in den ersten Tagen dieses Jahres (1852) stattfand, erschien, strich ich denselben, weil der hiesige Schullehrer, der zugleich Kirchendiener ist, niemals zu der Lieferung beigetragen hat, und ein Kirchendiener nach der bestehenden und allerwärts geltenden kirchlichen Observanz von per-sönlichen Abgaben zum Vortheil des Kirchendienstes frei ist. Später hat sich dem Vernehmen nach der Gemeinderath wegen Beiziehung des Pfarrers u. Schullehrers zur hiesigen Competenzlieferung an herz. Staatsministerium ge-wandt u. ist abschlägig beschieden worden. Die Zurückweisung dieser Anmaßungen steigerte die Verbitterung. Noch im Januar verlautete, daß von hier aus eine Liste auf dem Filial umhergetragen worden sey, um Stimmen zu einer An-klage gegen den Pfarrer zu sammeln. Dieß war ohne Erfolg. Eine heftige Klage- und Schmähschrift aber ging von hier ab, die lange Zeit bei S. Staatsministerium liegen blieb; denn erst im May ging sie ans Decanat zur Verantwortung zurück. Sofortige Vernehmung des vereinigten Gemeinderathes u. Kirchenvorstandes (von deren Gesamtheit die Schmähschrift unterschrieben war) vor dem Decanat zu Wehen. Mein Protokoll von dieser Stelle am 7. Juni. Ich erklärte: die erhobene Klage sey von Seite der Beschwerdeführer ein grober Versuch, sich die Behörden dienstbar zu machen, um das, was sie auf dem Rechtswege nicht gewinnen können, auf dem Weg der Verwaltung zu erreichen. Im übrigen verwies ich auf ihre in den Prozeßverhandlungen actenmäßig vorliegenden Freveln. Dabei hatte die Sache ihr Bewenden. Denn noch jetzt (28. Februar 1853) ist kein Bescheid erfolgt. Ursachen und Motive dieser Angriffe und Beschwerden. Der unzufriedene und verwilderte Zeitgeist. Entfernung aller patriarchalischen Denk- und Lebensweise. Da der Wechsel auf den Pfarrstellen häufig ist u. überdieß bei dem neuen Wahlsystem in anderen Kreisen die Ab- und Einsetzungen an der Tagesordnung sind, so scheint ein so perennirendes geistliches Regiment wie das meinige, mit den Forderungen der Freiheit und der Volkssouveränität zu streiten. Umsichgreifen des Proletariats. Theilweise Untergrabung der pfarramtlichen Verhältnisse durch das Edict v. 8. April 1818, namentlich durch die fiskalische Bestimmung, dasß das Pfarrgut verpachtet werden muß. Daher die immer wieder kehrende Spannung und Begierde, das etwa ergiebig gewachsene Pfarrgut in Pacht zu nehmen und auszusaugen. Das Precäre und in mancher Rücksicht Unzuträgliche der Existenz eines Pfarrers auf der hiesigen Stelle wegen ihres geringen (für eine Familie schwerlich zu reichender) Ertrag.

Im März erfolgte das hofgerichtliche Urtheil im Holzprozeß wodurch der Ge-meinderath in zweiter Instanz unterlag; er trieb nun den Prozeß an das Oberappellationsgericht. An meinem dießjährigen wie an dem vorjährigen Besoldungsholz, das ich der Competenz gemäß hauen ließ, ließ sich der Gemeinderath unbetheiligt.

Sonstiger Verlauf des Jahres. Sehr gelinder Winter; jedoch anfangs März, zumal d. 5., harter Frost mit Schnee. Aufschlag der Brotfrucht im Februar; dann Ermässigung der Preiße durch Beschaffung vom Auslande und Handelsconcurrenz. Starker Regen Freitags vor Pfingsten, d. 28. May. Mittelerndte; besserer Ertrag der Kartoffeln als im vorigen Jahr. Außer Zwetschken kein Obst. Vollständige Einführung der Stallfütterung, hierorts selbst mit Vernachlässigung der Weide, die sonst allerwärts benutzt wird.

Als oberste kirchliche Behörde fungiert jetzt ein Kirchensenat; im Uebrigen bestehen noch die kirchlichen Verhältnisse auf Grund des Edicts v. 1818, das noch nicht ausser Kraft gesetzt ist. Manche Amtsverrichtungen seit April durch die Vacanz in Breithardt.

Freitag d.19. Nov. Elisabeth. Wegen einiger Beschickungen ging ich heute nach Wiesbaden. Seit dem 12. October hatte ich wegen des noch schwebenden Prozesses mich nicht erkundigt. Als ich um 91\2 Uhr bei Hr. Dr. Großman eintrat, verkündigte mir der Secretär, dann er selbst, daß der Prozeß entschieden und gewonnen sey. Meine Freude und Genugthuung: ich war in dem Moment mit der Welt versöhnt. Ich schrieb angesichts an meinen Bruder (Generalsuperintendent in Coblenz), der an dem Resultat immer zweifeln wollte; ging in das Gasthaus des Adlers, besorgte meine Geschäfte in der Stadt, konnte aber auf keinen Freund oder Bekannten treffen, um meine Freude zu theilen. Schweigsam kehrte ich am Abend zurück. Ob in dem Moment der Ausgang des Prozesses hierorts schon bekannt war, habe ich nicht erfahren; derselbe machte nachgerade keinen überraschenden Eindruck, weil er nicht unerwartet war. Dem Kirchspiel und Publicum gegenüber verhielt ich mich, als ob nichts geschehen sey. Ich liquidirte meinerseits 120 Gulden 27 Kreuzer ausgelegte Prozeßkosten.

1853

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Peter Weber / Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Der Winter ist sehr schneereich, obwohl es nicht sehr kalt ist.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Das Frühjahr ist sehr regnerisch.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Ein Hitzejahr
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Aufstellung der Barockorgel in der Strinzer Kirche. Diese stammt aus Niederingelheim und wird für 150 Gulden gekauft. Sie wird von Orgelbauer Voigt aus Igstadt aufgestellt.
    (Strinzer Chronik, Teil1, Seite 114)

Siehe auch unter Die neue Orgel

Aus der Kirchenchronik

Ankauf einer Orgel von der Gemeinde Niederingelheim in die hiesige Kirche, die seit ihrer Erbauung (1834) ohne Orgel war. Der Sage nach hatte das Werk in einem Nonnencloster zu Mainz gestanden, ging sodann an die französische Regierung über und wurde von dieser an die Gemeinde Niederingelheim geschenkt, die es jetst durch ein neues größeres Werk ersetßt. Die Orgel wurde durch den Orgelbauer Voigt aus Igstadt in der hiesigen Kirche aufgestellt, und am 19. Juni, 4. Sonnt. p. Trinit., zum erstenmal durch den Schullehrer Kölschenbach v. Strinz Trinit. gespielt, der dazu bestellt war, um das Werk zu prüfen. Ich predigte über Ps. 33, 1-4; das Thema der Predigt war: „Die Tonkunst im Bunde mit dem Glauben“. Mittwoch, d. 5. Oct., nachmittags, ward eine Predigerconferenz im hiesigen Pfarrhaus gehalten auf welcher die Schriften aus dem Lesecirkel versteigert wurden, und Hr. Decan Ebertz, welcher auf die Pfarrei Nordenstadt abzog, von der Decanatsgeistlichkeit Abschied nahm. Ephorus (unter dem Titel der Decanatsverwaltung) wurde Hr. Pfarrer Spieß, bisher zu Schönbach, bei Herborn, geboren zu Okriftel. Es ist der achte Ephorus, den ich hier erlebt.

Die Strinzer Kirchenorgel
Die Strinzer Kirchenorgel

1854

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Peter Weber / Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Harter und kalter Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Es grassiert die Kartoffelfäule, die die Ernte dezimiert.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)

Aus der Kirchenchronik

Ein feuchter und ganz ergiebiger Jahrgang. Keine besonderen Ereignisse.

1855

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Peter Weber / Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Preise: 4 Pfund Brot = 22 Kreuzer

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Ereignisse

  • Harter und kalter Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Die Strohdächer der Schule werden mit Schiefer gedeckt, ungeachtet des Spruchs:
    NIEMAND SETZT EINEN ALTEN LAPPEN AUF EIN NEUES KLEID:
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 117)
  • Der Bürgermeister Peter Weber, der sich nicht als Freund der Schule zeigte (Aussage von Lehrer Demmer) nimmt seinen Abschied.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 122)
  • Als neuer Bürgermeister wird Philipp Georg Hanson gewählt.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 122)
  • Es grassiert die Kartoffelfäule, die die Ernte dezimiert.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)

Aus der Kirchenchronik

Ein im Ganzen nasses Jahr. Der Roggen gerieth hier schlecht, weil die Witterung im Herbst 1854 der jungen Saat durch Schnee und Frost ungünstig war. Wegen des anhaltenden Regenwetters hatte man nach der Mitte des Octobers große Noth mit der Einbringung des Hafers, der mir auf den Schwaden und in den Garben zu keimen begann, jedoch mit einigem Verlust noch gewonnen wurde.

 

1856

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Harter und kalter Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Der Schullehrer erhält 20 Gulden Unterstützung aus der Staatskasse
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)
  • Die Industrieschule wird wieder eingeführt. Die Industrielehrerin wird die Lehrerfrau Johannette Demmer.  Sie erhält ein Jahresgehalt von 32 Gulden.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)
  • Johann Adam Enders wandert am 5. August nach Amerika aus.
    (Die Auswanderung aus dem Herzogtum Nassau 1806 - 1866)

Aus der Kirchenchronik

Leidlicher Winter. Fortwährende Theuerung der Lebensmittel. Ergiebige Ernte. Daher der Landmann in dieser Zeit sich wohlsteht. Steigen der Löhne. Die Privatpredigerconferenz, die bisher gewöhnlich im hiesigen Pfarrhaus stattfand, wird jetst monatlich auf der Hünerkirche abgehalten. Sie ist dem literarischen und geselligen Verkehr der Diöcesanen förderlich. Die Moralität und das kirchliche Leben in den Gemeinden lassen viel zu wünschen übrig. Trotz des verbesserten Schulunterrichtes finden sich unter der reiferen Jugend viele unwissende und nichtsnutzige Subjekte. Der Kirchengang ist defert. Die Begriffe und Gewohnheiten in Ansehung der geschlechtlichen Beziehungen sind auffallend roh u. des christlichen Geistes bar; sie correspondieren der rationalistischen Wissenschaft u. der weit verbreiteten naturalistischen Denkweise. Jedoch ereignen sich die Scortationsfälle meistens inmitten der unvermögenden Classe. Ehebruch, wenn er etwa zur Reclamation von Alimenten selbst zur Kenntnis der Gerichte gelangt, wird nicht bestraft.

1857

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Vom 13.- 15. Juli ist die Hitze auf 26 Grad Reaumur gestiegen. Am 16. zeigt das Thermometerschon bei Sonnenaufgang 20,8 Grad Reaumur gestiegen, das entspricht 26 Grad Celsius.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Auf der der 6. Sitzung der ersten Kammer der Ständeversammlung in Wiesbaden, wird über den Antrag der Gemeinden Watzhahn, Steckenrodt, Breithardt, Holzhausen über Aar und Michelbach beraten, die geplante Verbindungsstraße zwischen Aarstraße und Wehen-Bleidenstadter Chausee statt über Wingsbach, Strinz-Margarethä, Hennethal und Daisbach oder statt durch das Aartal über Adolfseck nach Hausen lieber über Watzhahn, Steckenroth, Breithardt und Holzhausen zu führen. Die Anträge wurden an die Regierung zur Entscheidung weitergegeben.
  • Der Schullehrer erhält aus der Gemeindekasse 30 Gulden.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Aus der Kirchenchronik

Mit diesem Jahr nahm die Witterung einen veränderten Charakter an; sie wurde im Gegensatz zur bisherigen entschieden trockner. In der Pfingstwoche, d. 24. May ff. fanden einige heftige u. kalte Regengüsse statt; von da an mangelte der Regen bis im Sept. einige feuchte Tage eintraten. Die Ernte aber war sehr ergiebig, der Weizen vortrefflich. Nach langer Zeit wieder ein ausgezeichneter u. berühmter Wein. Wenig Obst. 

1858

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Ein Hitzejahr
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Aus Anlaß der Frühjahrsprüfung erhält der Lehrer ein Gratifikation von 20 Gulden.
    (Stinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)
  • Am 25. April, nachmittags um 4 Uhr bricht nahe der Schule, wie man sagt durch Tabakpfeife, ein Feuer aus, welches durch das rasche Einschreiten der hiesigen Gemeinde glücklich gelöscht wird, ohne das Schulgebäude bedeutend zu beschädigen.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009 / Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 119)
  • Am 10. Juni kommt es zu einem Hagelschlag mit taubeneigroßen Hagelkörnern die am Mittag des nächsten Tages bei Sonnenschein noch schuhhoch im Feld bei Lambertsbach lagen.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • In StM erkranken mehrere Kinder von zwei Familien an unterschiedlich ausgeprägter Angina. In jeder Familie stirbt ein Kind (1 1/2 und 8 Jahre) an dieser Krankheit.
    (Medicinische Jahrbücher für das Herzogthum Nassau, Band 21, 1864)
  • Gegen Mitte September erscheint am nordwestlichen Himmel ein schöner Komet, der gegen Ende September und Anfang Oktober einen ungewöhnlichen Glanz entfaltet.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)

 

Aus der Kirchenchronik

Fortwährende Trockniß, alle Gewässer sind seicht. Im Winter mild ohne namhaften Schnee u. Regen. Später, im Februar u. März herrscht eine trockene u. ausdörrende Kälte. Dadurch litten die Weizen- und Kleefelder sehr. Unterdessen waren die Fruchtpreiße um die Hälfte (Weizen von 14 Gulden auf 7 Gulden 40 Kreuzer) gesunken. Die strichweise Entleerung einiger Gewitterwolken ausgenommen, blieb auch im April u. May der Regen aus. Der Hagelschlag am 10. Juni, donnerstags, das erste Ereigniß der Art, das ich hier erlebte. Noch am 11. Juni gegen Mittag, bei Sonnenschein, lagen in den Wiesen in Lambertsbach einzelne Haufen des gefallenen Hagels Schuh hoch. Die Winterfrucht der beiden Pfarräcker auf dem alten Berg ging ganz zu Grund; den Weizen auf dem oberen (großen) Acker ließ ich abmähen; der ohnehin schlechte Bestand war total an den Boden zerschlagen. Glücklicherweise war das Feld nur strichweise getroffen worden. Fortwährende Trockniß. Man konnte sagen, daß es seit einem Jahr nicht geregnet, d. h. kein Landregen stattgefunden habe. Großer Futtermangel; der Centner Heu wird hier u. da mit 6 Gulden bezahlt. Daher ein seltsames Sinken des Viehpreises; umgekehrt ein plötzliches, nie also vorgekommenes Steigen des Fruchtpreises (Weizen in wenigen Tagen von 7 Gulden 30 Kreuzer auf 12 – 13 Gulden). Große Besorgnisse wegen der Sommerfrucht. Strichweise Brodnoth durch Hemmung des Mahlwesens. Sonntags, den 4. July, verlas ich ein besonderes Gebet um günstige Witterung (wie auch ohnehin in Nothfällen geschehen). Endlich, nachdem am 5. July ein heftiger Wind geweht u. eine Morgenröthe sich gezeigt hatte, fiel in der Nacht zum 6. July ein Regen. 

1859

Statistik

Schülerzahl: 70

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Ein Hitzejahr
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Das Jahr zeichnet sich durch eine große Dürre aus.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Dr. Emil Hildenbrand von StM wird in die Zahl der geprüften Candidaten der höheren Rechtswissenschaften aufgenomen.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau / Nr. 3 / 1. Februar 1859 / Seite 12 / Dienstnachrichten)
  • Der Ort erhält einen erste eigene Feuerspritze von der Firma Emil Roth in Idstein zum Preis von 320 Gulden, was sich als billig erweist. Die seitens des Herzoglichen Amtes vorgeschlagene größere Spritze wird vom Ortsvorstand abgelehnt. Begründung: Mit der kleineren Spritze "kann man besser in die Winkel kommen" und es gäbe nur eine kleine Löschmannschaft. Außerdem käme wegen fehlender Pferde eine größer Spritze nicht in Betracht.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009 / Strinzer Chonik, Teil 1, Seite 114)
  • Bürgermeister Hanson richtet am 24. März an das Herzogliche Amt Wehen ein Ersuchen für den Bau eines Spritzenhauses zum aufbewahren der neuen Feuerspritze mit Wagen, die einstweilig in einer Scheune untergebracht ist.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Am 25. Mai befürwortet das Herzogliche Amt Wehen den Bau des Spritzenhauses. Mit Schreiben des Herzoglichen Amtes Wehen - am selben Tag - an den Bauinspektor Willet in Eltville wird die Auflösung der Spritzengemeinschaft Strinz-Trinitatis, Strinz-Margarethä, Niederlibbach, Oberlibbach und Hambach mitgeteilt.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Am 29. Mai erfolgt der Beschluss der Gemeinde zum Bau des Spritzenhauses.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Der Lehrer erhält ein Jahresgehalt von 440 Gulden, davon 15 Gulden für die Wohnungsnutzung.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)
  • Lehrer Demmer hat einen Basaltbruch entdeckt (am alten Hennethalter Weg) und bricht selbst in seien Freistunden den Basalt, den die Gemeinde zur Überschüttung der Dorfstraße ankauft. Es handelt sich um Kugelbasalt der später, bis 1890, durch Gustav Gräter abgebaut wird.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

1860

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Schülerzahl: 72

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Bekannte Namensform

Strinz-Margaretha

Ereignisse

  • Milder Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Ein ausgesprochenes Regenjahr. Es gab keinen richtigen Sommer.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Leichtes Erdbeben in unserer Region.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Erstmalig wird eine Spritzenmeister - Ferdinand Gräter - erwähnt. Er ist zuständig für die Pflege und Wartung der Spritze und ruft zu Übungen ein. Er bekommt für seien Arbeit 3 Gulden 30 Kreuzer Lohn.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
Karte Waldungen
Karte Waldungen

1861

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Ereignisse

  • Starker Hagel in unserer Region.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Um Mitte des Monats Juni erscheint am westlichen Himmel ein Komet, der einen langen Schweif nach sich zeiht. Man sieht ihn nicht so lange wie den Komet aus dem Jahre 1858.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Erstmals wird für das Spritzenhaus einen Brandsteuer erhoben (3 Gulden 30 Kreuzer).
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Neuer Spritzenmeister wird der Schmiedemeister Philipp Klein. Er behält das Amt für 40 Jahre.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
Karte Waldungen von 1861
Karte Waldungen von 1861

1862

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Einwohner: 371

Preise für Ackerland: 200 - 340 fl (Gulden)

Preise für Wiesen: 250 - 400 fl

(Beiträge zur Statistik des Herzogthums Nassau / 1863 / Seite 167)

Gewerbe

2 Leineweber

1 Mahlmüller

1 Brandweinbrenner

2 Kaufleute

2 herumziehende Krämer

2 Wirte

1 Zimmermann

1 Wagner

2 Schmiede

1 Schuhmacher

1 Sattler

1 Schneider

2 Schreiner

(Beiträge zur Statistik des Herzogthums Nassau / 1863 / Seite 167)

Ereignisse

  • Seine Hoheit der Herzog geruht Pfarrer Schmidtborn aus Anlaß der Feier seines fünfzigjährigen Amtsjubiläums den Titel Kirchenrat zu verleihen.
    (Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau, Band 54 / 1862)

1863

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Schülerzahl: 74

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Ackerfläche: 200 - 340 fl.

Wiesenfläche: 250 - 400 fl.

Gewerbe: 2 Leinenweber / 1 Mahlmeister / 1 Brandweinbrenner / 2 Kaufleute / 2 herumziehende Kramer / 2 Wirte / 1 Zimmermann / 1 Wagner / 2 Schmiede / 1 Schuhmacher / 1 Sattler / 1 Schneider / 2 Schreiner

(Zeitschrift zur Nassauer Kunst- und Gewerbeausstellung in Wiesbaden / 1863)

Ereignisse

Bei der nassauischen Kunst- und Gewerbeausstellung in Wiesbaden stellt der Strinzer Schmiedemeister Klein einen amerikanischen Wendepflug, einen böhmischen Schaufelpflug und einen Häufelpflug aus.
(Zeitschrift zur Nassauer Kunst- und Gewerbeausstellung in Wiesbaden / 1863)

 

18. Oktober: Feier zum Andenken an die Befreiungsschlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Tagsüber Gottesdienst, abends wurden auf allen Bergen Freudenfeuer angezündet.

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 97 / Schulchronik)

1864

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson/ Lehrer: Johann Friedrich Demmer

Statistik

Einwohner: 397

Ereignisse

  • Fest zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Herzogs Adolf.
    (Strinzer Chronik)

1865

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Johann Friedrich Demmer; Philipp Ferger

Statistik

Schülerzahl: 84

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 114)

Ereignisse

  • Ein Hitzejahr
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Der Lehrer Philipp Ferger wird von Arnoldsheim nach Strinz-Margarethä versetzt.
    (Verordnungsblatt des Herzogtums Nassau, Band 57, Seite 389)
  • Feier zum 50. Dienstjubiläum von Pfarrer Schmidtborn.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 97 - 100)

Siehe auch unter Pfarrer Schmidtborn

(Verordnungsblatt des Herzuogthums Nassau, Ausgabe 9, 5. April 1865)

Hochzeitskranz
Hochzeitskranz

1866

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Ereignisse

Herzog Adolph von Nassau
Herzog Adolph von Nassau

Am vier Wochen dauernden Bruderkrieg

zwischen Österreich und Preußen nehmen

die Strinzer Bürger Heinrich Christmann

und Karl Schneider teil. In diesem Krieg

verliert Herzog Adolph von Nassau als

Bundesgenosse Österreichs sein Land an

die im Bruderkrieg siegreichen Preußen.

In der Folge gehört StM zur preußischen

Provinz Hessen-Nassau.

Den Nassauern fällt es nicht leicht ihre Selbständigkeit aufzugeben und preußisch zu werden, aber die Umwandlung geht dann doch recht schnell von statten, zumal die Steuerlast in Preußen geringer ist.

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 102)

Die Schlacht bei Königkrätz (Wikipedia)
Die Schlacht bei Königkrätz (Wikipedia)

Ab sofort: 

Verwaltungsbezirk: Preußische Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Unter-Taunus-Kreis.

(Landesgeschichtliches Infosystem Hessen / 2011)

  • Milder Winter.
    (Wehen und sein Grund, Dr. Eduard Wilhelmi, 1953)
  • Als erster "echter Preuße" wird August Keiper am 09.10. in StM geboren.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 102)

Neue Währung

Siehe auch unter: Im Geldbeutel

1867

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Ereignisse

  • Am 28. Mai werden alle Lehrer des Amtes Wehen auf den preußischen König vereidigt.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 105)
  • Am 21. August wandert Johannes Christian Wahl nach Amerika aus.
    (Die Auswanderung aus dem Herzogtum Nassau 1806 - 1866)

1868

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Ereignisse

  • Zwischen 12 Uhr und 1 Uhr mittags brennt eine Scheune durch Blitzschlag in der Pfalzstraße ab. Stall und Wohnhaus wurden stark beschädigt. Es handelt sich um das Anwesen Baum.
    (Chronik der Freiwilligen Feuerwehr / 2009)
  • Als Förster für den Schutzbezirk Strinz-Margarethä der Oberförsterei Breithardt der königlich preußischen Forstverwaltung wird ein Hr. Bayer genannt.
  • Obwohl die Lehrer des Amtes Wehen bereits 1867 auf den König von Preußen vereidigt wurden, musste dieser Eid in 1868 noch einmal wiederholt werden.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 105)
  • Am 21. September hält der 76jährige Kirchenrat Ludwig Schmidtborn in seiner Eigenschaft als königlich preußischer Schulinspektor die Herbstprüfung in StM ab. Es war zugleich die letzte Herbstprüfung, denn die preußische Regierung schaffte diese nassauische Überlieferung ab und beschränkt sich auf die Frühlingsprüfung.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 100)
  • Pfarrer Schmidtborn erkrankt an einem bösartigen Rücken- oder Nackentumor und kann erst nach 16 Wochen wieder Gottesdienst abhalten.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 100)

1869

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Ereignisse

  • Für eine Brand in StM. am 11. Dez. muss die Brand-Assecuranz 45 Thaler bezahlen
    (Amtblatt der Regierung in Wiesbaden / S. 81 / 1870)
  • Pfarrer Schmidtborn hält nach langer Krankheit (16 Wochen) am 07. März erstmalig wieder einen Gottesdienst.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 100)
  • Der Berginspector Card Ludwig Münster erhält die Schürfrechte für die Zechen Berthazeche und Fritz auf den Gebieten von StM, StT und Hennethal.
    (Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, 1869)
    Siehe auch unter Die Zechen Bertha und Fritz

1870

Pfarrer: Ludwig Schmidtborn; R. Osterloh (Vikar) / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Statistik

Schülerzahl: 91

Ereignisse

  • Pfarrer Schmidtborn wird von einem leichten Hirnschlag getroffen infolge dessen er seine Sprache und Sprachfertigkeit fast gänzlich verliert und wird nach 55 Jahren Seelsorgerschaft in StM pensioniert.
    (Strinzer Chonik, Teil 1, Seite 100 / Schulchronik)
  • Nachfolger von Pfarrer Schmidtborn wird der "altpreußische Pfarrkandidat" Rudolf Osterloh aus Hohlstedt, Bezirk Merseburg.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 100)
  • Mittwoch den 9. März, Nachmittags 3Uhr wird das Wohnhaus und ein Acker der Wittwe des Johann Philipp Hies zu 450 fl (Gulden) taxiert auf Klage der Gemeinde Biebrich-Moßbach in der Rathausstube zu Strinz-Margarethä zum zweiten Mal meistbietend versteigert.
    (Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, Seite 44, 1870)
  • Strinz-Margarethä stellt 7 Soldaten für den Deutsch-Krieg. Es sind: August Weidnau (dieser hat als Kavallerist einmal die Seine durchschwommen), Karl Schneider, Karl Rücker, Friedrich Hankammer und die 3 Brüder Heinrich, Adolf und August Christmann. Allerdings ging Heinrich Christmann, der, wie Karl Schneider auch schon 1866 eingezogen war, wohl über die Grenze, nahm aber nicht an Kriegshandlungen teil. Dagegen wurde sein Bruder Adolf bei Wörth verwundet. August Christmann hat nach Ausweis des Militärpasses in einem Dutzend Schlachten (darunter Weißenburg, Wörth, Sedan, Orleans) mitgekämpft.
    (Strinzer Chronik)
    Auch August Schaus aus StM nimmt an der ersten Schlacht bei Weißenburg teil und wird dort verwundet.
    (Geschichte des Fuiselier-Regiments von Gersdorff Nr. 80, 1913)
    Siehe auch unter: Halsdurchschuß
  • Am 1. Oktober, morgens 9 Uhr, wird das Wohnhaus und das Feldgut zur Concursmasse der Wittwe des Johann Philipp Baum von StM gehörig und zu 2.500 fl taxiert, in der Rathausstube zu StM versteigert.
    (Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, Seite 247, 1870)
Deutsche Truppen vor Paris (Wikipedia)
Deutsche Truppen vor Paris (Wikipedia)

1871

Pfarrer: R. Osterloh (Vikar); E. Doerr / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Statistik

Einwohner: 397

Schülerzahl: 92

(Strinzer Chronik)

Ereignisse

  • Neubau einer Schule an der selben Stelle neben der Kirche, wo die alte Schule stand.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 120)

Siehe auch unter: Die neue Schule

  • Geburtstagsfeier zum 75jährigen Geburtstag von des deutschen Königs uns Kaisers.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 107)

Siehe auch unter: Patriotische Feiern

  • Friedensfeier zum Friede zwischen Frankreich und Deutschland.
    (Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 107)

Siehe auch unter: Patriotische Feiern

  • Über das Vermögen des Johann Friedrich Klein aus StM ist ein Concursprozeß rechtskräftig erkannt. Ansprüche die auf persönlichen oder dinglichen Rechten beruhen sind bis zum 04.04. um 9:00 zu stellen.
    (Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden/ Pkt 968 und 682 / 1871)
  • Am Dienstag den 6. Juni, Morgens 10 Uhr, wird das zur Concursmasse des Johann Friedrich Klein gehörende Wohnhaus und Feldgut, zu 3118 Gulden taxiert, in dem Gemeindezimmer zu StM. zum erstenmale meistbietend versteigert.
    (Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden/ Pkt 968 und 682 / 1871)

Wahlen

Reichstagswahl

DFP = 94 Stimmen / Z = 5 Stimmen / NL = 6 Stimmen

(Die Hessen als Reichstagswähler / 1990)

Kirchensiegel
Kirchensiegel

1872

Pfarrer: E. Doerr / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Statistik

Schülerzahl: 90

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 115)

Ereignisse

Am 19. August wird das Wohnhaus der Concursmasse des Christian Diefenbach in der Rathausstube derselbst zum erstenmal versteigert.

(Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, Seite 272, 1872)

1873

Pfarrer: E. Doerr / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Statistik

Schülerzahl: 90

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 115)

Ereignisse

Turnen wird Pflichtfach in der Strinzer Schule. Turngeräte werden im Laufe des Jahres hergestellt.
(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 115)

1874

Pfarrer: E. Doerr; Fr. G. Grünschlag / Bürgermeister: Georg Hanson / Lehrer: Philipp Ferger

Statistik

Schülerzahl: 93

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 115)

Ereignisse

  • Neuer Pfarrer wird der ehemalige Volksschullehrer Fr. G. Grünschlag.
    (Strinzer Chronik)
  • Feuer im Gebäude des Fr. Baum.
    (Strinzer Chronik)

Wahlen

Reichstagswahl

DFP = 96 Stimmen

(Die Hessen als Reichstagswähler / 1990)

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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