Das Holzmachen und Beginn der Wiederaufforstung

 

Eine ordentliche und sinnvolle Waldbewirtschaftung nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit, wie sie seit Jahrzehnten gepflegt wurde, war für das Jahrzehnt nach 1945 völlig aus den Fugen geraten. Die großen Kahlschlagflächen konnten zunächst nicht wieder aufgeforstet werden, sie wurden ganz schnell von wildem Himbeer- und Brombeergestrüpp und anderen Wildpflanzen  überzogen. Die gute Seite daran war, dass in der Reifezeit ganze Familien, meist Frauen und Kinder kiloweise die Früchte ernten konnten, zur eigenen Versorgung, aber auch zum Verkauf oder Tausch  auf dem „Schwarzmarkt“ in Wiesbaden, den man nur zu Fuß, mit einem alten Fahrrad, oder mit der Bahn vom Bahnhof Hahn/Wehen erreichen konnte. Einige Bürger, die sich eine dieser schweren Motorsägen beschafft hatten, zu deren Bedienung zwei Mann nötig waren, machten sich daran die 60 bis 70 cm hohen Wurzelstöcke nachzuschneiden, um so von den Kahlschlägen noch  wertvolles Brennholz zu erwerben. Der reguläre Holzeinschlag in den Monaten November bis März wurde zunehmend zum Problem, da es mehr Anwärter (Holzmääscher) gab, als man tatsächlich beschäftigen konnte. Mangels anderer Erwerbsquellen und ohne Arbeitsmöglichkeiten im Handwerk oder der Landwirtschaft, war die Zahl der Bewerber riesengroß, sie wollten alle etwas Geld verdienen und auch vor allem krankenversichert sein.  Sie waren alle Bürger der Gemeinde und hatten somit gleichermaßen Anspruch darauf von dem Arbeitgeber Gemeinde beschäftigt zu werden.

Der Gemeinderat musste dazu eine Lösung finden und so wurde beschlossen, dass die Anwärter aus einer Bauernfamilie, die ein Pferd hatte nicht berücksichtigt wurden, denn man ging davon aus, dass die Familie den Verzicht verkraften konnte, während andere Bewerber nicht wussten, wie sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie bestreiten sollten. Doch der Besitz eines Pferdes war kein Privileg dafür um auf Geld, das man in dem „reichen Holzwald“  -wie das damals hieß-  verzichten zu können. Es war also nicht die beste Lösung, aber welche anderen Kriterien hätte man zugrunde legen sollen. In der Folgezeit führte sie jedoch zu erheblichem Ärger in der Dorfgemeinschaft.  Nachdem 1948 auf kommunaler Ebene wieder Wahlen stattgefunden hatten, mit der Wahl einer neuen Gemeindevertretung und eines neuen Bürgermeisters hat man es als dringend nötig erachtet, versäumte Arbeiten in der Gemeinde, in Feld, Wald und Flur, aber auch im Dorf selbst, schnellstmöglich nachzuholen.

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

Über die Suchfunktion können Sie direkt nach Jahreszahlen oder Ereignissen suchen.

Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

StM in Google-Map