Der "schlaue" Holzdiebstahl

 

Ende der vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, als infolge des verheerenden Krieges, der

Deutschland in unvorstellbare Not gebracht hatte, an allem Mangel herrschte, war Holz aus unseren Wäldern  Gold  wert. Holz war das einzige Brennmaterial, das den  Menschen zur Verfügung stand. Dennoch sehr begrenzt, weil es der Zwangsbewirtschaftung unterlag, mit der Raubbau an den Wäldern verhindert werden sollte, denn die Waldbesitzer, größtenteils Gemeinden und der Staat, waren verpflichtet, auch die Städte und die Flüchtlingslager mit großen Mengen Brennholz zu versorgen.  Die Zuteilungsquoten mussten von der Gemeindeverwaltung  vollzogen und kontrolliert werden. Den Familien wurde das Brennholz nach der Anzahl der Familienmitglieder  zugeteilt, darüber hinaus gab es noch „Wellen“ und  den „Schlagabraum“ in Selbstwerbung.

 

Da es weder Benzin, noch Dieselöl gab, außer den Zuteilungen für die Landwirtschaft, die Feuerwehr und sondergenehmigte Pkw`s ,  z. B für den Landarzt, wurden die Lkw`s  mit dem Holzvergaser betrieben, der ebenfalls Holz verschlungen hat. Für eine Betriebsstunde wurden mehr als 75 kg Holz verbraucht,  das dem Fuhrunternehmer(für das Milchauto) ebenfalls zugeteilt wurde. Man kann sich leicht vorstellen, dass in allen Bereichen die Zuteilungen nicht ausreichten, um den „tatsächlichen Bedarf“ zu decken. Wer im Winter nicht frieren wollte musste sich zusätzlich Brennmaterial beschaffen. Der Fuhrunternehmer musste von seinen Auftraggebern zusätzlich Holz verlangen, d.h. woher nehmen und nicht stehlen?  Die Transportaufträge waren so umfangreich, dass die Holzvergaser- Lkw`s  Tag und Nacht unterwegs waren.

 

In den Wintermonaten wurde das Holz im Wald gefällt, bis zu 60 Holzfäller waren damit von Mitte November bis März beschäftigt. Das Brennholz wurde nach Güte sortiert und in Raummetern gestapelt in 1, 2, 3, oder 4 m Stößen, an der Stelle, wo man den Baum zerlegt hatte. Die Qualität wurde unterschieden in Scheidholz (einmal gespalten), in Knüppelholz und Reißerknüppel, letztere in unregelmäßiger Länge. Das Holz fällen wurde im Akkord entlohnt und meist von sogenannten „Rotten“ zu 4 oder auch mehreren  Holzfällern ausgeführt, alles Bürger, die froh waren in den Wintermonaten etwas verdienen zu können, aber auch um kranken- und rentenversichert zu sein.

 

Schon wegen der Akkordentlohnung war es nötig, dass jeder Holzstoß nummeriert und registriert wurde, aber natürlich auch für die spätere Verteilung. Diese Aufgabe oblag dem Haumeister, der fortlaufend jedem Holzstoß mit dem Nummerierknüppel und schwarzer Farbe die Nummer einschlug und in einem dafür vorgesehenen Buch nach Qualitätsmerkmalen notierte. Bis zum Ende der Fällperiode waren das viele Hundert Holzstöße, die im Frühjahr bei trockenem Wetter zur Abfuhr freigegeben wurden. Dabei stellte sich heraus, dass eine ganze Reihe fortlaufender Nummern nicht da saßen, wo sie in der Reihenfolge der Nummerierung hätten sitzen müssen. Was war passiert, wie wollte man das klären?  So kam der Gemeinderat auf die Idee, den Schullehrer mit seinen Schülern in den „Holzwald“ zu schicken, um alle Holzstöße und ihre Nummern zu überprüfen. Das bereits abgefahrene Holz hat man im Dorf zu überprüfen versucht, ob das aber entsprechend erfolgreich war, blieb ungewiss. Man hatte jedoch  „herausgefunden“, dass immer ganze Zehnerreihen der fortlaufenden  Nummerierung fehlten.  Hatten Diebe sich das zunutze gemacht, um es nicht als Diebstahl  erscheinen zu lassen? Das ist wohl anzunehmen! Es mangelte jedoch nicht an Ausreden, denn es wurde auch vermutet, dass der Haumeister falsch nummeriert haben könnte, das der Nummerierknüppel  nicht in Ordnung gewesen sein könnte, ohne das er es gemerkt hätte.

 

Da Diebe nicht gefunden wurden, hat man die Sache nicht weiter verfolgt. Ein unguter „Geschmack“ blieb jedoch im Raum. Wenn es Diebe waren, konnten sie zufrieden sein  und der Gemeinderat auch??? Das „abhanden“ gekommene wertvolle Brennholz machte schätzungsweise 10 % des regulären jährlichen Holzeinschlags aus. Warum die Diebe nicht gefunden werden  konnten bleibt Spekulation. Es wurden allerlei Gerüchte in Umlauf gebracht, die vermutlich alle mit Bedacht an der Wahrheit vorbei gingen. Einige hatten sicher ihren Spaß dabei.

Es fiel allerdings später auf, dass die „Holzmaschin“ an einigen Stellen  tagelang Holz kleinzuschneiden hatte, was sehr ungewöhnlich war.

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

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