Kahlschlag zur Versorgung der Flüchtlingslager und Städte

 

Bemerkenswert ist, dass  in den Jahren 1946/47 und 1948/49 aufgrund von Anordnungen der Militärverwaltung  der Amerikaner in der amerikanischen Zone die Waldeigentümer – vorwiegend die Gemeinden, Städte und der Staat (Land) -  zur Versorgung der Stadtbevölkerung und  der Flüchtlingslager, große Mengen Brennholz abgeben mussten.  Die ausgewählten Flächen wurden im Kahlschlag abgeholzt. Dazu hatte die Militärverwaltung ehemalige Zwangsarbeiter - meist Polen -  die noch nicht wieder zurückkehren konnten, mit schweren Motorsägen ausgestattet.  Die Buchen, Hainbuchen und Eichen wurden einfach ca. 60 – 70 cm über dem Boden abgesägt, leicht entastet und mit großen dreiachser Lkw`s  der amerikanischen Armee  abtransportiert. Sowohl die Beschlagnahme der Waldflächen als auch die unsachgemäße und wilde Abholzung  empörte die Bürger. „Unser guter Wald wird einfach von den Amis abgemacht“. Das wollte man nicht so einfach hinnehmen. „Wer war daran schuld und was machen die mit unserm Holz“.  Was damit gemacht wurde konnte jeder, der es wissen  wollte  nachvollziehen. Die vielen tausend Menschen die in der näheren Umgebung noch in Lagern lebten (z.B.  Lager Bleidenstadt Lager Michelbacher Hütte und andere) wären erfroren und verhungert wenn nicht durch strikte Maßnahmen der Militärverwaltung die Versorgung gesichert worden wäre. Die zivilen Strukturen wären dazu nicht in der Lage gewesen, aus vielerlei Gründen.       

 

Allein für Transporte von Gütern aller Art war noch das Pferdefuhrwerk und das Kuhgespann übrig geblieben und das mit Einschränkungen, denn selbst die eisenbereiften Bauernwagen  waren wegen der in der Kriegszeit vernachlässigten Reparaturen für größere Strecken nicht geeignet. Aber auch gute Zugtiere waren nicht ausreichend vorhanden. Die guten Pferde waren für den Krieg eingezogen und nicht mehr zurückgekommen.

 

Nur sehr eingeschränkt konnten die Städte mit Brennmaterial versorgt werden, denn der Schiffsverkehr auf dem Rhein war wegen der quer liegenden eingestürzten Brücken nicht möglich und der Bahnverkehr war ebenso auf eine minimale Transportleistung geschrumpft, so dass Kohle aus dem Ruhrgebiet nicht in ausreichenden Mengen verfügbar war. Umso mehr war ein regelrechter Kampf um das Brennholz aus unseren Wäldern entbrannt, denn es wurden darüber hinaus auch große Mengen Bauholz für den Wiederaufbau und große Mengen Grubenholz für den Bergbau gebraucht  sowie Industrieholz, wie z.B. zur Papierproduktion.  Mit den ja vorhandenen Strukturen der Zwangsbewirtschaftung und  der Kontingentierung war es möglich den vorherrschenden Mangel einigermaßen gerecht zu verteilen  Davon unberührt blühte der Schwarzmarkt zum Vorteil von Wenigen auf Kosten Vieler. Die sogenannte „Schrottelzeit“ war sehr ausgeprägt und wurde erst mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 mehr und mehr zurückgedrängt.  Die in der Folge in den drei westlichen Besatzungszonen (in Triezonesien) eingeführte „soziale Marktwirtschaft“ brachte für die Mehrheit der Bevölkerung große Erleichterungen mit sich und Mitte der fünfziger Jahre sogar das sogenannte „Wirtschaftswunder“ im westlichen Deutschland.

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

 

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