Wiederaufforstung

 

Die Wiederaufforstung der schwr in Anspruch genommenen Wälder hat sich über ein weiteres Jahrzehnt hingezogen. Zunächst wurden die Kahlschlagflächen bis auf den blanken Waldboden abgeräumt. Alles was  noch als Brennmaterial verwertet werden konnte, wurde in großen und kleinen „Wellen“ zusammengebunden, z.T. noch in „Witt“ – das sind junge Buchen, die man dem üppigen Aufwuchs entnommen ,  in Wasser geweicht und anschließend gedreht hat- als Ersatz für Strick  und Kordel an dem es gemangelt hat.  Der Wald war regelrecht leergefegt, auch trocken gefallene junge Buchen  von 10–12 Meter Höhe hat man um gedrückt, in der Mitte geteilt und auf der Schulter heimgetragen.  Zur Wiederaufforstung der Kahlflächen waren natürlich riesige Mengen an jungen Pflanzen nötig, die in den  eigens dafür erweiterten gemeindeeigenen Pflanzenschulen und neu angelegten Anzuchtflächen  herangezogen wurden. So konnten Anfang der fünfziger Jahre ca. 350.000 bis 400.000 junge Fichten- und Kiefernpflanzen entnommen werden für die Neubepflanzung. Die Arbeiten in der Pflanzenschule und im Pflanzenwald war Frauensache. Etwa 12 bis 15 Frauen gingen mehrere Monate im Jahr in die „Planzeschul“  und in „de Planzewald“ . Der Stundenlohn für Frauen lag damals bei 50 Pfennig, der für Männer, die bei der Pflanzung mit der Hacke die Pflanzlöcher machten, bei 70 Pfennig.  Die Pflanzung erfolgte mit einem Reihenabstand von einem Meter und in der Reihe ebenfalls von einem Meter, sodass je Hektar 10.000 Pflanzen gebraucht wurden, die dank der sorgfältigen Pflanzung und der nachfolgenden Pflege durch Freischneiden und dem Teeren gegen Wildverbiss fast zu 100 % aufgewachsen sind.  Die damals kahl geschlagenen Flächen sind heute noch an dem neu herangewachsenen Bestand zu erkennen, vor allem rechts und links vom „Neuen Weg“ , am Hennethaler Weg, wo durch eine Luftmine eine Kahlfläche entstanden war und  Teilflächen auf dem Geröms, die nach dem  Schneebruch im Mai 1936 kahl geschlagen wurden.   

 

So wie der „Pflanzenwald“  Frauensache war,  war der  „Holzwald“  Männersache, denn das Fällen und Aufarbeiten der Bäume war damals Schwerstarbeit. Die Arbeitsgeräte waren  Drumsäge, Bügelsäge, Axt, Spalthammer, Keile und Schlegel, Wendering, Ablängmaß mit Reißhaken, Feilen und Schränkeisen, Schäleisen und Schnitzmesser. Der gefällte Baum, meist Buche und Eiche, wurden zerlegt in den astfreien, höherwertigen Stamm, dann in Meterstücke zu Brennholz und in Reißerknüppel. Das alles war Handarbeit mit Säge und Axt. Aus minderwertigeren Stämmen wurde Papierholz/ Faserholz, zerlegt In Meterstücke und einmal gespalten oder auch höherwertiges Brennholz.  Buchenfaserholz musste mit dem Schnitzmesser entrindet werden. Fichte- und Kiefernstammholz wurde  mit dem Schälmesser entrindet, das war Knochenarbeit.  Fichtenstammholz wurde in der Regel als Bauholz verwendet, während Fichtenstangen in der Klassifizierung  I  - III, ebenfalls geschält, von 2 Mann auf der Schulter an den befahrbaren Weg  gerückt und gestapelt wurden. Sie wurden meist als Gerüststangen im Baugewerbe gebraucht. Das Stammholz wurde meist im Frühjahr bei trockenem Wetter mit dem Pferd an den befahrbaren Weg gerückt, desgleichen auch große Mengen „Grubenholz“ , Buchen und Eichen, die zum Abstützen in die  Kohle- und Erzbergwerke gingen. Brennholz und Faserholz wurden in Raummeter zu 1.2.3 oder 4 Meter gestapelt, an mit dem Fuhrwerk abfahrbereiter Stelle. Auch hierbei musste viel getragen werden, ebenfalls Knochenarbeit. Nur mit Galgenhumor war der oft übliche Spruch zu verstehen „Wer abends nicht müde ist, der ist selber schuld“.

 

Der Arbeitstag hatte gut 8 Std., plus Hin- und Rückweg zu Fuß, das waren oft 3 – 5 km. In den Monaten Nov. bis Febr. ging man im Dunkeln von zu Hause weg und kam im Dunkeln wieder heim. Der harte Arbeitstag wurde pünktlich um 12.00 Uhr unterbrochen von der Mittagspause, zu der die Frauen und Mütter der „Holzmäscher“ das warme Essen in den „Holzwald“ brachten, frei Arbeitsplatz, wobei man sich an einem rechtzeitig angemachten Feuer wärmte und etwas entspannen konnte. Allerdings wurde das „Essentragen“ mit der Zeit wieder abgeschafft.  

 

Diese harten Zeiten haben sich erst in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre geändert, als in Folge des „Wirtschaftswunders“  und  besserer Verkehrsmöglichkeiten, sich neue Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten eröffneten. Infolge des technischen Fortschritts gab es auf allen Ebenen

Arbeitserleichterungen. Sowohl im „Pflanzen- wie im „Holzwald“ waren die Arbeitsplätze auf ein Minimum  geschrumpft.

 

Die harten Zeiten waren endgültig vorbei!!

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

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