Wiedereinführung des Frondienstes

 

Da für eine gute Entlohnung dieser Arbeiten kein Geld zur Verfügung stand  machte man sich den „Frondienst“ zu Nutze, d.h., dass alle Haushaltungen und die Bauern zu „Hand- und Spanndiensten“ herangezogen wurden. Die Bauern, die ein Pferd hatten, mussten sogenannte „Spanndienste mit ihrem Fuhrwerk leisten, während der „Haushaltsvorstand“ der übrigen  Familien   mit Hacke und Schaufel  (Hack un Schipp) arbeiten musste. Haushaltsvorständen der Evakuierten und z.T. auch der Flüchtlingsfamilien fiel diese  Arbeit besonders schwer, da viele noch nie mit Hack un Schipp geschafft hatten und vielfach auch den Sinn der Arbeiten nicht erkennen konnten.

 

Eine besondere Herausforderung  kam auf  die  Frondienst leistenden zu, als das Brennholz für die Schule und die Kirche aus dem „Holzwald“ angefahren wurde. Mehr als 40 Fuhren bestes Scheidholz sollten, wie das bisher üblich war, etwa je zur Hälfte auf dem alten Schulhof und hinter dem Pfarrhaus, da wo heute das Ehrenmal steht, abgeladen werden. Es kam aber anders, denn offenbar  hatten sich die Fuhrleute dahingehend  geeinigt, das gesamte Brennholz unten in der Scheidertalstraße, bei der Kirchentreppe zu entladen, worüber sich zunächst niemand wunderte.

 

Vielleicht wollte man es ja später hochfahren. Aber weit gefehlt, sollten es doch die Frondienstler die Treppe hoch tragen. Die Fuhrleute (Spanndienstleistenden) hatten die Ausrede: „ de Parre leid`s nit, dess mir do nuffer  fohrn“.  Diese Ausrede ist insofern nicht glaubwürdig, dass der Kirchenvorstand  darüber zu befinden hat, ob die Fuhrleute die Auffahrt benutzen können oder nicht. Als im Dorf bekannt wurde, dass die Frondienstler gezwungen werden sollen ca. 60 – 70 Raummeter Holz die Kirchentreppe hoch zu tragen,  nur weil  es „de Parre nit leid“ das man es mit dem Fuhrwerk hochfährt, wie man weiterhin fest und steif behauptet hat, waren die Betroffenen empört und wütend. Das waren mittelalterliche Methoden und eine Schande, wie man die Leute drangsalierte.

 

War es vielleicht „Rache“ dafür, dass  einer, der ein  Pferd hatte, nicht beim Holzmachen etwas verdienen konnte?  Das wahre Motiv war leider nicht aufzuspüren, man hielt fest zusammen und

blieb dabei, dass es „de Parre nit leid“. Eine Stellungnahme des Pfarrers ist nicht bekannt.  Bei den  damaligen Abhängigkeiten und sicher um sich vor „Schimmerem“ zu schützen, haben die Frondienstpflichtigen das gesamte Holz die Treppen hochgeschleppt. Vermutlich um sich etwas „Luft“ zu verschaffen, konnten man später in 40 cm großen weißen Buchstaben an Deusers  Mauer den Spruch lesen:  „Lieber tot als Sklave“. Damit kam das „gesunde Volksempfinden“ zum Ausdruck und eine Protesthaltung gegen die in der Nazizeit üblichen Schikanen, gegen die man sich, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, damals nicht wehren konnte. Erste vage  Anzeichen dafür, dass sich die Menschen nicht mehr unterdrücken lassen wollten. Die Lebensumstände waren schlimm genug, sodass  solche Quälereien, die man den Leuten abverlangte, völlig unmenschlich waren. Es war jedoch kein Einzelfall, wie man damals die Menschen, die sich nicht wehren konnten, behandelt hat. Bei Arbeiten in der Landwirtschaft und auf Baustellen waren solche Quälereien zu beobachten, es herrschte allgemein ein unmenschliches Verhalten von denen die Macht und Einfluss hatten, gegenüber denen die wenig oder  nicht in den entsprechenden Kreisen eingebunden waren.

Der menschenverachtende Geist der gerade zu Ende gegangenen Epoche lebte überall wieder auf und war im Alltag vieler Menschen deutlich spürbar.

 

Ein Beitrag von Helmut Hartwig

Aus dem Schellenbuch

Am 20.07.1948 wurde per Schelle (Glocke) folgendes verkündet:

 

"Heute Mittag geht es wieder hinaus, Wege machen. Da soll jeder wieder vorher auf die Bürgermeisterei kommen. Um Unklarheiten zu begegnen, daß einzelne Leute, welche bei der  Verlesung der Namen in der Gemeindeversammlung am 16.07.48 vergessen sein sollten, nicht davon betroffen wären, Frondienst zu leisten, wird hiermit richtig gestellt, dass ohne Ausnahme jeder selbständige Haushalt der eine männliche Kraft besitzt für einen Tag Arbeitsleistung verpflichtet ist. Zusätzlich für jeden Hektar einen halben Tag. Jeder angefangene halbe Hektar ist frei. Genaueren Bescheid erhält jeder in Kürze schriftlich.
Wer sich körperlich nicht dazu in der Lage fühlt, kann einen schriftlichen Antrag an die Gemeindevertretung auf Befreiung bis Sonntag den 25ten auf der Bürgermeisterei abgeben."

Befreiung vom Frondienst

Aufgrund des oben dargestellten Aufrufes, wurde nachfolgender Befreiungsantrag an die Gemeinde gerichtet:

ÜBERSETZUNG:

 ___________________________________

                                                                           Strinzmargarethä den 22.07.1948

Erklärung!

 

Ich bitte den Herrn Bürgermeister mich von

der Gemeinde-Frohn zu entheben, da ich alt

und krank bin, u. auch das Geld für den even-

tuell zu stellenden Ersatzmann nicht zahlen

kann, da ich mir nur von meiner Rente

den Lebensunterhalt bestreiten kann und

mir andere Erwerbsquellen nicht zufließen.

 

                                                                                                     Achtungsvoll

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