Der 1. Weltkrieg wurde einer der Kriege,

in dem die Technologie eine bisher noch 

nicht dagewesene Rolle spielen sollte. Noch 

nie wurden für einen Krieg so viele Geschütze

gebaut. Noch nie so viele Granaten ver-

schossen. Je länger der Krieg dauert, desto 

wertvoller wird die Ressource Metall. Irgendwann

werden dann die Glocken der Kirchen zu 

einem begehrten Gut und müssen abgebaut

werden, egal wie alt und wertvoll sie sind.

Die Glocke muss gehen

In der Strinzer Kirche gab es zwei Glocken.

Die große Glocke

Die im Jahre 1609 von Johann Klapperbach/Mainz gegossene Glocke wog 653 Kilogramm; nach früherer Berechnungen waren nur 600 kg angenommen. Sie war von den Gemeindemitgliedern wegen ihres vollen, weitreichenden Klanges sehr ins Herz geschlossen und wäre gerne zurückgehalten worden; aber diesbezügliche Bemühungen bleiben ohne Erfolg. Das Wohl des Vaterlandes überwog die Wünsche der Gemeindemitglieder.

(Evangelischer Kirchenbote für den Synodalkreis Kirberg, Nr. 2, September 1917)

Die  kleine Glocke

Die Glocke wurde wohl Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhundert (andere Quelle berichten auch vom 14. Jahrhundert) von einem Vigand Kalwort gebaut. Sie wog ca. 200 kg und hatte einen Durchmesser von 70 cm. Auf der Schulter der Glocke war eine umlaufende Inschrift, wahrscheinlich in frühhomanistischer Kapitalis eingeschlagen. Sie lautet: IN DER EIR GOTTES LUDEN ICH VIGAND KALWORT GOS

(Inschriften des Rheingau-Taunus-Kreises / 1997) 

Diese kleine Glocke war bei den Gemeindemitgliedern nicht sehr beliebt. Ihr Ton sei schwach und spricht nicht an. Diese wäre von den Gemeindemitgliedern viel lieber geopfert worden, aber sie soll besonderen Denkmalswert besitzen.

(Evangelischer Kirchenbote für den Synodalkreis Kirberg, Nr. 2, September 1917)

Was mit dieser Glocke geschah, ist bis dato nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde Sie später - im 2. Weltkrieg - geopfert.

(Red.)

Die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge

08. Juli 1917

18:00, Sitzung wegen der großen Glocken (Red.: StM und Niederlibbach), die an die Heeresverwaltung abgegeben werden müssen.

(Strinzer Chronik, Teil 2, Seite 18, Kirchenchronik) 

 

13. Juli 1917

Nachmittags Gang zum Landratsamt Langeschwalbach wegen der großen Glocken. Die Gemeindemitglieder wollen dieselben nicht fortlassen. Abschlägiger Bescheid.

(Strinzer Chronik, Teil 2, Seite 18, Kirchenchronik) 

 

14. Juli 1917
Herr Bürgermeister August Schmidt geht auch noch einmal wegen der großen Glocken nach Langenschwalbach: Wieder abschlägiger Bescheid.

(Strinzer Chronik, Teil 2, Seite 18, Kirchenchronik)

 

15. Juli 1917
Die beiden großen Glocken heute zum letzten Mal zum Gottesdienst geläutet.
Abends 20:00 Uhr Geläut mit beiden Glocken zum Abschied für 15 min.

(Evangelischer Kirchenbote für den Synodalkreis Kirberg, Nr. 2, September 1917)

(Strinzer Chronik, Teil 2, Seite 18, Kirchenchronik)

 

16. Juli 1917
Schmied Wilhelm Klein mit Geselle und Zimmermann Karl Schäfer bauen Morgens die großen Glocken aus.

(Strinzer Chronik, Teil 2, Seite 18, Kirchenchronik)

 

17. Juli 1917
Die beschlagnahmte Glocken des Kirchspiels gelangen am 17. Juli 1917 zur Ablieferung; die Strinzer Glocke in zertrümmerten Zustand.

Von einem Ersatz der Glocken soll nach Beschluß der kirchlichen Gemeindeorgane vorläufig abgesehen werden, bis der Friede wieder Einkehr gehalten hat und dann die Verhältnisse besser überschaut werden können.

(Evangelischer Kirchenbote für den Synodalkreis Kirberg, Nr. 2, September 1917)

 

28. Juli 1917

Unter dem 28. Juli 1917 übersandte das königliche Landratsamt zu Langenschwalbach den Scheck für die Strinzer Glocke. Es waren 2.938,50 Mk. notiert. Der Betrag wurde der Direktion der Landesbank zu Wiesbaden für die neue (7.) Kriegsanleihe überwiesen. Bis zur Anlage auf Kriegsanleihe wird das Kapital mit 4 1/2 Prozent verzinst.

(Evangelischer Kirchenbote für den Synodalkreis Kirberg, Nr. 4, November 1917)

Die neue Glocke

Die Strinzer Glocke wurde im Jahre 1921 durch eine neue Glocke ersetzt. Aber auch Sie muss in einigen Jahren wieder - einem neuen Krieg - weichen.

15. Mai 1921

Weihe der neuen Glocke am 15. Mai, 1. Pfingstfeiertag.

(Programm zur Glockenweihe / Archiv der Gemeinde Hohenstein)

 

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Die Strinzer Fahne
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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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