"Hier stehe ich am Ehrenmal der gefallenen Strinzer. Als erster Gefallener ist Adolf Christmann vermerkt. Hier könnt Ihr lesen, unter welchen Umständen er ums Leben gekommen ist"

Tod am Mont Tetu

Adolf Christmann
Adolf Christmann

Höhe 191, eine schnöde Bezeichnung für einen Berg in Frankreich, der zur Todesfalle für den Strinzer Soldaten Adolf Christmann werden soll.

 

03. Februar 1915, irgendwo in Frankreich, genauer gesagt, irgendwo bei Massiges. Die 5. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 80 steht bereit, um einen Hügel zu erstürmen, der die höchste Erhebung der „Hand von Massiges“ darstellt, den, wie die Deutschen ihn nennen „Kanonenberg“. Die Franzosen nennen ihn "Mont Tetu". Dieser Hügel gilt als strategisch wichtig, da man von ihm aus das nähere Umland bestens einsehen kann.

Lage von Massiges
Lage von Massiges
Der Mont Tetu
Der Mont Tetu

Noch wird die Höhe 191 von französischen Truppen besetzt. Doch man will die Höhe nicht einfach so erstürmen. Die militärische Führung hat sich vorgenommen, vor dem Sturm, die Franzosen im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft zu jagen. Dazu werden 6 Stollen in den Berg - bis unter die gegnerischen Linien - getrieben. Es sollten aber später nur 4 Stollen zur Sprengung gebracht werden. Die Franzosen wissen von den Grabungen und können einen Stollen durch innere Sprengung vorzeitig zerstören. Ein anderer Stollen wird durch die Deutschen gesprengt, um einen darunterliegenden französischen Stollen abzuquetschen. Nach Fertigstellung der Stollen werden diese in mehreren Nächten mit insgesamt 300 Zentner Schwarzpulver und Dynamit gefüllt. Am 01. Februar 1915 sind die Stollen sprengfertig.

 

Um 06:00 Uhr in der früh beginnt die deutschen Artillerie die französische Befestigungslinie konzentriert mit Haubitzen, Feldkanonen und schweren Mienenwerfern zu beschießen.

 

Ab 11:50 wird das Feuer noch einmal verstärkt.

Foto einer Tunnelsprengung
Foto einer Tunnelsprengung

Genau um 12:00 Uhr werden die Sprengladungen in den Stollen gezündet und jagen eine Staubwolke aus Kreide, Sand und Ton in eine Höhe von bis zu 100 m. Die Erde wird erschüttert wie bei einem Vulkanausbruch oder einem Erdbeben. Der Himmel beginnt sich zu verdunkeln. Zurück bleiben Trichter von einer Tiefe bis zu 30 m.

Unmittelbar nach der Explosion, steigen die Deutschen aus ihren Schützengräben und beginnen mit der Erstürmung, unter Umgehung der tiefen Trichter. Die 5. Kompanie von Adolf Christmann, unter Führung von Leutnant d. L. Kilburg,  hat die Aufgabe,  auf dem rechten Flügel bis zu den äußeren Gräben auf dem Südhang der Höhe vorzurücken.

 

Viele überlebende Franzosen sind so geschockt von den Detonationen, dass sie sich ohne Gegenwehr gefangen nehmen lassen. Andere kämpfen erbittert gegen die heranstürmenden Deutschen. Am Ende erringen die Deutschen die Überhand. Um 16:00 ist die Höhe 191 fest in deutscher Hand. Von den Franzosen werden 4 Offiziere und 150 Mann gefangen genommen und viele Waffen erbeutet.

Das Vorgehen bleibt aber nicht ohne Verluste auf deutscher Seite. 3 Offiziere und 68 Mann werden getötet, darunter auch Adolf Christmann als erster gefallener Soldat des 1. Weltkrieges aus Strinz-Margarethä. Verwundet werden 7 Offiziere und 269 Mann, vermisst werden 1 Offizier und 25 Mann.

Das Schlachtfeld selbst bietet einen schrecklichen Anblick. Die meisten Schützengräben brechen unter den Druckwellen, die die Explosionen verursachen, in sich zusammen. Überall liegen Hunderte von Toten, Massen von Waffen, Ausrüstung und  Munition.

Gräber deutscher Soldaten unmittelbar am Krater
Gräber deutscher Soldaten unmittelbar am Krater
Vernehmung eine französichen Capitain nach der Schlacht
Vernehmung eine französichen Capitain nach der Schlacht

Wie sich bei einer späteren Gefangenenbefragung herausstellt, konnte aus deutscher Sicht die Zündung nicht rechtzeitiger erfolgen. Auch die Franzosen hatten ihre eigenen Sprengtunnel gegraben und fertiggestellt, die Zündung war für den Nachmittag des gleichen Tages vorgesehen.

 

In Strinz-Margarethä erfährt man erst 5 Tage später vom Tod von Adolf Christmann. Am 8. Februar 1915 vermerkt der damalige Pfarrer Schilp in der Kirchenchronik:

 

„Adolf Christmann, unser Nachbar, ist in Frankreich gefallen. Großer Jammer.“

 

Quellen: Regimentstagebuch des Reserve-Infanterie Regiments 88 / Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 80 im Weltkriege, 1914/18 /  lamaindemassiges.com / Kirchenchronik StM / Bundesarchiv Bild 146-1974-132-26A / CC-BY-SA  / Wikipedia

Die Höhe 191 war während des folgenden Kriegsverlaufes noch des öfteren Schauplatz blutiger Schlachten. Noch heute kann man den Krater von 1915 erkennen und durch die ehemaligen Schützengräben gehen.

 

Nachfolgend eine kleine französische Doku dazu:

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Lernvideo zum Umgang  
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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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