Unter französischer Besatzung

Am Ende des ersten Weltkrieges besetzten die französischen Truppen das Deutsche Reich bis zum Rhein hin. Um einen Puffer zu schaffen, besetzen Sie auch die rechtsrheinische Seite, wozu auch unsere Gemarkung gehörte.

Französische Besatzungszone nach dem 1. Weltkrieg
Französische Besatzungszone nach dem 1. Weltkrieg

Der damalige Pfarrer Schilp, der bis 1923 in StM seinen Pfarrdienst verrichtet, berichtet ausführlich in der Kirchenchronik über die Vorkommnisse in der Besatzungszeit.

Französischer Soldat (Wikipedia)
Französischer Soldat (Wikipedia)

14. Dezember 1918

Mittags trifft eine französische Besatzung von 14 Mann hier ein. Der Verkehr nach Hennethal und Stinz-Trinitatis wird verboten. Ich (Pfarrer Schilp) muss als Dolmetscher fungieren. Wir nahmen den Kommandanten der Besatzung zu uns ins Pfarrhaus; er hatte sich bei Familie Wilhelm Heiler einquartiert, um ziemlich unmittelbar bei seinen Leuten zu sein.

 

16. Dezember 1918

Abends Gespräch mit dem bei uns einquartierten französischen Offizier, Bernhard de Lanquesaine.

Sie wollen nicht unsere Freunde sein, sondern vergelten und schrieben dem Kaiser die Schuld an dem Kriege zu.

 

21. Dezember 1918

Jeden Tag muss ein Fuhrwerk von hier für die Franzosen Proviant in Wingsbach holen.

 

24. Dezember 1918

2 französische Offiziere im Gottesdienst zu Niederlibbach. Die französische Besatzung zieht morgens von StM fort, nachmittags zieht ein kleiner Zug fanzösischer Infanterie durch. Nach StM soll vorläufig keine Besatzung kommen. Die Kommandantur ist in Breithardt.

Für die über 12 Jahre alten Gemeindemitglieder werden Ausweispapiere angefertigt.

 

25. Dezember 1918

Begrüßung der heimkehrenden Krieger.

 

02. Januar 1919

Oberlibbach hat noch immer französische Besatzung. Auch Hambach hat gestern eine starke französische Besatzung bekommen.

 

04. Januar 1919

Einen Gang nach Wiesbaden und zurück mußte ich zu Fuß erledigen, weil tagsüber keine Züge fahren.

 

06. Januar 1919

Morgens von 9 ab in der Schule Personenaufnahme der Ortseinwohner durch zwei französische Offiziere.

 

21. Januar 1919

Franzosen von Wiesbaden holen hier Butter und Eier.

 

27. Januar 1919

Nachmittags halten eine Anzahl französischer Offiziere Versammlung in der Schule.

 

02. Februar 1919

Beim dem Gottesdienst in Niederlibbach sind 3 französische Offiziere zugegen. Zu Niederlibbach ist ein französisches Strafkommando - seit gestern.

 

04. Februar 1919

Morgens französische Quartiermacher da. Mittags kommen 200 Mann mit 200 Pferden. Artillerie. Bei uns wohnt der Hauptmann. Das Dorf ist voll Kanonen und Fuhrpark. Abends kommt noch ein kath. Priester und schläft bei uns.

 

05. Februar 1919

Morgens um viertel vor acht hält der Priester in unserem guten Zimmer der Straße zu Messe, zu der nur zwei Soldaten erscheinen.

 

07. Februar 1919

Unsere Tauben sind, bis auf eine, alle verschwunden.

 

09. Februar 1919

Die Franzosen sind vormittags abgezogen. Dem Kaiserbild in der Schule haben die Franzosen die Augen ausgekratzt und verschiedene Wunden gemalt.

 

14. Februar 1919

Wir müssen an die Franzosen einen jungen Hahn abgeben für 3,50 Mark. Die Franzosen bauen am Hermannsweg Verteidigungsanlagen. Sie trauen uns nicht.

 

16. Februar 1919

In Niederlibbach ist immer noch das Strafkommando.

 

20. Februar 1919

Es kommen wieder französische Mannschaften, die für morgen Einquartierung ankündigen. (Gelbe Truppen = Marokkaner).

 

21. Februar 1919

Wir bekommen 1 Offizier und 4 Pferde einquartiert. 3 Soldaten schlafen in der Scheune.

 

22. Februar 1919

Französisch katholischer Gottesdienst in der Kirche. Zu Niederlibbach sind, wie hier in StM, Marokkaner einquartiert. Das in Niederlibbach einquartierte Strafkommando ist abgezogen.

 

11. März 1919

Unser Oberleutnant,  Viktor Pavois, ein Seidenfabrikant aus Lyon geht fort nach Mainz. Nachmittags kommt ein französischer Hauptmann zu uns ins Quartier.

 

12 März 1919

Wir bekommen wieder 1 Liter Petroleum.

 

16. März 1919

Die französischen Besatzungstruppen (Marokkaner) rücken ab nach Bleidenstadt und Hahn. Ebenso von Niederlibbach und Strinz-Trinitatis.

 

1. Mai 1919

Die Maifeier ist hier von den Leuten überhaupt nicht beachtet worden.

 

23. Mai 1919

Die Franzosen haben der Gemeinde Speck geliefert. 3 Pfund per Person à 5 Mark, der mittags aufgeteilt wird.

 

29. Juni 1919

Morgens um 10 bzw. 11 Uhr Kontrollversammlung der Franzosen in Niederlibbach und StM. Abends werden die jungen Leute von dem französischen Ortskommandanten von der Schelle zur Tanzbelustigung nach Hennethal eingeladen. Die jungen Leute sind nicht hingegangen.

 

01. Juli 1919

Französische Einquartierung. Wir bekommen einen Major mit Frau und Tochter und 2 Pferden.

 

08. Juli 1919

Die Franzosen ziehen von hier nach Breithardt. Allgemeine Freude, dass sie fort sind.

 

30. Juli 1919

Die Franzosen fahren wieder Bauholz nach Niederlibbach.

 

02. August 1919

Mittags holen die Franzosen vier große Wagen voll Heu. Wir müssen 240 Pfund abgeben.

 

13. August 1919

Französische Artillerie kommt als Einquartierung.

 

16. August 1919

Das reine Franzosenleben im Dorf. Vor Bürgermeisters stehen zwei Mann Posten.

 

17. August 1919

Abends 8 Uhr wird durch die Schelle die gesamte Jugend zum Ball in Herdlings eingeladen.

 

31. August 1919

Franzosenmusik in Herdlings (Gasthaus zur Pfalz).

 

5. September 1919

Die Franzosen ziehen um Mitternacht ab.

 

5. November 1919

Von heute an ist der gesamte Personenverkehr im Land eingestellt.

 

== bis 1923 keine Eintragung mehr zur französischen Besetzung ==

 

20. Januar 1923

Das Ruhrgebiet besetzt! Die Franzosen haben gestern die Reichsbank in Wiesbaden besetzt aber alles leer vorgefunden.

 

22. Januar 1923

Mittags eilig anberaumte Holzversteigerung in StM, weil die Franzosen in anderen Orten das Holz beschlagnahmt haben (Tags zuvor in Niederlibbach).

 

29. Januar 1923

Landrat von Trothe ist bereits ausgewiesen.

 

31. Januar 1923

Es kommt gar kein Briefbote. Es heißt die Eisenbahn ginge nicht. Die Wiesbadener Zeitung wird drei Tage lang verboten.

 

23. Februar 1923

Gegen Abend gehe ich nach Wiesbaden und Erbenheim, alles zu Fuß, da die Eisenbahn wegen Streik gegen die Franzosen nicht fährt.

 

Damit enden die Aufzeichnungen von Pfarrer Schilp.

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Die Strinzer Fahne
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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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