Strinzer Zinser

In einem Buch fand ich über StM folgenden Hinweis:

"Die Zuordnung ergibt sich aus dem Vorkommen einiger hier genannter Zinser bei Strinz-Margarethä im Herbstbederegister von 1459."

 

Demnach lebten im Mittelalter in StM Zinser. Doch was sind Zinser?

Hier die Erläuterung:

 

Zinser werden auch als Zensuale oder Wachszinser bezeichnet.

Im Mittelalter gab es zunächst kaum öffentliche Sicherheitsbehörden oder eine allgemein zuständige Polizei, die verstreut angesiedelten Höfe mussten sich daher selbst um Schutz und Beistand bemühen. Dazu konnten sie sich unter Aufgabe ihres Eigentums und Freiheit freiwillig einer befestigten Stadt, einem Oberhof oder einer Klostergemeinschaft anschließen und standen so als Wachszinsige oder Klosterhörige unter meist kirchlichem Schutz. Im Fall von StM standen diese Menschen wohl unter dem Schutz des Kloster Bleidenstadt.

Als Zinser Schutz durch das Kloster Bleidenstadt
Als Zinser Schutz durch das Kloster Bleidenstadt

Sie blieben rechtlich Leibeigene, doch waren sie gegen Zinszahlung von den Auswirkungen der Leibeigenschaft (unangemessener Knechtsdienst, Schollengebundenheit) befreit. Die Rechtsqualität eines Zensualen war auch für arme Freie und entlaufene Leibeigene interessant, übernahm doch der neue Leibherr (Kirche bzw. Bischof) die Garantie und den Schutz für den neuen Status.

Als Gegenleistung für Schutz wurde als Abgabe alljährlich nur ein Zins z.B. in Form von Wachs oder Wachskerzen gefordert, der sogenannten Wachszins. Das Wachs diente im frühen Mittelalter für Schreibtafeln, das Bienenprodukt wurde hoch gehandelt. Die Wachszinsigkeit war die mildeste Art der Hörigkeit. In anderen Fällen mussten die Zinser einen Zinspfennig auf den Altar des Ortsheiligen an dessen Heiligenfest legen und ihm testamentarisch ihr bestes Stück Vieh oder ihr bestes Kleid im Todesfall vermachen.

 

Mit der Hörigkeit entgingen die Hofesleute auch der Dienstpflicht gegenüber den Territorialherren, die unter anderem im Kriegsdienst bestanden. Die Aufgabe der Freiheit schien für viele die bessere Alternative zu einem möglichen Tod in einer Fehde oder Schlacht.

 

Die Wachszinsigen oder Zensualen besaßen einen besseren Stand als die sonstigen Hofhörigen. Ihre Zahlungsverpflichtungen waren geringer und ihr sozialer Status höher, da das ganze Institut auf einem anderen Ursprung als die Hofhörigkeit basierte.

 

Das von den Zensualen erlangte freie Verfügungsrecht über die eigene Arbeitskraft war ein starkes Motiv für persönliches Streben und eine wesentliche Voraussetzung für den im 12./13. Jahrhundert entstehenden Bürgerstand.

 

Zinser überlebten das Mittelalter und die Reformation nicht. Die weltlichen Obrigkeiten fanden Mittel und Wege sie zu ihren Leibeigenen zu machen.

 

Quellen: Wikipedia / Augsburger Stadtlexicon / Das Alte Europa: Vom Hochmittelalter bis zur Moderne / Peter Blickle / mit Unterstützung des Münzforum Deutschland

 

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Die Strinzer Fahne
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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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