Wer ist Herr über Strinz?

Einigung

Am 7. Dezember 1445 werden Irrungen und Spannungen zwischen dem Abt Johan zu Bleidenstadt und seinem Konvent auf der einen und Männer zu Hohenstrinz (Margarethä) und Hinderstrintze (Trinitatis), die dort Güter und Zehnten inne haben, auf der anderen Seite beigelegt in Anwesenheit der gräflichen Brüder, der Junker Johann und Adolf von Nassau Idstein. Diese haben wohl vermittelt. Es war für sie eine günstige Gelegenheit ihren Einfluß in den betreffenden Dörfern zu vergrößern. Es wurde beschlossen und besiegelt, dass die Männer noch acht Jahre die Güter und Zehnten behalten sollten. Die Hohenstrinzer sollten wie bisher als Pacht und Gülte davon geben: dem Abt. 15 Malter Weizen, 15 Malter Korn, 1 Malter Erbsen nach Limburger und 12 Malter Hafer nach Bleidenstadter Maß und dem Kastenmeister seine Rechte. Nach Ablauf der 8 Jahre sollten der Abt und seine Nachfolger nach eigenem Willen damit umgehen können. Wenn Hagel in den Zehnten fiele, sollte der Abt benachrichtigt werden, der solle den Schaden abschätzen lassen. Bei Entstehung irgendwelcher Streitfragen, die vor Abt und dem Grafen kämen, sollte man sich vergleichen.

Erneute Bestätigung

Ein Jahr später 1446 kommt der Amtmann des Grafen Johann von Nassau-Idstein Friedrich Hilgin von Lorch nach Strinz-Margarethä. Im Schultheißenhof sind alle Strinzer, Ober- und Niederlibbacher Nachbarn (Einwohner), Alte und Junge versammelt. Der Amtmann fragt sie dort Dienstag nach Matthäustag nach den Rechten, die sein Herr in dem Kirchspiel hat. Hier wird zum ersten Male ein Strinzer Kirchspiel erwähnt. Der Amtmann appelliert an den Eid, den sie ihrem rechtmäßigen Herrn getan haben und ermahnt sie, die Wahrheit zu sagen, so wie es ihre Eltern auf sie gebracht und sie das bisher gehalten haben. Die Nachbarn zogen sich daraufhin zur Beratung zurück. Als sie wiedergekommen sind baten sie den nassauischen Schultheißen Knippen, für sie alle zu reden, wie sie ihm aufgetragen: "Unsere Eltern haben es auf uns gebracht, so haben wir es auch also bisher gehalten und wissen auch nichts anders, denn dass unser Herr Johann, Graf zu Nassau-Idstein des Vater, unser seliger Herr  und seine Eltern es auf Ihn gebracht haben, dass er ein Herr sei zu Strinz, Libbach und Libbach und dass er hat Macht zu gebieten und verbieten, dass er der einzige Gerichtsherr ist über alles, was in das Kirspel gehörig ist, dass niemand anders darinnen Gebot oder Verbot oder Herrlichkeit in dem Kirchspiel hat.

Niederschrift

Zeitgenössische Niederschrift der Ereignisse:


Anno dm. MCCCC, quadragesimo sexto vff den dinstag nach sent Matheutag hait gestanden der veste Friedrich Higin von Lorch, amptmann zur zijt junghern Johans grafen zu Nassawe, in des scholtheissen höff zu Strincze, genannt senten Margrethin Strincze, vnd hait den nachgeburen zu Strincze, Liedebach vnd Liedebach alt vnd jung  vffgegeben vff die eyde, die ir iglicher sinen rechten hern gethan habe, vnd uff die truwe, die sie wiben vnd kindern schuldig sint, vnd vff die fart, die ire sele faren musse vnd sal, wan sich sele vnd lip van ein scheydet, dass sie die warheit sagen vmbe myns junghern von Nassawe herlichkeit zu Str., wie isz ir aldern vff sie bracht vnd sie das bizher gehalten haben, vnd desz nit laissen ader auch nit anders darinne sagen, reden, ader thun, dan sich geboirt, vmbe kheine hande sachen willen, die menschen hercze erdengken mag. Also hant die nachgebur obgen. vmbe gewant vnd sich besprochen vnd beraden vnd sint wider komen ynd gebeten Knippen den scholtheiszen, dasz er von ir allerwegen rede, vnd sie in bescheyden haben, sage. Also hait Knippe geredt von ir aller wegen also. Vnser altern hant isz vff vns bracht, so han wir isz auch also biszher gehalten vnd wiszen auch nit anders, dan dasz vnszer gn. junher Johann graue zu Nassawe, herre zu Idtstein, desz vater, vnser here seliger, vnd sin altern vff in bracht vnd geerbet han, eine here sij zu Strincze, Liedebach vnd Liedebach, vnd wasz in das Kirspel gehoret, vnd habe macht zu gebieden, zu seczen und zu entseczen, vnd desz gerichts ein here, das zu hoen vnd niddern, zu lengen vnd korczen, vnd ein herre vber wasszer, weyde, welde, felde, vnd ober alles, das in das kirspel gehorig ist, nicht vszgescheiden, vnd wuszten sy auch nymandts anders, der einiche gebot, verbot ader herlichkeit in dem egen. kirspel habe in eniche wise, dan der obgen., vnser gn. jungher Hohan vnd syn erben, vnd das vff die eyde, wir alle vnd unszer iglicher sinem heren gethan hait, vnd solten wir icht moen im recht ... zut thun, wolten wir auch thun. Vnd als sprach Knipp, hait ir mich als heysen sagen. Also hant sie die obgemelten mit einander das verwilliget vnd "jo" zu der rede sage gesaget, vnd da disze rede also gescheen waren, da hiesz Friedrich Hilgin hern Jorgen ein vffbar schreiber vber soliche rede vnd wisunge ein ander mee uffin instrument zu machen in der besten form etc.
(Weisthümer gesammelt von Jacob Grimm, Vierter Theil / 1863)

Darauf wurden diese Aussagen von allen beeidet. Auffällig an der Urkunde ist, dass Hambach nicht als zum Kirchspiel gehörig aufgezählt worden ist. Nassau hatte dort wohl noch nicht Fuß fassen können. Die Urkunde war geschrieben am Dienstag nach Matthäus 1446.

Bleidenstädter Reaktion

Fünf Tage später am 25. September erfolgte schon die Bleidenstädter Reaktion auf dieses Schriftstück. Sie bringen ein Gegenstück dazu.

Vier Männer: Henne Haembecher, Contze Kunnemannssohn, Henne vom Ende und ein sogenannter Metzen-Menn dienen als Zeugen. Sie sagen auf Bitten und Ermahnung des Abtes Johann von Schönborn von Bleidenstadt aus.

Henne Haembecher sagt, er sei Schultheiß des Klosters zu Strinz Trinitatis schon seit über 40 Jahren und seine Eltern seien auch schon 100 Jahre Schultheißen dort gewesen. Nach weiteren Aussagen Haembechers erklärte Contze Kunnemannssohn, er sei klösterlicher Schultheiß an dem Gericht zu Lyddelbach (Libbach) seit 12 Jahren, wohin auch noch das andere Libbach und Hambach gehören.

Daraufhin kam Henne vom Ende zu Wort: Er sei seit über 15 Jahren, und vor ihm sein Vater des Klosters Schultheiß zu Walrabenstein. Als letzter sagte Metzenmann, er sei in Hohenstrinze (Margarethä) Schultheiß. Darauf beeiden die vier Personen ihre Aussagen.

Schriftstückvergleich

Was können wir nun aus dem Vergleich der beiden Schriftstücke ersehen? Kloster und Graf behaupten sie seien seit langer Zeit die Gerichtsbarkeit in dem Gebiet. Das Recht ist bei Bleidenstadt, dass mit seiner Grundherrschaft auch die Gerichtsbarkeit dort gehabt hatte. Aber die Bleidenstädter haben nicht die Macht, den Nassauern wirklich entgegenzutreten. So sehr das Mittelalter den Rechtsgedanken verwirklichte, so wenig wurde in den Machtkämpfen darauf geachtet.

Einigung erst nach 20 Jahren

Für eine Einigung zwischen den beiden Gegner sorgte 20 Jahre später am 24. Januar 1465 der Bruder des Grafen Johann von Nassau, der seit 1461 Erzbischof und Kurfürst von Mainz war, dem folglich das Kloster unterstand.

Der Abt gibt die vier Dörfer StM, die beiden Libbach und Hambach dem Nassauer zu Lehen. Der Abt soll aus den Dörfern den Zehnten einziehen. Graf Johann und seine Nachkommen sollen dem Abt in den Dörfern zu seinem Recht verhelfen.

Neben anderen Vereinbarungen ward so der Streit beigelegt. Man darf sich jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die tatsächliche Macht bei den Grafen lag und der Abt trotz des Vergleichs vor Übergriffen in seine Rechte nicht bewahrt blieb. Ein grundsätzlicher Wandel in den Ansprüchen des Klosters Bleidenstadt gegenüber des Kirchspiels Strinz-Margarethä einerseits und den Grafen von Nassau-Idstein bahnte sich erst nach der Einführung der Reformation an.

(Weisthümer gesammelt von Jacob Grimm, Vierter Theil / 1863, Evangelischer Heimatbote für das Dekanat Bad Schwalbach, Dezember 1954, Nummer 11, Horst Neumann, stud. theol.)

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Die Strinzer Fahne
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