Bäuerliches Leben im 17. Jhd.

Der Bauer in der Zeit des 30jährigen Krieges stand früh morgens von seinem Strohlager in dem langen Hemd auf, das er auch tagsüber trug. Er - und auch der Bürger in der Stadt - hatten kein eigentliches Nachthemd. Das Hemd, das man am Leibe trug, trugt man auch tagsüber - tagein, tagaus...

 

Die Beine wurden in eine Bauernhose gesteckt. Die Bauernhose bestand eigentlich aus zwei langen Strümpfen, sogenannten Beinlingen, die die Beine von den Zehen bis zu den Hüften bedeckten.

Die Beinlinge wurden durch ein Band oder ein Strick um die Hüften gehalten.

An den Strümpfen blieb vorn und hinten natürlich ein großes "V" offen, in welches das lange Tag- und Nachthemd gesteckt wurde. Das Hemd diente gewissermaßen als Unterhose.

Darüber hing ein weiter Rock (eigentlich ein zweites grobes Hemd), der bei der Arbeit durch einen Gürtel oder Strick geschürzt war.

Der herabfallende Rock versteckte alle "offenen Stellen".

In einigen Regionen kam später der kurze Wams in Mode, der knapp bis zum Gürtel reichte.

Nun wurden aus den Strümpfen eine Art Strumpfhose. Vorn wurde ein Hosenlatz und hinten ein Dreieck auf die Stellen genäht, die vorher "frei" waren.

Die Hose wurde mit sogenannten "Nesteln" - kleinen Schnüren - an dem Wams befestigt.

Im Sommer ging der Bauer barfuß, im Winter in Pantoffeln oder Schlappen, wie man sie auch heute noch kennt.

Bei Arbeiten im Schlamm trug der Bauer "Tripklompen". Das waren stabile Pantoffeln, die auf ein starkes Brett genagelt waren, unter dem zwei Querleisten das Abrutschen verhindern sollten.

Auf dem Kopf trug man eine Mütze oder eine Kappe mit Ohrenklappen. Bei den Bauern hatte sie lediglich die Aufgabe, gegen die Witterung zu schützen; entsprechend vielfältig war die Form, die nur von der Funktion und nicht von der Mode beeinflußt war.

Wenn man die Umstände berücksichtigt, unter denen die Bauern und ihre Familien leben und knechten mußten, wenn man sich die hygienischen Verhältnisse vor Augen hält und wenn man weiß, daß Anfang des 17. Jahrhunderts eine "kleine Eiszeit" ausgebrochen war, die nicht nur zu Mißernten führte, sondern die Bauern auch zwang, ihre Kleidung ständig anzubehalten um nicht zu frieren, dann ahnt man, daß es in den Bauernkaten und Schankhäusern nach Armut und Kuhmist gerochen hat.

Daß unter diesen Bedingungen Rheuma, Gicht, Tuberkulose und später auch die Pest ein leichtes Spiel hatten, braucht nicht noch begründet zu werden.

Als lebende Plage für die Bauern trieb seinerzeit, aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse, Flöhe und Läuse ihr Unwesen. Nicht zuletzt verbreitet durch Ratten und Mäuse, die wie fast selbstverständlich mit den Bauersleuten in deren Häusern wohnten und von den unachtsam weggeworfenen Abfällen lebten. Natürlich kann das sogenannte gesunde Volksempfinden auch aus einer Plage, der man nicht entkommen konnte, noch etwas Gutes abgewinnen: bei den Bauern galten Läuse - vor allem bei Kindern - als Zeichen bester Gesundheit.  Niemand konnte damals ahnen, welche hinterhältige Rolle zum Beispiel die Kleiderläuse bei einer Seuche spielten, die später als Fleckfieber bekannt wurde.

Man hatte zwar in den folgenden Jahrhunderten immer wieder versucht, mit diversen Rezepten der Läuse Herr zu werden, doch meist mit mäßigem Erfolg.

 

Hohe Kindersterblichkeit

Seinerzeit war die Kindersterblichkeit in unserem Gebiet sehr hoch. Dies lag wohl auch überwiegend an fehlender Hygiene. Schuld daran war sicherlich auch der damals gebräuchliche "Schnuller". Dieser bestand aus einer Art Ball der aus einem Stück Stoff gerollt wurde und an dessem Ende eine Schnur hing. Den Stoff trängte man mit etwas Süßem, z.B. Honig und steckte es den Kindern in den Mund, die daran nuckelten. Dieser wurde natürlich des öfteren ausgespuckt, landete auf dem verdreckten Boden und wurde, wenn es ganz schlimm kam, von den Haustieren abgeleckt. Desinfektion kannte man damals nicht und so wurde der verdreckte "Schnuller" den Kindern wieder in den Mund gesteckt, was zu Krankheiten und schließlich zum Tod führte.

Quellen:

Dr. Klaus Koniarek / Bad Sooden-Allendorf

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gif-paradies.de

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Wehen und sein Grund

Dr. Eduard Wilhelmi / 1957

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