Der Schuss

Nachfolgend ein Gedicht aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Es stamm aus dem Buch:

Der Monstranzenbaum - Hessen Nassauische Legenden, Lieder und Baladen

von Hans Linck, erschienen im Falken Verlag Darmstadt im Jahre 1917.

 

Wann und von wem das Gedicht seinerzeit geschrieben wurde, ließ sich bislang nicht mehr recherchieren.

Der Schuß

 

Aufhorcht erstaunt das Marienbild

Am Kreuzweg von Strinz-Margareth,

Es ist wohl eigen, wenn rot der Komet

Vom Himmel zur Erde sich brückt,

Wenn Würfelklang röchelnder Seufzer erstickt,

Und ein Lachen übers versengte Land

Wie das heulen hungriger Wölfe weht,

Daß dann noch einer am Straßenrand

Spricht ein Gebet.

Klaus Bürger schlug das Kreuz mit der Hand:

"Maria, sei gegrüßt!" -

Wohl selten nur den Weg ich fand

Zu dir und hab es gebüßt!

Die Reiter unter des Kaisers Sold,

Sie schlugen die Türen mir ein,

Sie nahmen mein letztes Silber und Gold,

Keinen Albus nenn´ ich mehr mein.

Die Äcker verwüstet, die Scheuer leer,

Und im Haus von Brot kein Laib,

Es windet seit Wochen in Hungerqual schwer

Sich mein armes, unschuldiges Weib. -

Zehn Gulden vergrub ich einst, flüchtend vorm Zug

Der Schweden bei Bleidenstadt,

Das gibt zwei Brote - das ist genug,

ein Brot macht heut wochenlang satt.

Und blühen wie einst soll wieder mein Weib,

Das jetzt so blaß wie nie,

Um ihretwillen schirm meinen Leib,

"Ave - Mutter Marie!"

Klaus Bürger rücke den Hut gerad

Und durchschritt die Haide quer,

Ihm huschte der Wald durch bis Bleidenstadt

Leuchtend ein Strahl hinterher.

Ein Tannenhäher als Weggenoß

Flog voran ihm mit warnendem Schrei,

So schlich er an dem schwedischen Troß

und den kaiserlichen vorbei.

Und er suchte die Stelle, und fand den Platz,

und grub in der Erde nach,

Und hob den armseligen Guldenschatz,

Als die Nacht in die Täler brach.

Das Dunkel verschlief er im Busche dicht,

Heim schritt er im dämmernden Tag,

Und sah den zerlumpten Kroaten nicht,

Der lauernd im Graben lag.

Was ein Bauer heut an Geld noch hat,

Das trägt er am Leibe mit,

Wer weiß, ob wir Söldner morgen noch satt,

Und so nah steht das Wild: Drei Schritt!"

Und langsam erhob sich das schwere Pistol,

Bis das Korn auf Klaus Bürger fiel,

Es pfiff wie ein Schwert die Kugel wohl,

Doch fand sie nie das Ziel.

Wie Donner dröhnte der Knall hinterdrein,

Weiß ward Klaus Bürgers Gesicht,

Wohl sah er um sich den blendenden Schein,

Aber Pulverdampf war es nicht!

Ein Sprung, und er schob sich durch das Gebück

Und schlich mit gebeugtem Knie,

Mit geducktem Haupte den Weg zurück

Bis zum Sternbild der Jungfrau Marie.

Und als er vor der geheiligten stand,

Ihm sprang aus dem Munde ein Schrei:

Da lag in der Muttergottes Hand

Ein blankes Pistolenblei.

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Wie auch vom Froste klirrt die Luft,

wie auch der Herbststurm weht,

Die Madonna umwallt stets Rosenduft

Am Kreuzweg von Strinz-Margareth.

Ein warmer Glanz geht von ihr aus,

Wie das Leuchten vom Hochaltar,

Und immer beut ihr den blühenden Strauß

Dasselbe Menschenpaar.

Den gleichen Ring um die Finger gepreßt,

Tragen die seltsamen Zwei,

Der schließt an den Himmel wie Ketten sie fest,

Und ist doch nur von Blei.

Es gab einst Gemarkungsnamen aus der frühen Zeit, die auf den im Gedicht genannten Kreuzweg hinweisen könnten. Es sind:

Heilige-Kreuz

1571-1552 / beim helgen Creutz (HStA, Abteilung 36, Rechnungen (=III) Nr. 5.)

Kreuz

1741 \Acker/ Aufm Creutz (HStA, Abt. 360, StM Nr. 1., pag.82)

Siehe auch unter Gemarkungsnamen

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