"Geht es Ihnen morgens auch

     manchmal so? Sie stehen auf, 
       Ihnen tun alle Knochen weh und 
         es kommt Ihnen der Spruch über 
           die Lippen:
 
            "Ich fühle mich wie gerädert!".

                 Woher dieser Spruch stammt erzählt
                   Ihnen diese Geschichte. Sie handelt
                     von einem Strinzer Bürger, der sich
                      sicher gewünscht hätte, das Rad wäre 
                       nie erfunden worden."

Gerädert und geköpft

Wir schreiben das Jahr 1678.

 

Die in der Geschichte 'Die letzten Strinzer' als Tochter von Andreas Fuchs aufgeführte Anna Margaretha (*1656)  ist mit einem Schultheißen (Bürgermeister) Jon (Johann?) B (Nachname nicht vollständig erwähnt) verheiratet. Sie hat mit Ihrem Ehemann zwei Jungen.

 

In den Aufzeichnungen von Pfarrer Johannes Neumann wird berichtet, dass sie wohl mit einem ledigen Kerl ein Verhältniss hatte und mit dessen Hilfe ihren Mann nachts im Bett umgebracht und verscharrt hat.

 

Beide sind aber überführt worden und wurden in Bärstadt hingerichtet. Anna Margarethä wurde mit dem Schwert geköpft und der Kerl "aufs Rad gelegt".

(Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 83)

Was bedeutet "aufs Rad gelegt"?

Bildquelle: Wikipedia
Bildquelle: Wikipedia

Mit dem Begriff "aufs Rad gelegt" ist das seinerzeit übliche Rädern gemeint. Es handelt sich dabei um eine grausame Hinrichtungsform des Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

Die als Mörder und/oder Räuber Verurteilten wurden auf ein Schafott gebracht und auf dem Boden festgebunden. Vorrangiges Ziel des ersten Aktes war das qualvolle Verstümmeln des Leibes, nicht der Tod. Deshalb sah die gebräuchlichste Variante vor, das Knochenbrechen mit den Beinen zu beginnen. Dazu ließ der Scharfrichter das Richtrad (oft mit eiserner Kante) auf den Unterschenkel des Verurteilten fallen und arbeitete sich dann bis zu dessen Armen hinauf. Dabei waren Rhythmus und Anzahl der Schläge jeweils vorgeschrieben, manchmal auch die Speichenzahl des Richtrades. Um dessen Wirkung zu erhöhen, legte man scharfkantige Hölzer unter die Gelenke, sogenannte Krammen, Krippen oder Brecheln. Später gab es Vorrichtungen, in die der Verurteilte „eingespannt“ werden konnte. Obwohl nicht üblich, konnte der Scharfrichter angewiesen werden, den Verurteilten am Ende des ersten Aktes zu exekutieren, indem er beim Gnadenstoß auf Hals oder Herz zielte. Noch seltener geschah dies sofort zu Beginn (vom Kopf herab).

 

Im zweiten Akt wurde der Leib in ein anderes Rad geflochten, was durch die gebrochenen Glieder möglich war, oder daran festgebunden. Nun wurde das Rad an einem Stock oder Pfahl aufgerichtet. Danach durfte der Scharfrichter den Verurteilten gegebenenfalls enthaupten oder erdrosseln. Es wurde auch Feuer unter dem Rad entfacht, oder man warf den Geräderten einfach hinein. Gelegentlich errichtete man einen kleinen Galgen auf dem Rad, etwa wenn der Schuldspruch zusätzlich zu Mord auf Diebstahl lautete.

 

Da der Leib nach der Hinrichtung auf dem Rad verblieb und Tierfraß und Verfall überlassen wurde, hatte diese Form der Bestrafung, ähnlich der antiken Kreuzigung, eine sakrale Funktion über den Tod hinaus: Nach damaligem Glauben stand die unterbliebene Bestattung einer Auferstehung entgegen.

(Quelle: Wikipedia)

Hinrichtungen in Bärstadt

Wie die Kirchenchronik berichtet wurden die Mörder in Bärstadt hingerichtet. Am Dorfrand von Bärstadt gibt es eine alte Verbindungsstraße zwischen Rheingau und Untertaunus. Sie heißt umgangssprachlich die „Hohe Straße“. An ihr liegt der Galgenkopf, eine Erhöhung im Wald. Hier wurde hingerichtet und damit auch eventuell die vorbeifahrenden Reisenden abgeschreckt.

(Jürgen Münzer / Chronist von Bärstadt)

Der letzte Delinquent, der dort 1727 gehängt wurde, war ein Dieb.

(Wikipedia)

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Die Strinzer Fahne
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