Die neue Orgel

Die Einweihung der heutigen Strinzer Kirche wurde am 2. November 1834 von Pfarrer Schmidtborn im Zuge einer Predigt vorgenommen.  Der Kirchengesang wird von Blasinstrumenten (9 Musikanten aus Idstein) begleitet, da eine Orgel bei der Einweihung noch fehlte. Die Orgel der alten Kirche sollte keine Verwendung mehr finden, denn:

 

"Die Orgel ist als Instrument im allgemeinen betrachet mangelhaft, klein, unbedeutend, schreiend, geschmacklos."

 

Es sollte noch zehn Jahe dauern, bis die Strinzer Kirchengemeinde wieder eine eigene Orgel zur Verfügung hat.

Aus dem Jahr 1853 berichtet die Kirchenchronik: „Ankauf einer Orgel von der Gemeinde Nieder-Ingelheim in die hiesige Kirche, die seit der Erbauung 1834 ohne Orgel war.

 

Der Überlieferungen nach hatte das Werk in einem Nonnenkloster zu Mainz gestanden, ging aber dann an die französische Regierung über und wurde von dieser an die Gemeinde Nieder-Ingelheim geschenkt, die es jetzt durch ein neues großes Werk ersetzte. Die Orgel wurde durch Orgelbauer Voigt aus Igstadt in der hiesigen Kirche aufgestellt und am 19.6., am 4. Sonntag post Trinitatem zum ersten Mal durch Schullehrer Kolschenbach von Strinz-Trinitatis gespielt, der dazu bestellt war, das Werk zu prüfen."

Offenbar konnte sich die kleine arme Gemeinde im Untertaunus nach dem Kirchenbau keinen Orgelneubau leisten, sondern musste mit einem gebrauchten Instrument vorlieb nehmen. Die Nieder-Ingelheimer Kirchengemeinde stellte jedoch die Bedingung, dass „alle Verzierungen, namentlich auch die Figuren, welche nicht unbedingt zur Orgel gehören, hergestellt in Gold und Ölfarbe und in die neu zu erbauende Orgel verwendet werden." So verblieb der Schmuck, der ursprünglich zu der Orgel Strinz-Margarethä gehörte - sechs barocke Engelfiguren sowie geschnitzte Verzierungen - in der Saalkirche Nieder-Ingelheim, wo sie bis heute den Prospekt der klassizistischen Dreymann-Orgel zieren.

Die Frage nach dem Alter der Orgel ist nicht eindeutig zu beantworten. Als gesichert gilt, dass sie vor der Auflösung der Mainzer Stifte und Klöster im Weißfrauenkloster dem liturgischen Gesang der Nonnen diente. Es ist wahrscheinlich, dass sie um das Jahr 1710 erbaut wurde. Damit ist es wohl gesichert, dass die Orgel von Strinz-Margarethä zu den ältesten Orgeln im bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gehört.
Nachdem über viele Jahre unklar war, wer dieses Werk schuf, kann nach mehreren Untersuchungen mittlerweile aufgrund der Pfeifensignaturen Johann Jakob Dahm (1658-1727) als Erbauer benannt werden.

Die Orgel der Kirchengemeinde Strinz-Margarethä hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Dadurch waren viele verschiedene Handwerker mit unterschiedlichem Können tätig, die an ihr gearbeitet, gebaut und umgebaut haben. Auch das Stilempfinden der jeweiligen Epochen hat bei deren Tätigkeit Niederschlag im Klang des Instruments gefunden.
Glücklicherweise blieb - bei allen teilweise schwerwiegenden willkürlichen Eingriffen im 20. Jahrhundert - die Grundsubstanz des Werkes erhalten und macht diese Orgel in musikalischer Hinsicht zu einem wertvollen Denkmal des mittelrheinischen Orgelbaus.
Das Orgelgehäuse besitzt nur eine geringe Tiefe von einem Meter und eine Breite von 3,50 Metern und enthält das gesamte Pfeifenwerk von Manual und Pedal. Der ursprünglich vorne sitzende Spieltisch wurde (wohl bereits in Ingelheim) zur Seite verlegt. Seit der Renovierung im Jahr 1964 befindet sich der Spieltisch wieder vorne.
„Charakteristisch ist die halbkreisförmige Anlage des Prospektes; die Türme springen bis zu zwei Metern nach vorne und werden durch Säulchen, die auf der Emporenbrüstung aufsitzen, getragen." (H.C.Weinberger)
Orgeldisposition (nach 1853 bis zur Restaurierung 1964 nicht mehr verändert):
Manual: Groß Gedackt 8‘; Salicional 8‘; Prinncipal (Prospekt) 4‘ (fehlt); Klein Gedackt 4‘; Quinta 3‘ Oktava 2‘ Waldflöte 2‘ Mixtur 1‘3fach; Cornett 4fach disc.4‘ (Zungenregister fehlt)
Pedal: Subbass 16‘; Oktavbass 8‘; Principalbass (Prospekt) 4‘ (fehlt).
Bei der Restaurierung im Jahr 1964 wurde die Traktur erneuert und die fehlenden Register eingefügt. Hinzu kam eine Trompete 8‘. Dabei wurden gravierende willkürliche Eingriffe auch in die Konstruktion vorgenommen, die die Funktionssicherheit dauerhaft gefährdet. Glücklicherweise sind mehrere alte Register sowie ein Großteil des alten Pfeifenbestandes erhalten geblieben.

Auch um die Funktion der Orgel zu erhalten, ist eine Rückführung in den ursprünglichen Zustand notwendig.
Restaurierungsziel ist der von Johann Jakob Dahm im frühen 18. Jahrhundert für die Weißfrauenklosterkirche in Mainz geschaffene Erstzustand.
Konkret bedeutet dies

- Die vollständige technisch-bauliche Rekonstruktion der Dahm-Orgel
- Die Wiederherstellung der Dahm‘schen Disposition

Unter denkmalpflegerischer und musikalischer Hinsicht käme der Wiedergewinnung eines aussagestarken Werkes des Mainzer Orgelbaus eine weit über die Region hinausstrahlende Bedeutung zu.
Für eine Restaurierung sind Kosten von etwa 200.000 € zu erwarten. Zur Finanzierung ist die Kirchengemeinde auf jede Spende angewiesen.

Heutige Disposition

Manual
Principal 4′
Großgedackt 8′
Salicional 8′
Kleingedackt 4′
Cornett 4′ D
Quinte 3′
Octav 2′
Waldflöte 2′
Mixtur 1′ 3f.

 

Pedal
Subbaß 16′
Octavbaß 8′
Principalbaß 4′

Mechanische Schleifladen, Koppel I/Pedal

 

(Thomas Wächter)

Quelle: Internetseite der ev. Kirchengemeinde Strinz-Margarethä und Niederlibbach

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