Der "gemeinschädliche Umtreiber"

Aus dem

Allgemeiner Polizei-Anzeiger / Gotha, den 11. März 1845

Personen und Lebensbeschreibungen gefährlicher Individuen.

Rubrik: Gemeinschädliche Umtreiber.

Der Versuch einer Rekonstruktion durch die Redaktion
Der Versuch einer Rekonstruktion durch die Redaktion

 

 

 

K i l b, Philipp Emmerich, Metzger, aus Limbach geboren und in Strinz-Margarethä, herzoglich nassauisches Amt Wehen wohnhaft.

Alter: 37 Jahre; Statur: untersetzt, 5´ 1´´ rhein. M.: Haare: braun, gelockt; Stirn: gefurcht; Augenbrauen: blond; Augen: grau; Nase: breit; Mund: mittel; Zähne: gesund; Kinn: rund; Bart: blond; Gesichtsform: breit; Farbe: gesund; besonderes Kennzeichen: trägt Ohrringe.

Er ist dem Streunen sehr ergeben und deshalb bereits mehrfach bestraft worden. Namentlich wurde er im Mai 1841 wegen Bettelns und längeren müssigen Umherziehens dahier zur Strafe gezogen und aus demselben Grunde, sowie wegen Führung eines holländischen Passes, d. d. 6. Dec. 1843 abermals dahier zur Haft gebracht und am 12 desselben Monats in seine Heimat abgeschoben.

Nach einer Mittheilung des herzoglich nassauischen Amt Wehen ist er in den letzten Jahren öfters von Floßherren von Mainz, Koblenz und Köln mit nach Holland genommen und am 27. April 1843 wegen Streunens in Neuendorf bei Koblenz arrestiert und von dort nach Hause transportiert worden. Bei dem herzoglichen Amte Runkel mußte er im März 1843 wegen Bettelns eine 14tägige Gefängnisstrafe verbüßen.

Polizeiamt Frankfurt a/M, 28/2, 1845

Zeitgenössischer Stich eines Rheinfloßes vor Erbach im Rheingau. Auf solch einem Floß heuerte Kilb an.
Zeitgenössischer Stich eines Rheinfloßes vor Erbach im Rheingau. Auf solch einem Floß heuerte Kilb an.

Ohrringe im 19. Jahrhundert?

Laut Beschreibung trug Kilb seinerzeit Ohringe. Dies ist gar nicht so ungewöhnlich wie es anfangs scheint.

 

Ein Wikipedia-Artikel beschreibt die damalige Lebensart:

 

Auf das französische Vorbild ist zurückzuführen, dass auch in Deutschland, bezeichnenderweise aber häufiger in süddeutschen Regionen, etwa zwischen 1810 und 1850 in allen Ständen Ohrringe getragen wurden. Auf dem Lande, vor allem in Süddeutschland, galten Ohrring und Ohrschraube als wirksame Abwehr gegen Krankheiten besonders der Augen. Von Seeleuten, Fischern, Flößern, Gauklern und Schaustellern wurde der Ohrring auch dann noch gern getragen, als er selbst beim Kleinbürger nach der Mitte des Jahrhunderts aus der Mode gekommen war.

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Die Strinzer Fahne
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