Kirchenneubau

Der Strinzer Lehrer Friederich berichtet - in der mittlerweile verschollenen Schulchronik -  von den Kirchenbauarbeiten und überliefert uns ein gutes Bild von den damaligen Aktivitäten. In der Kirchenchronik, die seinerzeit von dem amtierenden Pfarrer Schmidtborn geführt wurde, wird der Kirchenneubau nur am Rande erwähnt.

1830

Im Sommer des Jahres 1830 reißt ein mächtiger Sturm einen Teil des Daches der alten Kirche, die schon seit Jahren wegen Baufälligkeit nicht mehr genutzt wird, ab. Dieser Sturm hat zur Folge, dass nun die ganze Kirche abgerissen werden muss. Dieses Ereignis führte dazu, dass man sich nun Gedanken über einen Kirchenneubau macht.

1831

Da der komplette Kirchplatz zum Kirchenneubau planiert werden muss, müssen die Toten, die um die Kirche herum begraben liegen, ausgegraben werden. Unter diesen sind noch 15 "ganze Leichen" die im oberen Teil des Schulgartens wieder beerdigt werden.

 

Den Abriß der Kirche übernimmt ein Mann namens Trog aus Laufenselden mit seinen Söhnen.

 

Dabei wird ein Grab im Kirchenchor, in dem die Ehefrau des damaligen Pfarrers Neumann 1696 beerdigt wurde, geöffnet. Bei der Öffnung stellt man fest, dass auch der damalige Pfarrer Neumann im Jahre 1712 in diesem Grab beigesetzt wurde. Außerdem noch andere Personen, die dort mit wollenen Kleidern begraben liegen.

Der damalige Pfarrer Schmidtborn berichtet, dass die Kopfbedeckung und das blonde Haar der Pfarrersfrau noch vollkommen kenntlich sind.

 

Der alte Grabstein wird in der neuen Kirche im Chor, an dem Familienstuhl des Pfarrers, aufgestellt und eingemauert.

Siehe auch unter: Das Leid des Pfarrer Neumann

 

Im selben Jahr wird der Plan einer neuen Kirche und der erforderliche Etat dafür von einem Herrn Bauinspektor Faber aus Wiesbaden erstellt und am 15. Juni 1831 bei einer Versteigerung (wahrscheinlich Versteigerung der Gewerke) zu Grunde gelegt. Die Versteigerung findet im Haus des Schultheißen Enders, in Gegenwart des Bauinspektors Faber und eines Amtmanns aus Wehen statt.

 

Am 6. September beginnen die Maurer Wirtz und Nauheim aus Niederfelden mit dem Mauerbau.

 

Am 31. Oktober 1931 wird der Grundstein mit großer Feierlichkeit von Strinzer Pfarrer Schmidtborn, Pfarrer Christ von Breithardt, Pfarrer Bleichenbach aus Stinz-Trinitatis, Pfarrer Ilgen aus Panrod und Pfarrer Bauder aus Kettenbach, gelegt.

Darüber hinaus sind bis zu 1.000 Menschen anwesend.

Der Zug auf den Bauplatz mit Gesang, wird von einem Blasorchester begleitet.

Der Grundstein liegt, wenn man durch die Haupttüre geht, zwischen der Flügeltür nach der Kirche und der Tür rechts nach der Empore, in der Ecke, ein Schuh unter dem Sockel. Darin befindet sich eine Messingplatte mit dem eingravierten Namen des Bauinspektors, des Kirchenvorstandes und Namen des Lehrers.

 

Aus der Kirchenchronik:

Beginn des neuen Kirchenbaues. Provisorische Verlegung des Begräbnisplatzes auf den Schulgarten. Feierliche Legung des Grundsteines zur neuen Kirche am 31. October.

1832

Am 19. Juli 1832 wird von den Mauern der Strauß (Richtkranz) aufgestarkt und der alte Zimmermannsspruch zum Besten gegeben.

Am 4. August und an den folgenden Tagen wird die Kirche vom Zimmermann Rock von Holzhausen ü. A. aufgeschlagen. Am 6. August fällt ein Zimmergeselle namens Tammeritz aus Wörsdorf, vom Eck auf der links des Chores und staucht sich dabei den Rücken. Er liegt 6 Wochen lang krank bei dem Strinzer Wirth Hies, wird dann noch nach Wiesbaden ins Hospitz gefahren, wo er nach einigen Tagen starb.

Am 09. August 1832 wir von Zimmermann Rock der Strauß (Richtkranz) aufgestarkt und der Zimmermannsspruch gehalten.

 

Aus der Kirchenchronik:

Anstände während des Kirchenbaues.

Aus der Strinzer Chronik:

Anlage eines neuen Totenhofes auf dem Acker des Herren Schutlheiß Enders zwischen Strinz und der Zinkenmühle (Ochsengut/Pfaffenhof) unter dem Hennethaler Weg. Absteckung von 60 Ruthen.

Ungefähre Lage des Pfaffengutes/Ochsengutes wo der neue Totenhof angelegt wurde
Ungefähre Lage des Pfaffengutes/Ochsengutes wo der neue Totenhof angelegt wurde

1833

Im Frühling 1833 wird die Kirche von dem Weisbinder Winkler aus Idstein getüncht und geweißt.

Am 20. September werden von der hiesigen Gemeinde, die Glocken in den Turm gehängt. Ob es sich dabei um die oben genannte Glocke gehandelt hat, ist nicht überliefert.

Am 25. Oktober wird von den Schieferdeckern (Dachdecker) Roos u. Rübfarm aus Idstein und mehreren "Consorten" das Dach gedeckt und der Strauß (Richtkranz) aufgestarkt.

Die Schlosser Klein und Eunl (Name schwer zu lesen) aus Idstein haben die Schlosserarbeiten durchgeführt und "das sehr schlecht".

Kanzel und Altar werden von Schreiner Enders aus Breithardt hergestellt.

 

Die Aufsicht über den ganzen Kirchenbau führte Herr Amtswerkmeister Laux aus Wehen.

 

Aus der Strinzer Chronik:

Verlegung des neuen Totenhofes neben diesen und zwar nach dem Ort zu, da das Ochsengut/Pfaffengut auf dem der neue Totenhof angelegt wurde, wegen der Verpflichtung zur Haltung des Faselviehts, nicht bebaut werden durfte. Es waren schon 12 Leute dahin beerdigt worden die umgebettet wurden. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidtborn, lehnte es ab, den neuen Totenhof einzuweihen.

 

Aus der Kirchenchronik:

Commission wegen Anlage des neuen Kirchhofs (Begräbnisplatzes); mein vergeblicher Protest gegen den Platz wegen der Entfernung von der Kirche. Widerspenstigkeit des Schullehrers Friedrich und Weigerung desselben bei den Leichen zu singen. Meine Collision mit den Behörden wegen dieses Falles.

1834

Strinzer Kirche im Jahre 2012
Strinzer Kirche im Jahre 2012

Die Einweihung der Kirche wird am 2. November 1834 von Pfarrer Schmidtborn im Zuge einer Predigt vorgenommen. Der Segen für den Neubau wird von Pfarrer Bleichenbach aus Strinz-Tinitatis gesprochen. Der Kirchengesang wird von Blasinstrumenten (9 Musikanten aus Idstein) begleitet, eine Orgel fehlt bei der Einweihung noch.

8 Lehrer aus den Nachbardörfern sind zugegen, insgesamt wohnen über 1.000 Menschen der Veranstaltung bei. Und nicht nur zum eigentlichen Kirchenweihfest sondern auch zum bürgerlichen Kirchenweihfest, welches von Sonntag bis Freitag währt. Das Fest selbst wird - so schätzt Lehrer Friederich - die Gemeinde mehr als 1.000 fl (Gulden) gekostet haben.

In die Kirchenmauer eingebauter Grabstein
In die Kirchenmauer eingebauter Grabstein

Aus der Strinzer Chronik

Einfriedung des neuen Totenhofes mit einer Mauer und einem Tor.

 

Aus der Kirchenchronik

Fortsetzung des Kirchenbaues, der langsam voranschritt.

Einweihung der neuen Kirche am 23. Sonntage nach Trinit., d. 2. November, bei welcher die benachbarten Pfarrer, Bleicherbach von Strinz Trinitatis, Ilgen von Panrod, u. Reiz von Oberauroff, fungierten. Meine Festpredigt über Jerem. 31, 23, 24, 25.

 

(Quelle: Lehrer Friedrich Jakob Friederich in der Schulchronik / Übertragen in die Strinzer Chronik von Rektor Richard Weisser  / Strinzer Chronik, Teil 1, Seite 72 - 76 / Kirchenchronik)

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Die Strinzer Fahne
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