die Sage vom hartherzigen Pfarrer

Spukte es einst im Strinzer Pfarrhaus?
Spukte es einst im Strinzer Pfarrhaus?

Von einem Pfarrer erwartet man ein offenes Herz und eine offene Hand für die Armen.
Zu StM lebte jedoch der Sage nach zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Geistlicher, der war geizig und hartherzig.
Wie viele Pfarrer jener Zeit betrieb er nebenher eine Landwirtschaft und wurde wohlhabend dabei. Kam aber in den damaligen Hungerjahren  ein Armer an seine Tür und bat um ein Stück Brot, dann schnitt er zwar ein dicke Scheibe vom Laib, reichte sie ihm aber nicht, sondern warf sie in den Trog zum Schweinefutter und jagte den Bettler weg. Das tat er unter lautem Lachen.
Daher war man im Dorfe froh, als er starb und ein neuer Geistlicher ins Pfarrhaus zog. Doch darin war es, wie er bald erfuhr, nicht mehr geheuer.

 

Am 1. Advent begann um Mitternacht ein unheimliches Treiben, und das setzte sich die gesamte Adventszeit hindurch fort. Türen wurden von unsichtbarer Hand zugeschlagen und öffneten sich von selbst wieder. Ein ohrenbetäubender Lärm, wie von schleifenden Ketten erfüllte das Haus. Jeden Morgen standen die beiden Pferde des Pfarrers schweißnass im Stall, als ob man sie ausgeritten und überanstrengt hätte.
Kein Gesinde wollte mehr im Pfarrhaus bleiben. Der Pfarrer scheute sich, seine Gemeinde zu verlassen, doch wusste er keinen Rat. War es sein Vorgänger, der umging, umgehen musste, um das Böse zu sühnen, das er begangen hatte?
Schließlich versammelten sich mehrere Pfarrer aus der Umgebung und beteten so lange und kräftig, bis das Unwesen aufhörte.

 

(Taunus-Sagenschatz, 190 Sagen erzählt von Helmut Bode, Verlag Walter Kramer oHG, Frankfurt am Main, ISBN 3-7829-0325-0, 1986)

Anfang des 19. Jahrhundert taten zwei Pfarrer in StM Dienst.
Zum einen Johann Gottfried Kolb von 1793 bis 1809 und Ludwig Imanuel Snell von 1810 bis 1814.

Von Beiden ist nicht überliefert, dass sie in StM starben. Kolb wurde 1809 nach Usingen versetzt und Snell 1814 wegen seiner Trunksucht aus dem Amt entlassen.
Der darauffolgende Pfarrer Schmidtborn (Pfarrer von 1815 bis 1870 ) beschrieb das von ihm übernommene Pfarrgut wie folgt: Schwierigkeit der Verwaltung des Guts wegen dessen geringer Qualität u. Unzulänglichkeit der Wiesen.

Es erscheint deshalb als sehr unwahrscheinlich, dass sein Vorgänger, wie in der Sage beschrieben, durch seine Landwirtschaft wohlhabend wurde.


Insofern handelt es sich wohl tatsächlich nur um eine Sage, um die Kinder des Ortes zu erschrecken.

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

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