Pfarrer Schmidtborn

" Hallo Zusammen,

mein Name ist Ludwig Schmidtborn.

55 Jahre war ich der Seelsorger hier in Strinz-Margarethä.

Ich hatte es nicht immer leicht mit den Strinzern,

aber lest doch selbst meine Geschichte."

 

Es sind 34 Pfarrer bekannt, die seit dem Jahre 1565 in unserem Kirchensprengel wirkten. Pfarrer Ludwig Schmidtborn, der hier von 1815 - 1870 als Seelsorger 55 Jahre tätig war hat von Allen den größten Eindruck hinterlassen

 

Pfarrer Ludwig Schmidtborn wurde am 11.02.1792 in Assenheim bei Worms geboren. Sein Vater war dort seit 1786 Pfarrer. Durch die Franzosen im Jahre 1794 vertrieben, flüchtete er mit Frau und Kind in das elterliche Haus nach Altenkirchen bei Weilburg.

Der Fürst zu Weilburg berief ihn 1795 als Pfarrer nach Wismar bei Gießen. Hier wuchs Ludwig heran und studierte später in Gießen und Marburg.

Am 07.05.1812, also mit 20 Jahren, wurde Schmidborn ordiniert und zu Rettert bei Nastätten angestellt. Im Jahre 1815 trat er seine Pfarrstelle in Strinz-Margarethä an.

 

Bis auf den heutigen Tag ist in unserem Dorf das Andenken an den "alten" Pfarrer Schmidtborn lebendig geblieben, der in der Seelsorge ebenso tüchtig war wie in der Landwirtschaft.

Schmidtborn hielt streng auf Kirchenzucht und schickte eine junge Mutter mit drohend erhobenem Stock nach Hause, weil sie den ersten Gang nach ihrer Entbindung ins Dorf machen wollte, statt, wie es sich gehörte, in die Kirche zu gehen.

Im Freien trug er stets einen Zylinder, sogar beim Heumachen. Vor lauter Arbeit fand er keine Zeit zum Heiraten. An kalten Wintertagen zitieren heute noch die Bauern die Worte Schmidtborns:

 

"Das ist Wetter für meine Knechte! Arbeiten sie nicht, dann frieren sie".

 

Wie streng die damaligen Sitten waren, ersieht man aus den Aufzeichnungen des Bürgermeisters Enders aus dem Jahre 1817. Darin erfahren wir, dass einmal von Pfarrer Schmidtborn 7 Burschen angezeigt wurden, weil sie die Katechismuslehre geschwänzt hatten. Die jungen Sünder weigerten sich zunächst die auferlegte Polizeistrafe zu zahlen, aber als die "Auspfändung" drohte, konnte der Schultheiß dem Justizrat Forst in Wehen berichten, "dass sie die Strafe bezahlen wollten, welches wie mir der Kirchen Senior Kandler sagte, auch geschehen ist".

 

Bis zum Jahre 1829 mußte jeder bis zum 25. Lebensjahr am Katechismusunterricht teilnehmen. Erst seit dieser Zeit setzte man das Alter auf 16. bzw. 18. Lebensjahr fest. Der Katechismusunterricht fand meistens im Anschluß an den Gottesdienst statt. Es beteiligten sich daran oft Verheiratete und alte Leute.

Während seiner langen Amtstätigkeit in StM hatte Schmidtborn mancherlei Auseinandersetzungen mit der "Dorfaristokratie" zu bestehen, wie Schmidtborn seine Prozeßgegner bezeichnete. Das begann bereits im Jahre 1832, als er einen Antrag auf Erbauung eines neuen Stalles stellte. Die zuständigen Gremien lehnten ab und empfahlen später dem Pfarrer, die Ländereien zu verpachten. 13 Jahre danach wird der Bau endlich genehmigt und 1846 errichtet.

 

In den Jahren von 1847 - 1852 führten die Ortsvorsteher und Kirchenvorstände mehrere Prozesse mit dem Pfarrer wegen der Besoldungsfrucht, dem Streulaub und dem Besoldungsholz. Schmidtborn nahm jeden Prozeß an und gewann sie alle. Der letzte Prozeß um das Pfarrbesoldungsholz begann 1850 und endete 1852. Er wurde in 3 Instanzen durchgeführt (1. Justizamt Wehen / 2. Herzogliches Hofgericht / 3. Oberappelationsgericht).

 

Während der Revolutionswirren (1847 - 1848) versuchten seine Prozeßgegner zweimal, seine Versetzung zu betreiben. Dabei geben seine Gegner beim Bischöflichen Herzoglichen Commissarius in Wiesbaden zu Protokoll, er sei feindselig gegen die Gemeindemitglieder gesinnt und keineswegs ein Pfarrer sondern ein Bauer.

Mit dem Jahre 1852 endeten die Auseinandersetzungen. Die Aufregungen der Revolutionsstimmung waren verklungen. In den Dörfern kehrte mit der Zeit wieder Ruhe und Frieden ein.

 

Im Jahr 1862 feierte Schmidtborn sein 50jähriges Amtsjubiläum. Darüber berichtet Lehrer Conrad aus Niederlibbach in der Schulchronik: "Am 7.5.1862 waren es 50 Jahre, dass Pfarrer Schmidborn in seinem Amt wirkt. Herr Dekan Spieß zu Bechtheim hatte zur Feier des Tages, Mittwoch, den 7.5., die Herren Geistlichen des Dekanats zu einer Konferenz in das Pfarrhaus zu Strinz-Margarethä eingeladen. Eine öffentliche kirchliche Feier und Festlichkeiten und damit zusammenhängende äußere Ehrenbezeichnung seiner Person hatte Herr Pfarrer entschieden abgelehnt. Auch die Annahme der goldenen Verdienst-Medaille, welche in Nassau den höheren Ständen nach 50jähriger Dienstzeit zu Teil wird, hatte er aus großer Bescheidenheit verweigert. Seine Hoheit unser Herzog und Landesvater hatte jedoch durch die vorgesetzte Behörde von dieser 50jährigen treuen Dienstführung Kenntnis erhalten und den Herrn Pfarrer Schmidtborn dadurch geehrt, dass er ihm den Titel des Kirchenrat erteilt hat, worüber ihm das Diplom an dem genannten 50jährigen Gedenktage aus der Hand des Herrn Dekan Spieß ausgehändigt worden ist.

 

Bis zum Jahr 1870 konnte Schmidtborn noch seine Amtstätigkeit ausüben. Am 23.01.1870 erlitt er einen Schlaganfall, der ihm die Sprache fast völlig raubte. Er konnte seinen Dienst nicht mehr versehen und mußte schweren Herzens am 1.4.1870 in den Ruhestand treten. Ihm waren noch 5 Lebensjahre beschieden.

 

Am 27.2.1875 starb Kirchenrath Schmidtborn nach einem sehr kurzen Unwohlsein. Bei der Beerdigung folgten dem Sarg nur drei der nächsten Verwandten, fast alle Geistlichen des Dekanats Kirberg und die meisten Bewohner des hiesigen Kirchspiels.

Sein Nachfolger, Pfarrer Grünschlag, bezeichnete den verstorbenen Kirchenrath Schmidtborn als einen reichbegabten, höchst originellen Mann.

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Die Strinzer Fahne
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Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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