Die neue Glocke

Zu einem Festtag für die ganze Gemeinde gestaltete sich die feierliche Einholung der neuen Kirchenglocke in StM. Im festlichen Zuge, an dem sich fast die ganze Einwohnerschaft beteiligte, wurde die in der Glockengießerei Rinker in Sinn gegossene, 14 Zentner schwere Glocke, zur Kirche gebracht, wo sie, bei einem Festgottesdienst im Kirchhof, von Bürgermeister Guckes dem Pfarrer Roth als Geschenk der Gemeinde übergeben wurde.

Es gab in der Gemeinde wohl kaum einen Einwohner, der nicht der feierlichen Einholung der neuen Kirchenglocke beiwohnte. In langem Zuge holte man die Glocke unter dem Vorantritt der Schulkinder mit Lehrer Witt, den Fahnen der beiden Ortsvereine, dem Bürgermeister und der Gemeindevertretung, sowie eines Großteils der Einwohnerschaft in den Ort ein. Auf einem Lastkraftwagen wurde die festlich dekorierte Glocke durch den Ort gefahren, beiderseits flankiert von den ganz in Weiß gekleideten Ehrenjungfrauen. Mit dankbarem Herzen säumten die Einwohner der Gemeinde den Straßenrand, als die neue Glocke, die im Verein mit der aus dem Jahre 1450 stammenden alten Glocke, das frühere Geläut wiederherstellen soll, durch den Ort gefahren wurde.

Einzug der neuen Glocke
Einzug der neuen Glocke

Im Rahmen eines würdigen Festgottesdienstes im geschmückten Kirchenhof wurde die Glocke, die die Aufschrift trägt

 

"Christus spricht, ich bin die Auferstehung und das Leben"

 

in die Obhut der Kirchengemeinde übernommen. Eingeleitet wurde die Feier mit einem gemeinsam gesungenen Lied "Großer Gott wir loben Dich" dem Kanon "Lobet und preiset ihr Völker den Herrn", dargeboten von einer Flötengruppe und dem Chor der Volksschule unter Leitung von Pfarrer Roth. Es schloß sich das von einigen Schulkindern vorgetragene Gedicht unseres Heimatdichters Ludwig Hanson "Der neuen Glocke" an.

Bürgermeister Guckes betonte, dass dieser Sonntag ein Festtag für die ganze Gemeinde sei, mit dem ein langehegter Wunsch der gesamten Einwohnerschaft in Erfüllungen gehe. Er betonte, dass der Klang der Heimatglocke besonders für die Menschen, die noch fern der Heimat weilen, viel bedeute, wie überhaupt Kirche und Schule das Symbol einer jeden Landgemeinde sei. Bereits zweimal sei es in der Geschichte der Gemeinde geschehen, dass die Glocke in Kriegszeiten abgegeben werden mußte und man könne nunmehr nur hoffen, dass diese neue Glocke nicht auch den Weg ihrer Vorgänger gehen müsse. Bürgermeister Guckes betonte sodann, dass die bürgerliche Gemeinde sich entschlossen habe, die Finanzierung der Glocke zu übernehmen und dankte gleichzeitig den Jagdpächtern, die noch am Sonntagvormittag rund 1000 Mark zur Anschaffung der Glocke gestiftet hätten.

Der Sprecher der Heimatvertriebenen Einwohnerschaft, Trolsch, wies darauf hin, dass die Menschen zweifelnd geworden seien an dem Schiller-Spruch "Frieden sei dein erst´ Geläute". Der friedliche Klang der Glocken sei zu Kriegszwecken mißbraucht worden, und das Symbol der Glocke "Einheit, Friede und Zufriedenheit" mit Füßen getreten worden. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass die neue Glocke in den kommenden Jahren Künderin und Mahnerin, aber zugleich auch Warnerin vor allen Gefahren sein möge. Pfarrer Roth dankte mit herzlichen Worten all den Männern, die mit dazu beigetragen haben, dieses neue Geläut erklingen zu lassen und wünschte ihnen den Segen des Allmächtigen. Die einzelnen Ansprachen waren mit Vorträgen der Flötengruppe, des Singkreises, des Chors der Volksschule sowie mit Gedichtvorträgen umrahmt worden.

Aarbote, 14. Juni 1955

Aus der Chronik

1600

Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhundert wurde von einem Vigand Kalwort die Strinzer Glocke gebaut. Sie wog ca. 200 kg und hatte einen Durchmesser von 70 cm. Auf der Schulter der Glocke war eine umlaufende Inschrift, wahrscheinlich in frühhomanistischer Kapitalis eingeschlagen. Sie lautet: IN DER EIR GOTTES LUDEN ICH VIGAND KALWORT GOS

 

08. Juli 1917
18:00, Sitzung wegen der großen Glocken, die an die Heeresverwaltung abgegeben werden müssen

13. Juli 1917
Nachmittags Gang zum Landratsamt Langeschwalbach wegen der großen Glocken. Die Gemeindemitglieder wollen dieselben nicht fortlassen. Abschlägiger Bescheid.

14. Juli 1917
Herr Bürgermeister August Schmidt geht auch noch einmal wegen der großen Glocken nach Langenschwalbach: Wieder abschlägiger Bescheid.

15. Juli 1917
Die beiden großen Glocken heute zum letzten Mal zum Gottesdienst geläutet.
Abends 20:15 Uhr Geläut mit beiden Glocken zum Abschied

16. Juli 1917
Schmied Wilhelm Klein mit Geselle und Zimmermann Karl Schäfert bauen Morgens die großen Glocken aus. Sie wiegen 653 kg.

15. Mai 1921

Weihe der neuen Glocke am 15. Mai, 1. Pfingstfeiertag.

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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