Wohin mit Strinz-Margarethä?

Wir schreiben das Jahr 1969. Die Zusammenlegung selbständiger, kleiner Gemeinden im Untertaunuskreis zu einer Großgemeinde wird im November 1969 vom Hess. Minister des Innern vorgeschlagen. Mehrere Gemeinden von Oberlibbach, bis hin nach Aarbergen stehen zur Debatte. Dabei ist von Anfang an nicht klar, welche Gemeinde wohin eingemeindet werden soll. Geplant ist u.a. eine "Gemeindegruppe Breithardt" mit den Ortschaften Breithardt, Hambach, Hohenstein (jetzt Burg-Hohenstein), Born, Holzhausen über Aar, Niederlibbach, Oberlibbach, Steckenroth und Strinz-Margarethä.

 

Auch eine Zusammenlegung mit dem oberen Aartal ist in der Diskussion. Hennethal, das heute zu Hohenstein gehört wird der "Gemeindegruppe Michelbach-Kettenbach" zugedacht.

 

Die Gemeinde Adolfseck zeigt starkes Interesse an der Zuordnung zur "Gemeindegruppe Breithardt", ist aber Bad Schwalbach zugeordnet.

 

Nach Bekanntgabe des Innenministervorschlags, setzen lebhafte Diskussionen in den Gemeinden ein. Als Ergebnis dieser Diskussionen kommt es in der Gemeindevertretung StM zu folgender Beschlussfassung:

 

a: Es wird einstimmig beschlossen, die Selbständigkeit unserer Gemeinde so lange zu erhalten, 
    wie es der Gesetzgeber zulässt.

b: Beschließt der Gesetzgeber eine Zusammenschließung wird mit 8 Stimmen und 1
    Gegenstimme beschlossen, sich der "Gemeindegruppe Breithardt" zuzuordnen. 

c: Falls die "Gemeindegruppe Breithardt" nicht zustande kommt, will man sich nicht - wie in
    der Studie vorgeschlagen der "Gemeindegruppe Michelbach" anschließen, sondern mit allen
    Mitteln versuchen sich der "Gemeindegruppe Hahn" anzuschließen.

 

Im Jahre 1971 steht die "Gemeindegruppe Breithardt" in der heutigen Ausprägung fest. StM wird wunschgemäß dieser Gemeindegruppe zugeordnet.

 

Aufregung um die Namensfindung der "Gemeindegruppe Breithardt"

Die Gemeindegruppe steht, nun muss nur noch ein passender Name her. Die Namensfindung selbst wir für viel Aufregung sorgen.

Favorisiert wird ein neutraler Gemeindename. Die Bevölkerung wird aufgerufen, geeignete Namensvorschläge abzugeben. Über 100 Vorschläge gehen ein. Am 29.11.1971 findet eine gemeinsame Sitzung aller Gemeindevertreter statt, bei der folgende Gemeindenamen zur Auswahl gestellt werden:

 

Waldnassau, Höhenau, Breithardt, Hohenstein, Burgtal, Eisenfeld, Birkenau

 

Nach dem 1. Wahlgang (jeder Vertreter hat 3 Stimmen) bleiben nocht

 

Höhenau, Breithardt, Hohenstein, Waldnassau

 

Nach dem 2. Wahlgang verbleiben noch:

 

Höhenau, Breithardt, Waldnassau

 

Gegen 22:10 wird dann der Gemeindename "Höhenau" für die neue Großgemeinde gefunden.

Stolz präsentiert man den gefunden Namen der Landesregierung.

Die Antwort der Landesregierung ist leider sehr ernüchternd, sie empfindet den Namen "Höhenau" als Mißgriff.

Hier die gekürzte Wiedergabe der Erklärung der Landesregierung:

 

Die Landesregierung folgt nicht dem Vorschlag der Gemeindevertretung, sondern bestimmt den Namen "Hohenstein". Die Gemeinden seien mehrfach darauf hingewiesen worden, dass nach Möglichkeit charakteristische alte Ortsnamen erhalten bleiben sollen oder neue Namen mit überzeugender Aussagekraft gefunden werden sollen. Dies lässt sich von der widersprüchlichen Wortverbindung "Höhenau" (Höhe und Au) nicht sagen. Eine gemeinsame, für den Namen verwertbare Landschaftsbezeichnung fehlt in diesem Raum.

 

Da der geschichtlich bedeutungsvollste Ort der Gemeinden der Ort Hohenstein war, entschied sich die Landesregierung für diesen Namen als neuen Gemeindenamen. Gemäß der hess. Gemeindeverordnung bestimmt die Landesregierung den Namen einer neu gebildeten Gemeinde. Der Beschluß der Gemeindevertretung konnte daher nur empfehlenden Charakter haben. Das eigentliche Hohenstein wurde in Burg-Hohenstein umbenannt.

 

Die Empörung über die Entscheidung der Landesregierung ebbte schnell ab. Der Gemeindename wurde schließlich akzeptiert.

 

Quelle: Hessisches Staatsarchiv / Wiesbaden

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Die Strinzer Fahne
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