60 Jahre Organistin in StM.

Die Organistin der ev. Kirche in StM, Gisela Diefenbach, feiert in 2012 ihr 60. Organistinnen-Jubiläum.

Nachfolgender Artikel erschien im Wiesbadener Tagblatt, Aarboote, 06.10.2012, von Hannelore Wiedmann

(mit freundlicher Genehmigung von Hannelore Wiedemann, Redakteurin des Aarboten, www.aarbote.de)

Gisela Diefenbach und "ihre" Orgel (Foto: Schwarzer)
Gisela Diefenbach und "ihre" Orgel (Foto: Schwarzer)

Organistin von Strinz-Margarethä feiert Jubiläum

 

Musik ist ihr Lebenselixier. Seit sie denken kann, spielen Lieder und Melodien eine zentrale Rolle im Leben von Gisela Diefenbach. „Das ist mir in die Wiege gelegt“, sagt sie und meint: Sie kann nicht anders. Ihre Freude an der Musik lebt sie als Organistin in ihrem Heimatort Strinz-Margarethä seit 60 Jahren jeden Sonntag im Gottesdienst aus - das denkwürdige „Dienst“-Jubiläum wird am Sonntag groß gefeiert.

Mit sieben Jahren - im letzten Kriegsjahr - bekam Gisela Diefenbach zum ersten Mal Klavier-Unterricht. Für ein Kind aus bescheidenen Verhältnissen damals keine Selbstverständlichkeit; die Familie musste Opfer bringen. Auch für das erste Klavier: „Mein Bruder musste sein Fahrrad hergeben, meine Eltern eine Gans und einen Schinken.“

Klavier aus Trümmerhaus

Das Klavier stammte aus einem Trümmerhaus, die Vorderwand war verkohlt. Zum Glück war der Onkel Schreiner.

Aus dieser Zeit stammt auch die kleine Ziehharmonika, die heute noch einen Ehrenplatz auf der Anrichte einnimmt. Das mit echtem Perlmutt besetzte Instrument gehörte einem französischen Kriegsgefangenen, der in einer Scheune gegenüber dem Haus der Diefenbachs in der Scheidertalstraße untergebracht war. Noch genau erinnert sich die 74-Jährige an die Worte des Franzosen, als er die Ziehharmonika ihrem Bruder in die Hand drückte: „Bei euch ist sie besser aufgehoben.“

Geübt wurde nur abends, um der Nachbarschaft keinen Anlass zur Entrüstung zu geben. Musizieren - das galt Vielen als brotlose Kunst, als Luxus. „Geh‘ lieber was schaffen“, war ein Satz, den Gisela Diefenbach mehr als einmal zu hören bekam.

Zum Orgelspielen kam Diefenbach mit 14 Jahren. Als sie bei ihrer Konfirmation dem neuen Pfarrer etwas auf dem Klavier vorspielte, verpflichtete der sie prompt als Organistin. Beim Erntedank-Gottesdienst 1952 spielte sie zum ersten Mal die Orgel in der Kirche. „Mit Glaube hatte das damals nichts zu tun“, bekennt sie heute. Die Zeiten waren schwer; die Musik war ein Lichtblick und auch die kleine Aufwandsentschädigung konnte die Familie gut gebrauchen.

Seitdem sitzt sie jeden Sonntag vor dem großen Instrument in der Strinzer Kirche und spielt, was ihr gerade einfällt. „Ich habe so viel Musik im Kopf“, sagt sie fröhlich, Kirchenmusik ebenso wie volkstümliche Lieder oder irische Weisen. Sie spielt an allen Feiertagen, bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen - nicht nur für die Kirchenbesucher, sondern auch für sich selbst. Die Orgel „ist mein bester Freund“: Alles könne sie ihr anvertrauen, Freude und Leid, Lachen und Weinen. Die Register zieht sie je nach Stimmung. Selbst nach der Geburt ihrer vier Söhne gönnte sich die Organistin nur eine kurze Pause.

Kaum einer kennt die barocke Dahm-Orgel so gut wie Gisela Diefenbach - ihre Vorzüge, aber auch ihre Macken. „Ich liebe die Orgel so, wie sie ist“, dennoch ist klar: Eine Sanierung muss sein. Und so soll auch das Organisten-Jubiläum genutzt werden, um Spenden für die Orgel zu sammeln.

Nicht nur in der Kirche, auch im Alltag der 74-Jährigen dreht sich vieles um die Musik: Beinah täglich spielt sie auf der Ziehharmonika, dem Klavier, der Heimorgel, dem Keyboard oder auf einem ihrer drei Akkordeons. Und selbst im Urlaub lässt sie keine Gelegenheit aus, ihrer Leidenschaft zu frönen - so wie jüngst in Korsika, wo sie die Orgel in einer großen Kirche spielen durfte. „Musik ist mein Leben“ - Gisela Diefenbach kann nicht anders.

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

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