Der "Zehnte" ging ans Kloster Bleidenstadt

Auf dem Weg ins Kloster
Auf dem Weg ins Kloster

"In frühen Jahren mußten wir Strinzer

unsere Steuern, den sogenannten Zehnten,

an das Kloster Bleidenstadt leisten. Wir

hatten den Großen, den Kleinen und den

Blutzehnten zu leisten. Nachfolgend erzähle ich

Euch, was genau wir von unserer Ernte an

das Kloster abgeben mußten."

Die Zehntpflicht unserer Vorfahren

Der Zehnte soll unter Karl dem Großen eingeführt worden sein. Die Bauern mussten dem Kloster Bleidenstadt den "Großen Zehnten" (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Heu), den "kleinen Zehnten" (den 10. Krautkopf und ebenso vom übrigen Gemüse, von Rüben, Obst, Erbsen, Wicken und Flachs den 10. Teil) und den "Blutzehnten" liefern, der sich auf lebende Haustiere und ihre Erzeugnisse wie Milch, Eier, Butter, Honig erstreckte.

Lange Zeit hatten die Bauern die Eier stückweise abzuliefern. Oft suchten sie die kleinsten von den jüngsten Legehennen aus. Die Mönche konnten gegen dieses Ablieferungszoll natürlich nichts einwenden, ärgerten sich aber über die kleinen Eier. Endlich fanden die Mönche einen Ausweg, wie die Rentenverzeichnisse des 11. Jahrhunderts bestätigen. Von jetzt an durften die Eier nur noch pfundweise abgeliefert werden. Das war wohl die gerechteste Lösung für beide Seiten.

Außerdem hatten die Bewohner als Leibeigene für das Kloster Hand- und Spanndienste zu leisten, die Frauen mussten Hemden und Tischtücher nähen und waschen.

Die Ablösung von Frondiensten

Der Ausdruck "Arbeiten in der Fron" ist heute noch in unserem Dorf gebräuchlich, doch kommt sicher nicht vielen zum Bewußtsein, wie groß der Unterschied ist zwischen der heutigen Gemeinschaftsarbeit für das Dorfwohl und den Frondiensten, die von den Vorfahren zuerst für das Kloster und dann für die weltliche Obrigkeit geleistet werden mussten.

In Nassau - Idstein allerdings wurde schon frühzeitig der Versuch gemacht, die Last der Untertanen zu erleichtern. Von alters her hatten auch diese unter der Pflicht geseufzt, nicht allein die zahlreichen, im Lande verstreuten Höfe mit ihrem Fleiß und Schweiß zu bestellen, sondern auch als Rhein- und Weinfahrten, so oft es verlangt wurde, auszuführen.

Nach dem 1568 erfolgten Ableben des Grafen Balthasar hielt es die vormundschaftliche Regierung für seinen unmündigen Sohn Johann Ludwig im Jahre 1570 für zweckmäßig, die sämtlichen Domänen Hofleuten in Pacht zu geben, die auf eigene Kosten die Bebauung der Ländereien besorgte.

So wurden die Frondienste der Bauern hierfür nicht mehr benötigt. Aber die Regierung wollte das alte Herrenrecht den armen Leuten nicht ohne weiteres zum Geschenk machen, sondern suchte die fällige Arbeit in klingende Münze umzusetzen. Demgemäß verhandelten sie und vereinbarten mit den Bewohnern der Ortschaften, daß ein jeder Pferdebauer auf das Jahr von einem Gaul 2 Taler und ein "Heppenbauer" der keine Pferde hielt, einen Taler für den schuldigen Dienst auf 2 Ziele, auf Johannis (24. Juni) und Martinstag (11. November) zu erlegen schuldig sein sollte.

Die Herrschaft behielt sich aber den Dienst zu hohen und kleinen Jagden und Weidwerk, ebenso zum Fischen und ferner die schuldige Nachfolge der Untertanen (Leibeigenschaft) ausdrücklich vor. Auch blieb die Pflicht bestehen, den Kirbenwein für jeden Ort, wie von alters her, auf eigene Kosten zu stellen.

Die Steuerliste des Jahres 1573 nennt uns die Höhe der Ablösungsgelder. Jährlich entfielen demnach auf Strinz-Margarethä 61 Taler. Dass dabei unser Dorf nach Breithardt (62 Taler) die 3. Stelle einnimmt, ist sicher ein Beweis dafür, dass es im Vergleich zu anderen Dörfern wirtschaftlich gut gestellt war.

Die Bauern hatten jedoch keine reine Freude an dem gemachten Geschenk, das ihren immerhin schon mageren Geldbeutel unangenehm berührte. Sie suchten darum einen Weg, um diese neue Belastung nach Möglichkeit abzuschwächen. Das konnten sie am einfachsten durch Verringerung des Zugviehs erreichen, was sich auch ohne Schädigung des Betriebes machen ließ, da dieser nicht mehr so stark für herrschaftliche Zwecke in Anspruch genommen wurde.

Zehnturkunde Ritterstift St. Ferrutius Bleidenstadt

Die Zehntverpflichtungen der einzelnen Ortschaften wurden mittels Urkunden dokumentiert. 

Hier ein erhalten gebliebenes Exemplar aus dem Jahre 1800 über die Zehntverpflichtung von StM.

Urkunde zur Zehntverpflichtung von Strinz-Margarethä aus dem Jahre 1800
Urkunde zur Zehntverpflichtung von Strinz-Margarethä aus dem Jahre 1800

Der Acker "Zehntfrei"

In StM gibt es einen Acker mit der Bezeichnung "Zehntfrei". Der Name bedeutet, dass die ursprünglichen Besitzer in alter Zeit keinen Zehnten für diesen Acker zu zahlen hatten. Zur Geschichte des Ackers gibt es folgende Überlieferung:

Früher ritt hier einmal eine Gräfin vorbei, die diesen Acker betrachtete. Auf dem Acker stand der Hafer sehr dünn und die Gräfin soll voller Geringschätzung gesagt haben: "Von einem solchen Acker will ich keinen Zehnten haben". Der Eigentümer freute sich natürlich, da er jetzt vom Zehnten befreit war.

(Überlieferung von Liesel Petri in der Strinzer Chronik)

Die Abschaffung der Leibeigenschaft

Im Jahre 1818 wir im Herzogthum Nassau die Leibeigenschaft abgeschafft. Die hat zur Folge, das die alten Abgaben abeschafft werden und ein neues Steuersystem geschaffen wird.

 

Friedrich August, Herzog von Nassau und Friedrich Wilhelm, Fürst zu Nassau teilen 1808 in der Sammlung der "Landesherrlichen Edicten und anderen Verordnungen" die Aufhebung der älteren und direkten Abgaben (Zehnten) nach Einführung eines neuen direkten Steuersystem, beginnend am 01. Januar 1808, mit. Für die einzelnen Ämter und Ortschaften werden die einzelnen Abgaben aufgeführt, die nicht mehr zu entrichten sind.


Für das Oberamt Idstein (zu dem auch StM gehört):
- die ordinäre Schatzung
- die Extrasteuern
- die Additionalsteuer der ehemaligen Freigüter
- die Servicegelder
- die zur Landesunkostenkasse sowie die zur alten Constributionscasse erhobenen
   Schätzungsimpeln
- die nach dem Schatzungsfuß bisher erhobenen Beiträge des Oberamtsphvficus in Idstein
- das Dienstgeld, die Diensthafer und das Dienstheu
- das Hofdienstgesindegeld
- die mit dem Dienstgeld bisher erhobene Leibbeet
- Fastnachtshübner und Sommerhahnen.
 

Speziell für StM:
- das Bereiter-Jossengeld
- das Herrengeld
- das Weidhammelgeld
- die Frohnd-Rodemtisensgelder wegen Befreiung von den Natural-Erndtefrohnden auf
   dem Georgenthaler Hof
- die Frohnden auf der Brühlwiese
- die Rauchhafer
- das Kirmesweingeld
- die ständigen Abgabe von den Krämereien
- das Landwachtgeld

(Sammlung der landeherrlichen Edicte und anderer Verordnungen / Seite 311 und 312)

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

Sebastian Vettel fährt durch StM (ab 16:05)

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