Diebstahlschutz in alter Zeit

Strinzer Spießträger
Strinzer Spießträger

"Hallo,

wir sind die drei Strinzer Spießträger.

Der Tag- und Nachtwächter und der

Feldschütz.

Nachfolgende erzählen wir Euch, wie

sich das Dorf in alter Zeit gegen die

lichtscheuen Gestalten schützte, aber

auch über den Feuerschutz in frühen

Jahren."

In frühen Jahren fürchtete man sich oft vor Räuberbanden. Wenn auch der Schinderhannes selbst nicht hier war, wie sich das Volk erzählt, so hatte man doch unter seiner Bande zu leiden.

Namentlich einer der Katzuff (Metzger) (1) genannt wurde, hat Angst und Schrecken verursacht. Er knebelte Knechte, schnitt von außen die Fensterscheiben heraus, stieg ein und versperrte nachher das Zimmer mit einem großen Riegel. Dann stöberte er im ganzen Haus herum und stahl wie eine Elster. Er hat auch unser Dorf heimgesucht.

Den Räubern wurde ihr Handwerk erleichtet durch die damalige Kleinstaaterei. Sie brauchten z. B. nur von hier nach Holzhausen über Aar ins Hessische zu flüchten und konnten dann nicht mehr von den nassauischen Gendarmen verfolgt werden. Erst als die Franzosen nach Deutschland kamen und sowohl Nassau und auch Hessen beherrschten, konnten die Räuber gefasst werden.

Nach den Befreiungskriegen war immer noch starker Selbstschutz der Gemeinden notwendig, wie das Bürgermeisterbuch aus dem Jahre 1818 beweist. Damals bestellte unsere Gemeinde beim Schlossermeister Kahn in Idstein drei neue Spieße, auf die der Dorfname eingeschlagen werden musste. Daraus ersieht man, dass das Dorf seinerzeit durch drei Spießträger geschützt wurde: Den Tagwächter, den Nachtwächter und den Flurschütz.

In späterer Zeit hat man den Tagwächter abgeschafft und dafür den Nachtwächter durch sogenannte Beiwachen unterstützt.

Im Jahre 1838 stellt der Amtmann Gieße aus Wehen fest, dass "der Teil des Amtes, welcher zwischen der Landstrasse und dem Amte Idstein gelegen ist, dem Diebsgesindel zum Schauplatz und den Landstreichern zum ungestörten Aufenthalte dient". Deshalb sollen die Herren Schultheißen die Nacht- und Beiwachen gehörig beaufsichtigen. "Es ist nicht, wie an verschiedenen Orten bisher der Fall war, dem Ortsdiener bloß die Bestellung der Beiwache zu überlassen, sondern die Herren Schultheißen müssen stets Kenntnis davon haben, an welchem Ortseinwohner die Reihe ist. Keine Weibsperson und Kinder unter 17 Jahren, noch weniger Blödsinnige, wie es schon der Fall war, dürfen zum Dienste als Beiwache zugelassen werden. Die Dauer des Dienstes muss bis zum Anbruch des Tages währen".

Der letztgenannte Zeitpunkt wurde später geändert; die Nachtwache dauerte von Martini (11.11.) bis Ostern von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, von Ostern bis Martini von 10 Uhr bis 2 Uhr. Während dieser Zeit hatte der Nachtwächter stündlich zu blasen und die Beiwachen mussten abwechselnd auf der Straße sein.

Vermögende Witwen waren verpflichtet, einen Wachmann zu stellen, für arme Witwen galt die Vorschrift nicht.

Der letzte Flurschütz oder Feldhüter war der Landwirt Willi Egert, der seine Tätigkeit 1961 beendete.

(Festschrift 800 Jahre StM / Horst Witt)

 

(1) Der Räuber Katzuff oder Katzoff wurde gefasst und zu 15 Jahren Zuchhaus verurteilt.
(Verhandlungen der Ständeversammlung des Herzogthums Nassau / Seite 40 / Erwähnung im Zusammenhang mit dem Bau der Aarstraße / 1859)

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Die Strinzer Fahne
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