Auf Distanz

Die Aufzeichnungen aus der Schulchronik zeigen, dass es nach dem 1. Weltkrieg auch in StM viele Leute gab, die mit den Zuständen in der Weimarer Republik unzufrieden waren und deshalb von dem neu auftretenden, selbst ernannten Heilsbringer, Adolf Hitler, die Rettung erwarteten. Dies erklärt auch die Wahlergebnisse von 1933 hier in StM, bei der nahezu alle Wahlberechtigten der NSDAP ihre Stimmen gaben.

 

Die Wirklichkeit in der Nazizeit spiegelt in StM aber ein andres Bild wieder.

 

Dies im Vergleich zu Ober- und Niederlibbach, wo der fanatische Gastwirt Christ als Ortsgruppenführer die Fuchtel schwang. Dort drohten Schilder an den Ortseingängen mit der Aufschrift "Unser Gruß ist Heil Hilter" mit Konsequenzen, wenn dies nicht eingehalten wurde.

 

Im Gegensatz dazu war in StM kein Druck der ohnehin kleinen Zahl von überzeugten Nazionalsozialisten zu spüren. In den Wirtschaften und auf den Straßen wurde meistens - selbst vom Bürgermeister Weber - dem Vater des Ortsgruppenleiters Richard Weber mit "Guten Morgen! Guten Tag! Guten Abend! gegrüßt.

 

Auch der Widerstand der Eltern zur Hitlerjugend zeugt von dieser Distanz. Dies zeigt auch ein Eintrag aus der Schulchronik. Dort heißt es:

"Leider war es im Schuljahr 1935/1936 nicht möglich, eine größere Schülerzahl der HJ zuzuführen, da die Eltern zu sehr die Kosten scheuen. Von dem 19 Schülern der oberen Jahrgänge gehörten an: dem Jungvolk 7 Jungen und dem BdM (Bund deutscher Mädchen / Red.) keine Schülerin.

 

Als der Ortsgruppenleiter Richard Weber im 5. Kriegsjahr zur Wehrmacht eingezogen wird, übernimmt Wilhelm Enders sein Amt. Dies auch um zu verhindern, dass der gefürchtete Gastwirt Christ seine Macht über StM ausüben kann. 

Das der neue Parteileiter von StM alles andere ein Nationalist war, zeigte sich z.B. in nachfolgender Geschichte:

 

Enders hatte von Kreisleiter den Auftrag erhalten, die Verpflichtung, der die Schule verlassenden Jungend, auf die Partei vorzunehmen. Es war dies eine Art Ersatz für die verpönte Konfirmation. Enders wollte diesem entgehen, indem er Rektor Weisser bat, diese Verpflichtung vorzunehmen. Rektor Weisser lehnte mehrmals ab. Als aber der Ortsgruppenleiter seine Bitte noch dringender wiederholte und Weisser den Eindruck bekam, dass hier ein Mensch innere Not lit, durch den Zwiespalt zwischen seinem Amt und seiner wahren Überzeugung, gibt Weisser nach und verpflichtet am nächsten Tag die abgehenden Schüler nach seiner Entlassungsrede auf den Nationalsolzialismus. Einige der aufgeweckten Jungen und Mädchen, die diese Vorgehensweise durchschauten konnten, so wie Rektor Weisser selbst, konnten bei dieser Zeremonie ein Lächeln nicht unterdrücken. Der Ortsgruppenleiter meldete nun, dass die abgegangenen Schüler befehlsmäßig verpflichtet worden waren und die Sache war in Ordnung.

Die größte Erbitterung gegen die Partei hatte ein Plan hervorgerufen, die kleinen Bauern nach dem Krieg zu enteignen und zur Neusiedlung in den Osten zu schicken. Ihre Höfe sollten danach den Nazi-Großbauern übereignet werden.

Bezeichnet diesbezüglich ist folgende Geschichte:

Der Bauer August Christmann fragte auf dem Amtsgericht in Wehen nach, ob er seine Äcker auf den Sohn übertragen könne. Amtsgerichtsrat Hemskerg erwiederte: "Haben Sie einen Erbhof? Ihnen wird man nichts abnehmen, solange sie leben, aber auf Ihren Sohn wird man nichts überschreiben, denn die jungen Leute müssen im Osten siedeln".

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Die Strinzer Fahne
Die Strinzer Fahne

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